Thursday 19. September 2019

3. Zu sich selbst kommen

Alles muss heute ein Ziel, einen Zweck haben. Vieles passiert auch aus einer Erwartungshaltung heraus – oder gar aus Berechnung. Die Berge dagegen erlauben einen absichtslosen Blick auf die Welt und das eigene Leben. Gedanken von Bischof Manfred Scheuer.

Auf dem Berg nehmen wir Abstand vom Alltag. Auf dem Berg gewinnen wir einen Überblick, es zeigt sich das Profil einer Landschaft. Diesen Abstand braucht es für eine gute und klare Selbsterkenntnis. Es wäre naiv zu meinen, in uns selbst nur paradiesische Landschaften, nicht aber den inneren Schweinehund zu sehen. Die Kartographie der Biographie zeigt ja nicht bloß blühende Gärten, sondern auch karges Land, unbesiedelte Gebiete, Enttäuschung, Aggression und Angst. Wenn wir von unserem Alltag zurücktreten, gewinnen wir Horizonte, die sonst eben verschwimmen. Meist sind wir mit der Nase zu nahe dran. Die alltägliche Programmierung ist auf den Vordergrund und auf das Oberflächliche, das Design gerichtet.


Das Denken in Kategorien des Nützlichen, Praktischen, Sensationellen, Aufdringlichen, Vorteilhaften und Bequemen nimmt so selbstverständlich in Beschlag, dass wir andere Dimensionen vergessen. Beim Bergsteigen lebt die Sehnsucht: „Mensch, du brauchst Horizonte. Du musst hie und da die Optik deines Geistes und deines Herzens drehen bis zu dem Ort der Skala des Apparates, wo der liegende Achter ‚unendlich’ anzeigt. Und du wirst sehen – es lebt sich viel besser, wenn man bis dorthin schaut, wo der Himmel die Erde berührt.“ (Reinhold Stecher) 

 

Zur Quelle gehen, um zu sich selbst zu finden

Zur Quelle gehen, um zu sich selbst zu finden. © Johan Puisais / www.pixabay.com CC0 1.0

 

 

Neue Ordnung

 

Beim Bergsteigen als Zurücktreten und als Aussicht relativiert sich manches, die Wertigkeiten werden anders gewichtet, das Leben mit den Prioritäten ordnet sich neu. Das Heraustreten aus den Feldern des Alltags und der Gewohnheit ist keineswegs eine Flucht vor dem Leben, sondern birgt den Mut, es neu orientiert anzugehen. 


Ohne Gang zu den Quellen verkarstet das Leben, brennt es aus, wird es oberflächlich, banal und leer. Es braucht Räume und Zeiten der absichtslosen Kontemplation, die sich der Zweckrationalität, dem Leistungsdruck, der Bemächtigung, auch der Verdinglichung und Instrumentalisierung entzieht, in der nichts erreicht werden muss. Die Berge geben jenseits aller wirtschaftlichen Verwertung zuallererst ein zweckfreies Zeugnis für den zweckfreien Gott, denn angesichts der Frage nach einer „Relevanz“ im Sinne ökonomischer, politischer und sozialer Zwecke, hat Gott keinen Zweck. Bergsteigen ist Entgiftung und auch Entschleunigung. Im Bergsteigen kann ich Distanz zu Verkrampfungen finden, Aggressionen in den Boden stampfen, mir Probleme vom Leibe schwitzen, Verstopfungen auflösen, die eigene Trägheit überwinden. „Aber das ist es ja: Der biologisch unterforderte Mensch arrangiert freiwillig, künstlich und absichtlich Notwendigkeiten höherer Art, indem er aus freien Stücken von sich etwas fordert, sich etwas versagt, auf etwas verzichtet. Inmitten des Wohlstandes sorgt er für Situationen des Notstandes; mitten in einer Überflussgesellschaft beginnt er sozusagen Inseln der Askese aufzuschütten – und genau darin sehe ich die Funktion, um nicht zu sagen die Mission, des Sports im Allgemeinen und des Alpinismus im Besonderen: Sie sind die moderne, die säkulare Form der Askese.“ (Viktor E. Frankl) 

 

Dem Himmel nahe

Die Spiritualität der Berge

Teil 3 von 4

von Bischof Manfred Scheuer, Linz

 

Quelle: Linzer KirchenZeitung Nr. 33, 15. August 2019, S. 17. Zur Online-Ausgabe

Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer
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Predigten/Ansprachen/Vorträge

Unser Herz brennt

08.09.2019, Bischof Dr. Manfred Scheuer

Bischofswort zur Restaurierung des Linzer Mariendoms

03.07.2019, Bischof Dr. Manfred Scheuer
Dem Himmel nahe – mit Bischof Manfred Scheuer.
Fremdheit und Grenzen

4. Fremdheit und Grenzen

Wer ins Gebirge geht, erfährt, wo eigene Grenzen liegen. Trotz aller Vertrautheit bleiben die Berge auch immer ein...

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3. Zu sich selbst kommen

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Gewundene Pfade: auf dem Berg und im Leben.

2. Die Wege, die wir gehen

Am Berg sind tiefere Erfahrungen als im Alltag möglich. Der Weg zum Gipfel wird zum Sinnbild des Lebens schlechthin....

Bischof Manfred Scheuer lädt zum "Schauen und staunen" in den Bergen ein.

1. Schauen und staunen

Gott ist Schöpfer der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Zur sichtbaren Welt gehören die Berge, die zur Erfahrung...
Amtseinführung
Amtseinführung Bischof Manfred Scheuer https://www.dioezese-linz.at/bischof-scheuer/amtseinfuehrung

Am 17. Jänner 2016 übernahm der gebürtige Oberösterreicher Manfred Scheuer in einem feierlichen Gottesdienst im Linzer Mariendom das Bischofsamt von seinem Vorgänger Ludwig Schwarz SDB.

Engagement für Jägerstätter
Franz Jägerstätter. © Diözese Linz
Franz Jägerstätter -Kraftfahrzeugausbildung

Kurz-Biographie mit Zeittafel: Franz Jägerstätter 1907 - 1943

Franz Jägerstätter wird am 20. Mai 1907 in St. Radegund, Oberösterreich (Diözese Linz), als Kind der ledigen...

Franziska Jägerstätter bei der Seligsprechung

Seliger Franz Jägerstätter: Feier der Seligsprechung im Linzer Mariendom

„Wir entsprechen der Bitte,… dass … Franz Jägerstätter Märtyrer, Familienvater fortan als Seliger angerufen werden...

Franz Jägerstätter

Stimmen zur Seligsprechung Franz Jägerstätters

Der anglikanische Priester Paul Oesterreicher, Pax Christi, Bischof Manfred Scheuer, sowie der Pfarrer der...
Bischof Manfred im Portrait
Lebenslauf von Manfred Scheuer

Lebenslauf von Dr. Manfred Scheuer

Dr. Manfred Scheuer, der Bischof von Linz, mit seinen Lebensstationen und Schwerpunkten im Portrait.

Bischof Manfred Scheuer

Verantwortungsbereiche

Die Zuständigkeiten von Bischof Dr. Manfred Scheuer in der Österreichischen Bischofskonferenz.

Amtsverständnis

"Ich denke, die Aufgabe eines Bischofs ist es, Einheit zu stiften, Brückenbauer zu sein, etwas zusammenzuhalten, was wenig miteinander zu tun hat. Es geht darum, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, die einander schon abgeschrieben haben. Ich glaube nicht, dass von einem Bischof die Lebendigkeit einer Diözese abhängt. Es ist eher die Frage, wie wir uns in den Herausforderungen der Gegenwart aus dem Evangelium heraus bewähren. Eine kritische, solidarische Zeitgenossenschaft scheint mir entscheidend zu sein und die innere Kraft."

 

Bischof Manfred Scheuer bei der Pressekonferenz im Bildungshaus Schloss Puchberg am 18. November 2015, dem Tag seiner Ernennung zum neuen Linzer Diözesanbischof

Wahlspruch und Wappen
Spiritus Vivificat - Der Geist macht lebendig: Wahlspruch von Bischof Manfred Scheuer

Der Wahlspruch

Spiritus Vivificat - Der Geist macht lebendig

Gedanken zum Wahlspruch von Bischof Manfred Scheuer

Das Wappen von Bischof Manfred Scheuer

Das Wappen

Das Wappen von Bischof Manfred Scheuer wurde vom Heraldik Atelier Watzenegger im vorarlbergischen Sulz angefertigt. 

Insignien - Symbole des Hirten

Die Insignien (Amtszeichen) eines Bischofs – auch "Pontifikalien" genannt – bringen dessen religiöse Würde und kirchliche Vollmacht sichtbar zum Ausdruck. 

Die zentralen bischöflichen Insignien sind Ring, Stab und Brustkreuz. Der Bischof trägt zur sichtbaren Ausübung seines Amtes und bei liturgischen Feiern aber auch weitere bestimmte Insignien wie Mitra oder Pileolus.

Manfred Scheuers Bischofsring

Der Ring

Der Ring ist Zeichen der Bindung und der Treue. Er drückt die Verbundenheit des Bischofs mit Christus und der Kirche, konkret mit der ihm anvertrauten Diözese aus. In frühchristlicher Zeit wurde der Ring eines Bischofs auch als Siegelring verwendet.

Strahlenstab von Bischof Manfred Scheuer

Der Stab

Der Stab (auch "Pastorale" genannt) ist ein Symbol für das Hirtenamt, das dem Bischof anvertraut wird. Bereits in der frühchristlichen Kunst wird Christus als guter Hirte mit einem Stab dargestellt.

Bischof Manfred Scheuers Brustkreuz

Das Brustkreuz

Das Brustkreuz (auch "Pektorale" genannt) macht deutlich, dass sich der Bischof in die besondere Nachfolge Christi begeben hat, die trotz aller schweren Momente im Leben unter dem christlichen Siegeszeichen des Kreuzes steht.

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