Kinderbibel damals – heute – morgen
Über 80 aktuelle Kinderbibeln werden bewertet - eine Entscheidungshilfe für Kinderbibeln
Das Buch, das auch auf die Kinder- und Jugendliteratur maßgeblichen Einfluss hat, kann nur das weltweit verbreitetste Buch sein: Die Bibel. In über 2.300 Sprachen ist sie übersetzt. Jährlich werden davon 20 Millionen Exemplare gedruckt und allein in der Schweiz 60´000 Exemplare verkauft – ein Longseller! Das nützen auch die Verlage für Kinderbibelausgaben aus. Tatsächlich ist ein fast unübersehbarer Boom von unterschiedlichster Qualität an Kinderbibeln in allen Schattierungen vorhanden, ein Riesenangebot auf dem Büchermarkt, vor dem sich eine Übersicht zu verschaffen schon schwer fällt, geschweige denn, eine empfehlenswerte Kinderbibel selbst auszuwählen.
Eine große und lang ersehnte Hilfe dazu bietet das Buch Kinderbibel damals – heute – morgen von Michael Landgraf. Über 80 aktuelle Kinderbibeln werden nach den Kriterien Ästhetik, Textauswahl, theologische Verantwortung, Sprache, Illustration, Verständnishilfen und pädagogische Eignung bewertet.
Im ersten Teil des Buchs (Seiten 5-34) werden die Lesenden auf eine Zeitreise geschickt. Reich illustriert wird von den Anfängen früher Kinderbibeln berichtet: den ersten deutschen Bibelübersetzungen, Wandbildern im Mittelalter, den bebilderten Armenbibeln, von den reformatorischen und pietistischen katechetisch ausgerichteten Kinderbibeln, über die Aufklärung zu den Bilderbibeln im 19. und 20. Jahrhundert bis in die 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, als mit „Die Kinderbibel“ des Holländers Anne de Vries 1954 erstmals das erscheint, was die Bezeichnung Kinderbibel auch verdient. Bei aller Bedeutung dieses historischen Durchbruchs („Die Kinderbibel“ wurde in über 30 Sprachen übersetzt) wird mit Recht auf die Bedenklichkeit hingewiesen, dass diese Kinderbibel, obwohl neu aufgelegt, heute aus religionspädagogischer Sicht nicht mehr verantwortet werden kann.
Der hilfreichste Teil, der auch die Mitte des Buchs ausmacht, ist das Kapitel „Kinderbibel heute – Orientierungshilfe“ (Seiten 35-70). Gut begründet und verständlich werden die oben erwähnten Bewertungskriterien dargestellt und konkret anhand von Beispielen erläutert. Gut 80 aktuelle Kinderbibeln werden anschließend nach Altersstufen geprüft, analysiert und bewertet auf Grund eines im Buch publizierten Fragebogens, den gegen 40 hauptamtlich im religionspädagogischen Bereich arbeitenden Personen evangelischer und katholischer Konfession aus dem deutschsprachigen Raum (inkl. Österreich und der Schweiz) ausgeführt haben.
Im letzten Teil „Kinderbibel morgen – Kreativimpulse“ (Seiten 71-92) geht der Autor der religionspädagogischen Fragestellung der Vermittlung und des Umgangs mit Kinderbibeln nach. Exemplarisch werden Beispiele kreativer Bibelprojekte vorgestellt, wie z. B. die „Kinderbibel zum Selbstgestalten“, an welcher der Autor selber mitgearbeitet hat. Das praxisorientierte Buch wird mit einem nützlichen Literaturverzeichnis und informativer Beratungsadressen abgerundet.
Der Autor Michael Landgraf, geb. 1961, ist als Theologe Leiter des Religionspädagogischen Zentrums (RPZ) und Bibelhaus Neustadt, Vorsitzender des Pfälzischen Bibelvereins und Lehrbeauftragter an der Universität Landau. Er ist zudem Autor von Unterrichtswerken und praxisorientierter Arbeitshilfen.
Das gelungene und empfehlenswerte Buch in seiner kompakten Darstellungsweise, grafisch sehr lesefreundlich gestaltet mit über 150 farbigen Abbildungen, Tabellen und Kästchen, sollte (erst noch bei diesem günstigen Verkaufspreis) in keinem Bücherregal derer fehlen, die sich für Kinderbibeln interessieren.
Alois Schaller
Michael Landgraf, Kinderbibel damals – heute – morgen, Neustadt/W. ( Verlag Quodlibet) 2009, 96 Seiten mit über 150 Farbabbildungen, Euro 13,40






