Beim Leben meiner Schwester

Besprechung des Buches am Montag, 30. März 2009, um 20 Uhr.

 

Beim Leben meiner Schwester
von Jodi Picoult

 

In ihrer frühesten Erinnerung ist Anna Fitzgerald drei Jahre alt und versucht ihre Schwester Kate umzubringen. Sie ist in ihr Schlafzimmer geschlichen und hat ihr das Kopfkissen über das Gesicht gelegt. Dann kam ihr Vater Brian ins Zimmer und hat sie gerettet. „Das“, hat der Vater damals gesagt, „ist nie passiert!“.

Aber es ist passiert, damals, vor fast genau zehn Jahren, und Anna erinnert sich mit einer Deutlichkeit daran, dass sie jedes Mal fast erschrickt. Nun ist sie Dreizehn, und wieder dabei, ihre Schwester umzubringen. Denn Kate ist unheilbar an Leukämie erkrankt, und Anna ist einzig dazu da, so scheint es ihr zumindest, ihr Knochenmark zu spenden. Wie viele Operationen sie schon über sich hat ergehen lassen, weiß das Mädchen gar nicht mehr, und immer wieder ist sie sich ein wenig mehr als menschliches Ersatzteillager vorgekommen. Trotzdem ist ihr der Entschluss, sich zu verweigern -- und damit der Schwester den Tod zu bringen -- nicht leicht gefallen. Anna besorgt sich einen Anwalt, der sicherstellen soll, dass sie ihren geschundenen Körper nie mehr für Kate zur Verfügung stellen soll -- eine Entscheidung, die nach und nach die ganze Zerrissenheit der Familie offenbart.

Beim Leben meiner Schwester, das mit Abstand erfolgreichste Buch der inzwischen 38-jährigen New Yorker Autorin Jodi Picoult, ist starker Tobak. Das liegt nicht nur an dem aufwühlenden Plot, der den Leser Seite für Seite buchstäblich bis aufs Mark erschüttert -- gerade weil er beide Positionen sehr gut nachvollziehen kann. Das liegt vor allem auch an der schonungslos offenen Sprache, in die Picoult ihre Geschichte gekleidet hat. Was ist der Wert des Menschen? fragt ihr Roman. Und: Wie weit darf und muss jemand aus Liebe zu einem anderen Menschen gehen? Diese Problematik macht Beim Leben meiner Schwester zu einem hoch brisanten, fast schon philosophischen Roman. Dass man das Buch aber auch als bloße Unterhaltung lesen kann, erhöht seinen Reiz umso mehr. 

 

Jodi Lynn Picoult (geb. 19. Mai 1966 in Nesconset auf Long Island, New York) studierte Creative Writing an der Princeton University, und machte 1987 ihren Abschluss. Postgraduiert erwarb sie einen Master-Grad in Pädagogik an der Harvard University.

Die Autorin ist verheiratet und lebt mit Ehemann und drei Kindern in New Hampshire.

„Nineteen Minutes“ ist Picoults Roman aus 2007 über die minutiöse Spurensuche nach den Ursachen eines Schüler-Amoklaufs in einer fiktiven Kleinstadt. Das Buch setzte sich auf Anhieb auf Platz Eins der Bestseller-Liste der New York Times und blieb dort wochenlang. Auch ihr folgendes Buch Change Of Heart, das im März 2008 erschien, erreichte aus dem Stand die Spitzenreiterposition.

Picoult schreibt neben Literatur auch „Wonder Woman“-Comics und vor allem Unterhaltungsliteratur für junge Frauen, so genannte „Chick Lit“. Vier ihrer Bücher wurden bereits verfilm, darunter "Beim Leben meiner Schwester" (2008).

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