Thursday 19. September 2019

4. Fremdheit und Grenzen

Wer ins Gebirge geht, erfährt, wo eigene Grenzen liegen. Trotz aller Vertrautheit bleiben die Berge auch immer ein unergründliches Geheimnis. Gedanken von Bischof Dr. Manfred Scheuer.

 

Die Berge haben immer ein Doppelgesicht: sie laden ein und lassen erschauern. Sie haben etwas Abweisendes, Furchteinflößendes und gleichzeitig Faszinierend-Verlockendes. Immer hüllt der Mensch sich in ein Tremendum, vor dem man zittert, und ein Fascinosum, das beglückend anzieht. Auch der echt Fromme empfindet gegenüber dem unfassbaren Gott immer beides: unüberbrückbare Distanz und verheißungsvolles Umarmtsein. – Berge können wir uns nicht einverleiben oder einfach bezwingen. Es bleibt die Differenz, die gewahrt werden will. Und das ist ein Hinweis auf unseren Umgang mit anderen Menschen, mit der Wirklichkeit.

 

Der und die anderen sind immer auch fremd

 

Sie fordern mich heraus und entziehen sich meinem Zugriff. Man kann die Fremdheitserfahrung in einer Weise bewältigen, indem man den anderen den eigenen Anschauungs- und Denkformen unterwirft und ihn in den eigenen Weltentwurf einordnet. Oder das Subjekt erkennt seine Verantwortung an, dem anderen als ihm selbst zu antworten. In der Anerkennung dieser Verantwortung muss es bereit sein, die eigene Verfügungsgewalt einzuschränken. Durch die Begegnung mit dem anderen wird der eigene Narzissmus, die ich-zentrierte Welt aufgebrochen. 
Der andere kann nicht restlos in den eigenen Horizont eingeordnet werden. Echte Begegnung fordert das Herausgehen aus sich selbst, das Verlassen liebgewordener Vorstellungen, den Abschied von Bildern, in denen sich das Ich seine Welt zurechtlegt und zimmert. In der wirklichen Begegnung wird das eigene Ich relativiert.

 

Fremdheit und Grenzen

Als eine Art Mondlandschaft liegt das Geröll bis zu den Resten des Hallstätter Gletschers (Dachsteinmassiv). Wie im Leben geht man beim Bergsteigen manchmal auch durch karstiges Gebiet. Bild: (c) KirchenZeitung / Niederleitner.

 

Erfahrungen

 

Jeder, der über viele Jahre hinweg seinen Weg über Gipfel, Gletscher und Grate suchte, wird in Grenzsituationen den Scheideweg des Lebens und des Todes erfahren haben. Das Mitgerissenwerden von einem Schneebrett, das Hängen im Seil, das Einbrechen in eine Gletscherspalte, der Tod des Freundes, der vor den eigenen Augen abstürzt. Oder auch: ich komme an meine körperlichen und seelischen Grenzen. Ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr. Das Bergsteigen führt in Grenzsituationen und Grenzerfahrungen. In solchen Grenzerfahrungen, die – nicht nur, aber auch – am Berg begegnen, wird das Leid und nur die Endlichkeit vor Augen geführt. Der Philosoph Karl Jaspers sieht aber noch ein weiteres Element, das in ihnen zum Tragen kommt: „Das Gemeinsame ist aber auch, dass sie die Kräfte zur Entfaltung bringen, die mit der Lust des Daseins, des Sinns, des Wachsens einhergehen.“ 

 

Glücksgefühle

 

Das Durchleben von Grenzerfahrungen kann mit überwältigenden Glücksgefühlen einhergehen. Manche beschreiben sie als Momente totaler Aufmerksamkeit, die wie Blitze totaler Freiheit wahrgenommen werden. Sie empfinden es so, dass ihnen das wesentliche Sein und der Sinn des Lebens unverhüllt erscheint, völlig einsichtig und klar und ungeheuer schön. Erfahrungen auf dem Berg als Grenzsituation des Lebens und des Todes, aber auch Erfahrungen auf dem Berg als Quelle größter menschlicher Zuneigung können Momente sein, in denen wir etwas vom Geheimnis Gottes erahnen. 

 

Dem Himmel nahe

Die Spiritualität der Berge

Teil 4 von 4

von Bischof Manfred Scheuer, Linz

 

Quelle: Linzer KirchenZeitung Nr. 34, 22. August 2019, S. 17. Zur Online-Ausgabe

 

Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer
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Predigten/Ansprachen/Vorträge

Unser Herz brennt

08.09.2019, Bischof Dr. Manfred Scheuer

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03.07.2019, Bischof Dr. Manfred Scheuer
Dem Himmel nahe – mit Bischof Manfred Scheuer.
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2. Die Wege, die wir gehen

Am Berg sind tiefere Erfahrungen als im Alltag möglich. Der Weg zum Gipfel wird zum Sinnbild des Lebens schlechthin....

Bischof Manfred Scheuer lädt zum "Schauen und staunen" in den Bergen ein.

1. Schauen und staunen

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Amtseinführung
Amtseinführung Bischof Manfred Scheuer https://www.dioezese-linz.at/bischof-scheuer/amtseinfuehrung

Am 17. Jänner 2016 übernahm der gebürtige Oberösterreicher Manfred Scheuer in einem feierlichen Gottesdienst im Linzer Mariendom das Bischofsamt von seinem Vorgänger Ludwig Schwarz SDB.

Engagement für Jägerstätter
Franz Jägerstätter. © Diözese Linz
Franz Jägerstätter -Kraftfahrzeugausbildung

Kurz-Biographie mit Zeittafel: Franz Jägerstätter 1907 - 1943

Franz Jägerstätter wird am 20. Mai 1907 in St. Radegund, Oberösterreich (Diözese Linz), als Kind der ledigen...

Franziska Jägerstätter bei der Seligsprechung

Seliger Franz Jägerstätter: Feier der Seligsprechung im Linzer Mariendom

„Wir entsprechen der Bitte,… dass … Franz Jägerstätter Märtyrer, Familienvater fortan als Seliger angerufen werden...

Franz Jägerstätter

Stimmen zur Seligsprechung Franz Jägerstätters

Der anglikanische Priester Paul Oesterreicher, Pax Christi, Bischof Manfred Scheuer, sowie der Pfarrer der...
Bischof Manfred im Portrait
Lebenslauf von Manfred Scheuer

Lebenslauf von Dr. Manfred Scheuer

Dr. Manfred Scheuer, der Bischof von Linz, mit seinen Lebensstationen und Schwerpunkten im Portrait.

Bischof Manfred Scheuer

Verantwortungsbereiche

Die Zuständigkeiten von Bischof Dr. Manfred Scheuer in der Österreichischen Bischofskonferenz.

Amtsverständnis

"Ich denke, die Aufgabe eines Bischofs ist es, Einheit zu stiften, Brückenbauer zu sein, etwas zusammenzuhalten, was wenig miteinander zu tun hat. Es geht darum, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, die einander schon abgeschrieben haben. Ich glaube nicht, dass von einem Bischof die Lebendigkeit einer Diözese abhängt. Es ist eher die Frage, wie wir uns in den Herausforderungen der Gegenwart aus dem Evangelium heraus bewähren. Eine kritische, solidarische Zeitgenossenschaft scheint mir entscheidend zu sein und die innere Kraft."

 

Bischof Manfred Scheuer bei der Pressekonferenz im Bildungshaus Schloss Puchberg am 18. November 2015, dem Tag seiner Ernennung zum neuen Linzer Diözesanbischof

Wahlspruch und Wappen
Spiritus Vivificat - Der Geist macht lebendig: Wahlspruch von Bischof Manfred Scheuer

Der Wahlspruch

Spiritus Vivificat - Der Geist macht lebendig

Gedanken zum Wahlspruch von Bischof Manfred Scheuer

Das Wappen von Bischof Manfred Scheuer

Das Wappen

Das Wappen von Bischof Manfred Scheuer wurde vom Heraldik Atelier Watzenegger im vorarlbergischen Sulz angefertigt. 

Insignien - Symbole des Hirten

Die Insignien (Amtszeichen) eines Bischofs – auch "Pontifikalien" genannt – bringen dessen religiöse Würde und kirchliche Vollmacht sichtbar zum Ausdruck. 

Die zentralen bischöflichen Insignien sind Ring, Stab und Brustkreuz. Der Bischof trägt zur sichtbaren Ausübung seines Amtes und bei liturgischen Feiern aber auch weitere bestimmte Insignien wie Mitra oder Pileolus.

Manfred Scheuers Bischofsring

Der Ring

Der Ring ist Zeichen der Bindung und der Treue. Er drückt die Verbundenheit des Bischofs mit Christus und der Kirche, konkret mit der ihm anvertrauten Diözese aus. In frühchristlicher Zeit wurde der Ring eines Bischofs auch als Siegelring verwendet.

Strahlenstab von Bischof Manfred Scheuer

Der Stab

Der Stab (auch "Pastorale" genannt) ist ein Symbol für das Hirtenamt, das dem Bischof anvertraut wird. Bereits in der frühchristlichen Kunst wird Christus als guter Hirte mit einem Stab dargestellt.

Bischof Manfred Scheuers Brustkreuz

Das Brustkreuz

Das Brustkreuz (auch "Pektorale" genannt) macht deutlich, dass sich der Bischof in die besondere Nachfolge Christi begeben hat, die trotz aller schweren Momente im Leben unter dem christlichen Siegeszeichen des Kreuzes steht.

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