Das Erzbistum München und Freising stellt zur Betreuung der Flüchtlinge für das kommende Jahr ein Sonderbudget von fünf Millionen Euro bereit. In vielen Gemeinden engagieren sich aber auch Ehrenamtliche in vielfältigen Projekten für Flüchtlinge. Sie streichen Wohnungen, organisieren Deutschkurse oder helfen bei Einkäufen und Behördengängen. So wird das weihnachtliche Motiv der Herbergssuche in alten Bauernhäusern und Klöstern konkret.
Für freie Plätze in den Herbergen sorgten auch die Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde Sankt Rochus und Augustinus in Bonn. Seit rund drei Monaten unterstützt ein Netzwerk aus Freiwilligen der Gemeinde die sechsköpfige Familie Alrebdawi aus Syrien. Die 76-jährige Helferin Doris Mohr zum Beispiel gibt privaten Deutschunterricht, begleitet die Familie zum Arzt oder ins Museum. "Ich habe vom Westen immer gedacht, jeder lebt für sich, keiner schert sich um den anderen", erzählt Familienvater Mohammad Alrebdawi. Genau das Gegenteil sei aber der Fall.
Hilfe in Nord wie Süd
In Haste nahe Osnabrück leben seit einigen Monaten zwei Flüchtlingsfamilien auf einem Bauernhof - und hauchen dem alten Haus neues Leben ein. "Die Flüchtlinge werden oft ziemlich alleingelassen", erklärt Norbert Poerschke, der sich mit einer siebenköpfigen Gruppe aus Ehrenamtlichen um die Familien kümmert.
Deshalb fährt er mit ihnen zu Anlaufstellen für Kleider und Möbelspenden, damit sie sich selber aussuchen können, was sie brauchen und was ihnen gefällt. "Die Menschen sollen sich in ihrer neuen Wohnung wohlfühlen und das Gefühl haben willkommen zu sein", erklärt Poerschke. Eine Geschichte erzählt der Freiwillige besonders gern: Bereits nach wenigen Monaten hätten die Kinder Freunde gefunden und wollten daher gar nicht näher an die Innenstadt ziehen. "So funktioniert Integration", freut sich der Ehrenamtliche.
Auch im Benediktinerkloster Münsterschwarzach, rund 25 Kilometer östlich von Würzburg, sind Flüchtlinge willkommen. Der Einzug von neun Männern aus Syrien, Irak und Iran stehe kurz bevor, teilte das zuständige Landratsamt Kitzingen mit. Die Flüchtlinge seien Christen und Muslime. "Es hilft nicht nur beten, sondern - wenn sie vor der Tür stehen - auch tun", betont der Abt des Klosters, Michael Reepen.
Die benediktinische Aufgabe der Gastfreundschaft gelte besonders vor Weihnachten: "Mit jedem Fremden empfangen wir Christus", erklärt der Abt. Ein Kreis von zehn Brüdern wolle den Flüchtlingen Deutschunterricht geben und ihnen ermöglichen, aktiv am Klosterleben teilzunehmen, wenn sie dazu bereit seien. So könnten Sie zum Beispiel im Klosterladen oder der Druckerei mitarbeiten. Auch aus der örtlichen Pfarrgemeinde sei bereits Unterstützung angeboten worden.
Treffen mit Syrern und Trachtenverein
Neben den Münsterschwarzacher Benediktinern beherbergen auch die Erlöserschwestern im Bistum Würzburg seit Mitte Oktober rund 90 Flüchtlinge im alten Exerzitienhaus. In Salzweg vor der Toren Passaus bietet Mouna Sabbagh über die örtliche Caritas eine Asyl- und Sozialberatung für Flüchtlinge an.
Die Sozialarbeiterin telefoniert, schreibt Briefe und geht mit zu Vorstellungsgesprächen. Sie macht Mut, wenn es Rückschläge gibt. Die Asylbewerber vertrauen ihr, "sie haben das Gefühl, wir sind auf der gleichen Ebene". Denn Mouna Sabbagh ist selbst Syrerin und als Kind mit ihren Eltern nach München gekommen. In ihrer Arbeit für die 90 Flüchtlinge wird die Sozialpädagogin von einem Kreis aus Ehrenamtlichen unterstützt. Bei einem Treffen in der Pfarrgemeinde seien auch der Trachtenverein, der Strickverein und die Pfadfinder dazugekommen. So habe sich in Salzweg eine Willkommenskultur etabliert.
Von Maike Müller (KNA)