Montag 20. November 2017
Michael Haderer
Geteilte Gedanken

Der Klang des Lebens braucht Vertrauen

von Michael Haderer am 05. Mai 2016, 16:24 Uhr

Ich höre Dir zu. Du gehörst dazu.

Dazu gehören. Gehört werden. Wir Menschen sehnen uns vor allem um ehrliches Angenommen-Sein um unserer selbst willen. Das ist auch eine Grunderfahrung, die in unseren Cursillos immer wieder greifbar werden kann. Dort wird mir zugehört. Dort kann ich ich selbst sein – in einer Gemeinschaft, zu der mein „Ich-Selbst-Sein“ gehört.


Das Gute im Menschen sehen - Grundvertrauen

Ich erinnere mich sehr gerne an meinen eigenen Jugendcursillo zurück. Hier wurde – weil mir die MitarbeiterInnen und TeilnehmerInnen als Hörende begegnet sind, und weil ich einfach als ich selbst dazugehören durfte – wohl der Grundstein für meine heute gelebte Spiritualität gelegt. Ich versuche, auf andere Menschen unvoreingenommen zuzugehen. Dazu ist das grundlegende Vertrauen wichtig, dass die allermeisten Menschen auf dieser Welt den allermeisten anderen Menschen Gutes wollen.

Nur durch ehrliches Aufeinander-Zugehen, nur durch ein Grundvertrauen, das den anderen ernst nimmt, kann eine Atmosphäre entstehen, in der Zuhören möglich wird. Und damit: Dazu-Gehören.

Gott sei Dank gibt es in meinem Leben viele Bereiche, wo mir zugehört wird und wo ich dazugehören darf. Die Cursillo-Gemeinschaft, der wunderbare Chor Pfarrklang in meiner Heimatgemeinde – und natürlich allen voran meine Familie.

 

 

Musik: Klänge, die verbinden

Ich singe für mein Leben gern. Bei der Musik kommt es besonders darauf an, aufeinander zu hören. Wenn dieses gemeinsame Zuhören gelingt, ergibt das nicht nur einen besonderen Wohlklang für alle, sondern dieses Wohlsein stellt sich auch im Herzen ein. Wo Musik das Herz berührt, ereignen sich für mich immer wieder Wunder. Ganz besonders, wenn diese Musik auch Gebet ist – wohl die schönste Form des Betens. Wenn ich in einer Gemeinschaft singend beten darf, ist das nicht nur ein besonderer „Ton“, den man da von Gott mitkriegt, die „Töne“ der anderen werden miteinander zum Wohlklang, gerade dann, wenn auch ein paar schräge Töne mitklingen. Musik klingt für mich am Schönsten, wenn sie nicht „perfekt“ ist. Denn dann entspricht sie uns ganz und gar nicht perfekten Menschen wohl am besten.

So wie bei der Musik ist das Aufeinander-Hören auch im Sprechen keine Einbahnstraße. Es erfordert eine große Offenheit auf Seiten des Zuhörers wie auf Seiten dessen, dem zugehört wird. In diesem Vertrauensraum hat die Möglichkeit, Gehör zu finden, die Kraft, kleinere und größere Wunder zu vollbringen. Dadurch, dass ich mich angenommen weiß, dadurch, dass ich Wohlwollen und Vertrauen spüre, kann vieles heilen. Als Christen vertrauen wir darauf, dass unsere Lebensmelodie gehört wird – und dass wir mit der Melodie der Liebe gemeinsam klingen dürfen.

 

(Schall)Mauern oder Vielstimmigkeit?

Wir leben in einer Zeit neuer Grenzziehungen. Diese Entwicklung macht mich traurig – denn wir bauen nicht nur physische Zäune, sondern errichten auch in uns große (Schall)Mauern. Damit machen wir uns taub für die schönen Melodien anderer Lebensgeschichten, die uns bereichern könnten.

Ich bin davon überzeugt, dass diese aus den Fugen geratene Welt letztlich nur dann heilen kann, wenn wir vertrauende Zuhörer sind, die den jeweils anderen einladen, dazuzugehören. Es ist manchmal gar nicht so leicht, den Wohlklang in manch schiefen Lebens-Tönen zu entdecken. Doch es lohnt sich, genau hinzuhören. Wenn die Verbundenheit, das Dazu-Gehören mein Hören verändert, dann eröffnen sich neue Klang-Welten, die dazu beitragen, dass auch in meiner Lebensmelodie möglichst viele Stimmen klingen können.

 

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der 4. Tag" (Cursillo Oberösterreich) im Mai 2016

Bildnachweis: pixabay.com Bildlizenz: CC0 - Public Domain

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ZITAT

 

"Bei allem, was ihr tut, lasst euch von der Liebe leiten."

(1Kor 16,14)

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