Mittwoch 26. Juli 2017

„Meine Aufgabe in Linz wird ein Hineinwachsen sein“

Bischof Manfred Scheuer bei der Pressekonferenz in Puchberg

Ich gehe nach Oberösterreich mit einem Grundvertrauen und mit der Zuversicht, dass der Geist Gottes uns lebendig macht.“ Mit diesen Worten stellte sich Bischof Manfred Scheuer bei einer Pressekonferenz in Schloss Puchberg als neu ernannter Diözesanbischof vor.

Am 18. November 2015 gab der Vatikan zu Mittag offiziell bekannt, dass Papst Franziskus den Innsbrucker Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer zum 14. Bischof der Diözese Linz ernannt hat. Manfred Scheuer, geboren 1955 in Haibach (Oberösterreich), kehrt voraussichtlich im Jänner 2016 als Nachfolger von Ludwig Schwarz in die Diözese Linz zurück.

 

Bei einer Pressekonferenz am gleichen Tag um 17 Uhr im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels äußerten sich der amtierende Bischof Dr. Ludwig Schwarz SDB und sein heute ernannter Nachfolger Dr. Manfred Scheuer zur anstehenden Amtsübergabe – der eine in dankbarer Freude über den Nachfolger, der andere mit Zuversicht, Vertrauen und einer großen Portion Wehmut.

 

Im Bildungshaus Schloss Puchberg, dem Ort der Pressekonferenz, hatten sich vor fast genau einem Jahr 165 Delegierte aus den diözesanen Räten mit der Frage beschäftigt, welche Voraussetzungen und Begabung ein neuer Diözesanbischof mitbringen sollte. Heute stellte sich der zu Mittag ernannte Nachfolger von Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz den Fragen der JournalistInnen.

 

 

 Der amtierende Bischof Dr. Ludwig Schwarz (l.) und sein neu ernannter Nachfolger Dr. Manfred Scheuer

Der amtierende Bischof Dr. Ludwig Schwarz (l.) und sein neu ernannter Nachfolger Dr. Manfred Scheuer. © Wakolbinger

 

Scheuer: „Bischofsernennungen angesichts aktueller Ereignisse sekundär“

 

Dass sich Bischof Manfred Scheuer durch Bescheidenheit und Realitätssinn auszeichnet, bewiesen seine ersten Worte als neu ernannter Diözesanbischof von Linz. „Die Ereignisse und Nachrichten der vergangenen Tage sind unterschiedlich zu gewichten. Die Bilder von den Opfern der barbarischen Terroranschläge in Paris, die Toten, die Verwundeten (unter denen auch ein Tiroler war) und deren Angehörige sind uns in diesen Tagen stark präsent. Nahe sind auch die vielen Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Zerstörung und Not bei uns Zuflucht suchen.“ Demgegenüber seien Personalentscheidungen und Bischofsernennungen sekundär und marginal, so Scheuer. „Das hängt mit dem Amts- und Kirchenverständnis zusammen – ich sehe es als Hilfswerkzeug dafür, dass sich Menschen wieder miteinander vertragen und dass sie Kraft und Stärkung in Gott finden.“ Wesentlich mehr als seine Ernennung beschäftige ihn momentan der Tod von Professor Gunter Janda, einer prägenden Persönlichkeit seiner Kinder- und Jugendzeit und sein väterlicher Begleiter, dessen Begräbnis Scheuer am kommenden Samstag halten wird.

 

Der Anruf der Bischofskongregation hatte Scheuer am 3. November ereilt, am 5. November gab es Gespräche in Rom. „Zuerst erhielt ich das Ernennungsdekret – erst dann wurde ich gefragt, ob ich es annehme“, schilderte Scheuer die „umgekehrte“ Reihenfolge. Es folgte eine Zeit des Erwägens und Besprechens mit Vertrauten. Die Überlegungen hatten mit „Verfügbarkeit und Gehorsam“ zu tun, aber auch mit der Altersfrage („Mit 60 ist man doch auch schon etwas verbraucht!“). Am 10. November sagte Scheuer schließlich schriftlich zu.

 

 

 Bischof Manfred Scheuer fand offene Worte ei der Pressekonferenz

 Bischof Manfred Scheuer fand offene Worte ei der Pressekonferenz. © Wakolbinger

 

 

Gemischte Gefühle im persönlichen Umfeld und beim neuen Bischof

 

Die Reaktionen des persönlichen Umfelds waren durchaus „durchwachsen“, wie Scheuer offen erzählte. „Zu Allerheiligen war ich noch am Grab meines Vaters und zu Besuch bei meiner Mutter. Sie hat gesagt, sie wünscht mir das nicht. Und die Reaktion meines Bruders war: ‚Ich weiß nicht, ob du glücklich wirst dabei ...‘“ Die Kommentare der Freunde reichten von „Was soll denn das?“ über „Ach du liebe Zeit!“ bis hin zu „Das ist toll – wir freuen uns sehr!“ Auch bei Scheuer selbst hielt sich die Begeisterung in Grenzen: „Es ist nicht so, dass ich in große Euphorie ausgebrochen bin – natürlich macht mich der Abschied auch traurig. Ich war ja in Innsbruck schließlich nicht im Exil!“

 

Er glaube aber grundsätzlich, dass es gut gehen werde, auch wenn sicher nicht alles harmonisch laufen werde, so Scheuer, denn: „Die Diözese Linz ist besser als ihr Ruf – oder als das, was von außen über sie gesagt wird.“ In die Diözese Linz kehre er „mit der Zuversicht und dem Grundvertrauen zurück, dass letztlich alle Umwege und Brüche zum Guten führen“. Bei biografischen Einschnitten sei es ihm jedoch wichtig, gut Abschied zu nehmen, um sich gut auf etwas Neues einlassen zu können. Die Amtsübernahme möchte Scheuer deshalb „möglichst lange hinauszögern“ – sie soll innerhalb von zwei Monaten erfolgen. „Alles andere würde mir nicht entsprechen und den Innsbruckerinnen und Innsbruckern nicht gerecht werden“, so Scheuer.

 

„Meine Aufgabe in Linz wird ein Hineinwachsen sein. Ich muss viele Menschen kennenlernen – auch wenn ich Oberösterreicher bin, ist für mich die Diözese in gewisser Weise Neuland. Natürlich spüre ich den Zauber des Anfangs, aber auch eine gewisse innere Unsicherheit“, ist Scheuer ehrlich.

 

Den Abschied aus Oberösterreich habe er vor 19 Jahren mit der Perspektive vollzogen, dass seine berufliche Zukunft nicht mehr hier liege. „Dieser Abschied damals war durchaus schmerzvoll, weil etwa Freundschaften nicht mehr intensiv gelebt werden konnten. Ich musste anderswo Wurzeln schlagen. Innsbruck war ein Gang in die Fremde, aber auch ein Einlassen, ein Vertrautwerden, eine Einwurzelung. Ich habe Tirol durchaus als meine Heimat erfahren und blicke mit großer Dankbarkeit auf die letzten 12 Jahre zurück – mit all ihren Licht- und Schattenseiten.“

 

Grundsätzlich sei ja bekannt, dass die Übernahme eines Bischofsamtes nichts mit einem Karrieresprung zu tun habe. Scheuer launig: „Der Blick geht talwärts Richtung Donau – Linz ist schließlich unterhalb von Innsbruck!“ Was ihm darüber hinaus wichtig sei, sei der Blick nach innen und „Gott in allen Dingen zu suchen, auch an den Wegkreuzungen des Lebens“.

 

Ein nachdenklicher Bischof Scheuer bei der Pressekonferenz

Ein nachdenklicher Bischof Scheuer bei der Pressekonferenz. © Wakolbinger

 

Schwarz: „Ich kann die Leitung der Diözese vertrauensvoll in Manfreds Hände legen“

 

Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz, der anlässlich seines 75. Geburtstags am 4. Juni 2015 sein Rücktrittsansuchen bei Papst Franziskus eingereicht hat, freut sich sehr über seinen Nachfolger: „Ich durfte bei meinem Amtseintritt 2005 eine lebendige Diözese übernehmen, die nah bei den Menschen und wirksam in der Gesellschaft ist. Meinen Dienst als Bischof habe ich immer gern ausgeübt und ich freue mich auch auf die verbleibenden Wochen, in denen ich dieses Amt noch innehabe. Nun, da ich weiß, wer mich im bischöflichen Amt ablösen wird, kann ich beruhigt dem Ruhestand entgegenblicken, in dem ich aber weiterhin seelsorgliche Dienste übernehmen werde.“ Er könne Anfang nächsten Jahres die Leitung der Diözese Linz vertrauensvoll in die Hände seines Nachfolgers legen.

 

Schwarz würdigte Scheuer als guten Hirten, dem gerade auch Menschen in Not und am Rande der Gesellschaft ein besonderes Anliegen seien. Besonders hob Schwarz auch die Rolle Scheuers als Postulator im Seligsprechungsprozess für Franz Jägerstätter hervor. Der amtierende Diözesanbischof gratulierte seinem Nachfolger herzlich und wünschte ihm Gottes Segen für sein künftiges Wirken, ein gutes Miteinander mit Priestern und den vielen engagierten Laien sowie „Kraft und Mut für den pastoralen Dienst an den Menschen unserer Diözese“.

 

Der amtierende Bischof Dr. Ludwig Schwarz in herzlicher Umarmung mit seinem neu ernannten Nachfolger Dr. Manfred Scheuer

Der amtierende Bischof Dr. Ludwig Schwarz in herzlicher Umarmung mit seinem neu ernannten Nachfolger Dr. Manfred Scheuer. © Wakolbinger

 

Weitere Bilder finden Sie in unserer Bildergalerie zur Pressekonferenz am 18.11.2015

 

Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer
Bischofssekretariat

 Erika Witzany
Erika Witzany
Sekretärin
T.: +43 732 772676 1121
Mag. Andreas Reumayr
Mag. Andreas Reumayr
Sekretär
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Mag. Andreas Kaltseis
Mag. Andreas Kaltseis
Referent
T.: +43 732 772676 1102
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Mag. Bernhard Zopf
Mag. Bernhard Zopf
Referent
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Mag. Klaus  Walchshofer
Mag. Klaus Walchshofer
Zeremoniär
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Bilder zum Download
Offizielle Bilder zum Download Bischof Manfred Scheuer

Offizielle Bilder zum Download Bischof Manfred Scheuer

Auf dieser Seite finden Sie die offiziellen Bilder von Bischof Manfred Scheuer.
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Amtseinführung Bischof Manfred Scheuer https://www.dioezese-linz.at/bischof-scheuer/amtseinfuehrung

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Bischof Manfred Scheuer

Verantwortungsbereiche

Die Zuständigkeiten von Bischof Dr. Manfred Scheuer in der Österreichischen Bischofskonferenz.

Amtsverständnis

"Ich denke, die Aufgabe eines Bischofs ist es, Einheit zu stiften, Brückenbauer zu sein, etwas zusammenzuhalten, was wenig miteinander zu tun hat. Es geht darum, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, die einander schon abgeschrieben haben. Ich glaube nicht, dass von einem Bischof die Lebendigkeit einer Diözese abhängt. Es ist eher die Frage, wie wir uns in den Herausforderungen der Gegenwart aus dem Evangelium heraus bewähren. Eine kritische, solidarische Zeitgenossenschaft scheint mir entscheidend zu sein und die innere Kraft."

 

Bischof Manfred Scheuer bei der Pressekonferenz im Bildungshaus Schloss Puchberg am 18. November 2015, dem Tag seiner Ernennung zum neuen Linzer Diözesanbischof

Wahlspruch und Wappen
Spiritus Vivificat - Der Geist macht lebendig: Wahlspruch von Bischof Manfred Scheuer

Der Wahlspruch

Spiritus Vivificat - Der Geist macht lebendig

Gedanken zum Wahlspruch von Bischof Manfred Scheuer

Das Wappen von Bischof Manfred Scheuer

Das Wappen

Das Wappen von Bischof Manfred Scheuer wurde vom Heraldik Atelier Watzenegger im vorarlbergischen Sulz angefertigt. 

Insignien - Symbole des Hirten

Die Insignien (Amtszeichen) eines Bischofs – auch "Pontifikalien" genannt – bringen dessen religiöse Würde und kirchliche Vollmacht sichtbar zum Ausdruck. 

Die zentralen bischöflichen Insignien sind Ring, Stab und Brustkreuz. Der Bischof trägt zur sichtbaren Ausübung seines Amtes und bei liturgischen Feiern aber auch weitere bestimmte Insignien wie Mitra oder Pileolus.

Manfred Scheuers Bischofsring

Der Ring

Der Ring ist Zeichen der Bindung und der Treue. Er drückt die Verbundenheit des Bischofs mit Christus und der Kirche, konkret mit der ihm anvertrauten Diözese aus. In frühchristlicher Zeit wurde der Ring eines Bischofs auch als Siegelring verwendet.

Strahlenstab von Bischof Manfred Scheuer

Der Stab

Der Stab (auch "Pastorale" genannt) ist ein Symbol für das Hirtenamt, das dem Bischof anvertraut wird. Bereits in der frühchristlichen Kunst wird Christus als guter Hirte mit einem Stab dargestellt.

Bischof Manfred Scheuers Brustkreuz

Das Brustkreuz

Das Brustkreuz (auch "Pektorale" genannt) macht deutlich, dass sich der Bischof in die besondere Nachfolge Christi begeben hat, die trotz aller schweren Momente im Leben unter dem christlichen Siegeszeichen des Kreuzes steht.

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