Montag 18. Juni 2018

31. Mai: 5. Regionaltreffen mit Bischof Manfred in Burgkirchen

Am 31. Mai 2016 fand in Burgkirchen das fünfte von neun regionalen Begegnungs-Treffen mit Bischof Manfred Scheuer statt. Im Mittelpunkt stand der Austausch mit haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen aus vier Dekanaten der Region Innviertel-Süd.

Zum fünften Begegnungsnachmittag mit Bischof Manfred Scheuer waren VertreterInnen aus den Dekanaten Aspach, Braunau, Mattighofen und Ostermiething – also insgesamt aus 51 Pfarren – geladen. Das Begegnungstreffen fand in der Mehrzweckhalle Burgkirchen statt.

 

 

Gut beschirmt: Regen-Wanderung mit dem Bischof

 

Selbst strömender Regen konnte etwa 40 Gehbegeisterte nicht davon abhalten, mit Bischof Scheuer von Mauerkirchen nach Burgkirchen zu wandern – frei nach dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung! Sammelpunkt war in der Pfarrkirche von Mauerkirchen, wo mit einem gemeinsamen gesungenen Gebet begonnen wurde. Bürgermeister Horst Gerner überreichte Bischof Scheuer zur Stärkung für daheim eine Flasche mit hochprozentigem Inhalt. Dann machte sich die Gruppe gut beschirmt und gut gelaunt auf den Weg durch die Natur nach Burgkirchen.

 

Treffpunkt in der Pfarrkirche Mauerkirchen
Bürgermeister Horst Gerner überreichte Bischof Scheuer eine hochprozentige Stärkung.
Treffpunkt in der Pfarrkirche Mauerkirchen
Treffpunkt in der Pfarrkirche Mauerkirchen. Stehend: Hausherr Gert Smetanig
Start der Wanderung bei strömendem Regen
Start der Wanderung bei strömendem Regen
Mit Bischof Manfred auf dem Weg
Mit Bischof Manfred auf dem Weg
Kurze Stärkung bei einem Schnaps
Unterwegs nach Burgkirchen
Unterwegs nach Burgkirchen
Unterwegs nach Burgkirchen
Fast am Ziel: Im Hintergrund die Pfarrkirche Burgkirchen.

© Diözese Linz / Haijes

 

 

Dekanats-Buntheit mit vielen Akzenten

 

Beim ersten Teil des Begegnungsnachmittags ab 15.30 Uhr waren etwa 70 Mitglieder der sogenannten „erweiterten Pastoralkonferenz“ anwesend, also Dechanten, Priester, Diakone, PastoralassistentInnen, PfarrassistentInnen, MitarbeiterInnen aus der kategorialen Seelsorge (JugendleiterInnen, Betriebs-, Krankenhaus-, AltenheimseelsorgerInnen etc.), MitarbeiterInnen der RegionalCaritas etc. Auch der Orden der Franziskaner war durch einige Mitglieder vertreten.

 

Am Begegnungsnachmittag nahm als Vertreter der Ordinariatskonferenz auch der Direktor des Bischöflichen Schulamtes der Diözese Linz, Mag. Franz Asanger, teil.

 

Nach der Begrüßung durch „Hausherrn“ Mag. Gert Smetanig, Pfarrer von Burgkirchen und Mauerkirchen und Dechant des Dekanates Braunau, wurden die vier Dekanate der Region Innviertel-Süd durch die jeweiligen Dechanten vorgestellt.

 

Das Dekanat Aspach wurde von Dechant Mag. Alfred Gattringer vorgestellt. Es besteht aus 8 Pfarren mit etwa 12.000 KatholikInnen. Der Orden der Franziskaner unterstützt in der Seelsorge. Auch ein Frauenorden ist im Dekanat vertreten: die Marienschwestern vom Karmel, die in Aspach ein Kneipp Traditionshaus führen, wo vier der Schwestern wirken. Geprägt ist dieses Dekanat u. a. durch die ländliche Struktur und das rege Vereinsleben. Für September ist eine Sternwallfahrt geplant. Dechant Gattringer bezeichnete Aspach als „liebenswertes, interessantes, lebendiges Dekanat mit vielen offenen, zugänglichen Menschen, die sich kreuz und quer durch das Dekanat kennen“.

 

Das Dekanat Braunau besteht aus 14 Pfarren. Dechant Mag. Gert Smetanig, der auch als zaubernder „Magic Priest“ bekannt ist, ließ es sich nicht nehmen, sein Dekanat auf unterhaltsame Weise vorzustellen. Er sang und spielte gemeinsam mit Irene Huss (Treffpunkt mensch&arbeit Braunau) und Waltraud Menghin (Treffpunkt mensch&arbeit Braunau und Dekanatsjugendleiterin) auf – in Lederhosen und Dirndl wurden humorvolle „Gstanzl’n“ zum Besten gegeben. Thematisiert wurden darin u. a. das Engagement für die Jugend und die gute Zusammenarbeit von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen.

 

Das Dekanat Mattighofen wurde von Dechant Marek Michalowski vorgestellt. Es besteht aus 17 Pfarren mit etwa 24.000 KatholikInnen. Eine Besonderheit sind die Wallfahrtskirchen Maria Schmolln, Heiligenstatt und St. Florian in Helpfau-Uttendorf, die von Mai bis Oktober regen Zustrom erfahren. In Maria Schmolln befindet sich darüber hinaus eine der fünf „Pforten der Barmherzigkeit“ der Diözese Linz, die für das Jahr der Barmherzigkeit eingerichtet wurden. Im Dekanat Mattighofen befindet sich auch das „Kollegiatsstift Unserer Liebe Frau zu Mattighofen, das im 15. Jahrhundert gegründet wurde.

 

Das Dekanat Ostermiething wurde von Dechant Johann Schausberger als sehr „kollegiales Dekanat“ vorgestellt, in dem auch die pensionierten Priester die Seelsorge wesentlich mittragen. Es besteht aus 12 Pfarren. Im Dekanat gibt es keine Ordensgemeinschaften; vertreten sind neben der katholischen Kirche die evangelische Kirche (mit zwei Gotteshäusern) und die Zeugen Jehovas (mit zwei Königreichssälen). Viele Menschen aus dem Dekanat pendeln zur Arbeit nach Salzburg bzw. Bayern; umgekehrt wird das Dekanat immer mehr zum Zuzugsgebiet für Menschen aus Salzburg. Einen besonderen Akzent erhält das Dekanat durch den seligen Franz Jägerstätter, dessen Heimat St. Radegund ist. Dort befindet sich das Grab von Franz und Franziska Jägerstätter. Im Mai 2016 wurde von Bischof Scheuer dort auch der neue Altar geweiht, in den Reliquien des Seligen eingebettet sind.

 

Moderatorin Beatrix Hofer (Referentin Pastorale Berufe)
Moderator Mag. Alois Giglleitner (Referent Pastorale Berufe)
Mag. Franz Asanger, Direktor des Bischöflichen Schulamtes der Diözese Linz
Dechant Mag. Alfred Gattringer
Dechant Gert Smetanig mit Irene Huss (Mitte) und Waltraud Menghin (r.) beim Gstanz'l-Singen
Gstanzl-Text von Gert Smetanig
Dechant Marek Michalowski
Dechant Johann Schausberger

© Diözese Linz / Haijes

 

 

„Zuhören hat eine heilsame, verändernde Wirkung

 

Ab 17 Uhr stießen Mitglieder des sogenannten „erweiterten Dekanatsrats“ zum Begegnungsnachmittag dazu: Pfarrgemeinderats-Obleute, Mitglieder von Seelsorgeteams, VertreterInnen der Katholischen Aktion, ReligionslehrerInnen, LeiterInnen von Caritas-Kindergärten, Ordensoberinnen etc.

 

Begegnungsnachmittag mit Bischof Scheuer in der Mehrzweckhalle Burgkirchen

© Diözese Linz / Haijes

 

Den Auftakt zu diesem Teil des Nachmittags bildete ein Impulsreferat von Bischof Scheuer zum Thema „Barmherzigkeit verändert die Welt“. Er bezeichnete die Anwesenden als „Mitliebende Gottes“, als „Mitnehmende, die andere hineinnehmen in ihren Glauben und ihr Leben“. Berufung heiße ja, aus Überzeugung etwas zu tun und andere mitzunehmen, so Scheuer. Seine eigene Neigung zur Seelsorge habe er vor vielen Jahren daheim in Haibach ob der Donau beim „Ins-Gai-Fahren“ entdeckt, so der Bischof: Beim Ausfahren des Brotes aus der elterlichen Bäckerei hätten sich immer wieder lange Gespräche ergeben. „Viele Menschen haben mir ihre Lebensgeschichte erzählt, ich bin oft lange bei ihnen gesessen“, erinnerte sich Scheuer. Wirtshäuser sieht er deshalb als „wichtige pastorale Orte“. Barmherzigkeit in die heutige Zeit übertragen könne heißen: „Ich höre dir zu.“ Zuhören wirke manchmal Wunder, so Scheuer. „Nicht selten sagen Menschen, die endlich einmal ein offenes Ohr gefunden haben, zu ihrem Gegenüber: ‚Du hast mir sehr geholfen!‘ Aktives Zuhören hat eine heilsame, verändernde Wirkung.“

 

Auch ein „Ich teile mit dir“ sei Grundhaltung der Barmherzigkeit. „Im letzten Jahr und in den letzten Monaten haben wir erlebt, dass viele Angst haben, ärmer zu werden, wenn sie ihr Leben mit anderen teilen müssen“, spielte Scheuer auf die Flüchtlingssituation an. Teilen sei aber nicht Ausdruck von Defizits oder Mangel, sondern von Stärke. „Das Teilen von Geld und Gaben, von (Wohn-)Raum, von Möglichkeiten und Chancen wird in einer Welt noch so perfekter Fürsorge notwendig bleiben“, so Scheuer.

 

Impulsreferat von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Bischof Manfred Scheuer
Bischof Manfred Scheuer beim Impulsreferat

© Diözese Linz / Haijes

 

Hinhören auf die Not und Bedürfnisse der Menschen

 

Im Anschluss schilderten Otto Kreisberger (Vertreter der ReligionslehrerInnen), Eva Fraunberger (Vertreterin im Pastoralrat und Regionalkoordinatorin der Caritas), Mag.a Elisabeth Kronreif (Jugendleiterin) und Mag.a Martina Lainer (Krankenhausseelsorgerin), wo sie in ihrem Alltag die Grundhaltungen der Barmherzigkeit erleben. Aus der Jugendarbeit wurde berichtet, dass Kinder und Jugendliche häufig wenig kirchlich sozialisiert sind, aber ein Gespür für Wahrhaftigkeit haben. „Sie schauen nicht so sehr auf das, was wir sagen, sondern darauf, wie wir sind“, formulierte es Religionslehrer Otto Kreisberger. Jugendleiterin Elisabeth Kronreif ergänzte: „Zuhören ist eine wichtige Grundhaltung in der Arbeit mit Jugendlichen. Entscheidend ist auch, den Jugendlichen nicht einfach etwas überzustülpen, sondern sie in ihre Spiritualität hineinwachsen zu lassen.“ Hinzuhören auf das, was Menschen als ihre konkrete Not benennen, und dort anzusetzen nannte auch Caritas-Regionalkoordinatorin Eva Fraunberger als Grundlage ihrer Arbeit. Krankenhausseelsorgerin Martina Lainer betonte, in ihrem Arbeitsbereich brauche es „Präsenz, Da-Sein, ein offenes Ohr und Authentizität, um den Blick freigeben zu können für eine größere Hoffnung“.

 

Danach hatten die etwa 120 Anwesenden die Möglichkeit, Fragen an den Bischof zu stellen. Daraus entwickelte sich ein offener und wertschätzender Dialog über die Anliegen der haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Als Sorge wurde etwa der Priestermangel bzw. die Überalterung bei den Priestern genannt.

 

Anliegen konnten aufgeschrieben und abgegeben werden.
Interviewrunde: V. l.: Mag. Alois Giglleitner, Otto Kreisberger, Eva Fraunberger, Mag.a Elisabeth Kronreif und Mag.a Martina Lainer

© Diözese Linz / Haijes

 

Kirche ist bunt

 

Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Gottesdienst in der Pfarrkirche von Burgkirchen. In seiner Predigt nahm Bischof Manfred Scheuer die Atmosphäre von (Kirchen-)Räumen in den Blick. Beim Betreten eines Raums sei wahrnehmbar, „was in der Luft liegt, vielleicht auch, wie die Menschen, die in diesem Raum wohnen oder arbeiten, gerade getan haben, wie sie miteinander umgegangen sind“. Der „Wohlgeruch der liebenden Aufmerksamkeit“ werde dabei ebenso spürbar wie der „Bleigeruch von Spannung, Streit und Aggression“, die Last eines niederdrückenden Schweigens, das Gewicht bedrückender Einsamkeit oder gelöstes, beschwingtes Dasein. Es sei rasch zu erahnen, ob ein Raum „ein Vogelhaus, ein Treibhaus oder ein Bunker“ sei, so Scheuer. Der Bischof wörtlich: „Räume verleiblichen unsere Seele und unsere Beziehungen. Sie drücken die Kultur oder auch die Verwahrlosung unseres Miteinanders aus.“ Dies gelte auch für die Kirche und für Kirchenräume. Wer ein Gotteshaus betrete, nehme wahr, ob Anbetung und Sammlung die Atmosphäre prägten oder ob die Kirche ein Museum sei, in dem der Mief der Vergangenheit überwiege. Die Atmosphäre einer Kirche sei „geladen von Lebensfreude, Zuversicht, Trost, Gebet oder auch von Geschäftigkeit, Geld, Formalität, von Moder, Ruß und Feuchtigkeit“, betonte der Diözesanbischof.

 

Städte und Dörfer seien durch die Kirchen geprägt. In der Architektur einer Stadt werde sichtbar, „wer die Macht hat, wer die Hohepriester sind, wo die Tempel von Wellness, Geld und Konsum stehen“, so Scheuer. Kirchenbauten und deren Schönheit seien wichtig, Kunst, Kultur und Schönheit kein Verrat an den Armen, denn: „Kirchenräume und Liturgie sind für die Armen nicht selten Schonräume, Freiräume und Hoffnungsorte.“

Scheuer griff das Bild des bereits verstorbenen Innsbrucker Bischofs Reinhold Stecher von der „Kirche im Vierfarbendruck“ auf. Stecher sah die Kirche nicht schwarz-weiß, nicht fundamentalistisch und auch nicht mit liberaler Gleichgültigkeit, sondern bunt. Das Blau des Institutionell-hierarchisch-Juridischen brauche es ebenso wie das Rot des Geistes und das Gelb der geschwisterlich-pastoralen Kirche. Der Grau- oder Schwarzdruck sei als persönliche Kirchenerfahrung ebenso real und abzubilden: Kirchenfreude und Kirchenleid, Kirchenlust und Kirchenfrust. Bischof Scheuer dankte in der neu renovierten Kirche von Burgkirchen dafür, dass viele Menschen durch ihren Einsatz zum Aufbau und zur Renovierung von Kirchen und Kapellen beitragen. „Und es sind viele, die den Bau aus lebendigen Steinen mit Leben, Glauben, Gebet und Gemeinschaft erfüllen. Danke, dass durch euch Kirche in vier Farben aufleuchtet“, so Scheuer herzlich.

 

Predigt von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Am Ende des Gottesdienstes dankte Hausherr Gert Smetanig Bischof Scheuer für seinen Besuch und die Begegnung und gab ihm einen Korb mit stärkenden Köstlichkeiten mit auf die Heimreise.

 

Danach klang der Begegnungsnachmittag mit einem geselligen Beisammensein bei einer Agape in der Mehrzweckhalle Burgkirchen aus.

 

Feierlicher Abschlussgottesdienst in der Pfarrkirche Burgkirchen.
Diakon Norbert Pointecker (Aspach), Pfarrer Gert Smetanig (Dechant Dekanat Braunau), Bischof Manfred Scheuer, Dechant Johann Schausberger (Dekanat Ostermiething), Dechant Alfred Gattringer (Dekanat Aspach).
Festlicher Abschlussgottesdienst in der Pfarrkirche Burgkirchen
Bischof Dcheuer bei der Predigt
Feierlicher Abschlussgottesdienst in der Pfarrkirche Burgkirchen.
Gert Smetanig gab Bischof Scheuer einen Geschenkskorb mit Köstlichkeiten mit nach Hause.
Agape in der Mehrzweckhalle
Gert Smetanig hilft beim Würstel-Austeilen

© Diözese Linz / Haijes

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