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Porträt
Heinrich Hoffmann, Peter Altenberg, Amos Oz, Erich Hackl,
Heinrich Hoffmann
200. Geburtstag
Der als Vater des „Struwwelpeter“ in die Geschichte der Kinderliteratur eingegangene Heinrich Hoffmann wurde am 13. Juni 1809 in Frankfurt am Main geboren. In seinen Lebenserinnerungen beschreibt Hoffmann selbst seine Kindheit als „sehr still und einsam“. Trotz Geldsorgen studierte er in Heidelberg und Halle Medizin und wurde Arzt. 1841 wurde sein Sohn Carl Philipp geboren, für den er als Weihnachtsgeschenk 1844 die drolligen Geschichten und lustigen Bilder erfand, die ab 1846 als Struwwelpeter beinahe weltbekannt werden sollten. Als engagierter Leiter einer „Irren-Anstalt“ befasste er sich mit „Seelenstörungen und Epilepsie“ zu einer Zeit, als die Psychiatrie noch in den Kinderschuhen steckte.
Bereits 1850 erschienen die Geschichten von Struwwelpeter auf Englisch, Russisch, Schwedisch und Holländisch. In den Sechziger- und Siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stand man im Sog der antiautoritären Erziehung der pädagogischen Botschaft des Buches kritisch gegenüber. Dies führte auch zu einem „Anti-Struwwelpeter“. Eine Mundartausgabe schrieb der oberösterreichische Autor Hans Dieter Mairinger in Form des „owaöstarreichischen Struwwipeda“, der erst 2004 erschienen ist.
Dazu in der Landesbibliothek auch:
Klein, Reimar: „Sieh einmal, hier steht er!“: Struwwelpeters beschä digte Kinderwelt. – Frankfurt a. M.: Insel-Verl. , 2005 . – 119 S.
Waechter, Friedrich Karl: Der Anti-Struwwelpeter oder listige Geschichten und knallige Bilder. – Zürich: Diogenes-Verl., [1990]. – 30 S.
Peter Altenberg
150. Geburtstag
Altenberg, Peter, eigentlich Richard Engländer, österreichischer Schriftsteller, geboren am 9. März 1859 in Wien, gestorben am 8. Jänner 1919; studierte Jura und Medizin, lebte als literarischer Bohemien, hatte Kontakte zu den Literaten des „Jungen Wien“ (u. a. Karl Kraus, Alfred Polgar, Arthur Schnitzler). Seit 1909 musste er sich wegen unmäßigem Alkohol- und Tablettenkonsums meist in Heilanstalten aufhalten. Altenberg war ein Virtuose der impressionistischen Skizze und des ironischen Aphorismus. Bereits in seiner ersten Veröffentlichung, den Prosaskizzen „Wie ich es sehe“ (1896), steht das subjektiv-spontan Erlebte im Mittelpunkt, das häufig seine idealisierende Frauenverehrung spiegelt. Fasziniert war er von den Möglichkeiten der Fotografie. Für Altenbergs Anerkennung als Dichter setzten sich u. a. Erich Friedell, Karl Kraus und Alfred Polgar ein.
Günter Nenning schreibt über ihn: „Altenberg war nicht nur Österreichs ausgeflipptester Dichter, er war auch Österreichs Schnorrerkönig. Altenberg galt zeitlebens als Not leidender Dichter. Er hatte keinerlei geregeltes Einkommen, seine Freunde, Freundinnen, Bewunderer gaben ihm aber reichlich.“ Er hinterließ eine Vielzahl von Aphorismen wie den folgenden: „Hüte dich vor dem Imposanten! Aus der Länge des Stiels kann man nicht auf die Schönheit der Blüte schließen.“ Seine Texte sind in 14 Bänden zusammengefasst, die für Altenberg bezeichnende Titel tragen, wie: Was der Tag mir zuträgt, Märchen des Lebens, Ashantee, Bilderbögen des kleinen Lebens oder Wie ich es sehe.
In der Oö. Landesbibliothek fi nden Sie zu Peter Altenberg u. a.
folgenden Titel:
Altenberg, Peter: Leben und Werk in Texten und Bildern/hrsg.
von Christian Kosler. – Ungekürzte Ausg., Frankfurt am Main:
Fischer-Taschenbuch-Verl., 1985. – 256 S.
Amos Oz
70. Geburtstag
Amos Oz wurde als Amos Klausner am 4. Mai 1939 in Kerem Avraham, einem Vorort von Jerusalem, geboren. Er wuchs in einer gebildeten, zionistischen Familie auf. Oz’ Großvater war nach der russischen Revolution von 1917 aus Odessa nach Wilna im damaligen Polen gefl ohen und 1933 von dort nach Palästina ausgewandert, um am Bau des jüdischen Staates mitzuwirken. Oz’ Vater, ein in 15 Sprachen bewanderter Literaturwissenschaftler, arbeitete als Bibliothekar in Jerusalem. Seine Mutter nahm sich 1952 das Leben.
Amos Oz besuchte eine nationalreligiöse Grundschule in Jerusalem. Zwei Jahre nach dem Selbstmord der Mutter trat er 15-jährig aus Protest gegen die Familie dem Kibbuz „Chulda“ bei und legte sich hier den Namen „Oz“ (hebräisch für Stärke, Kraft) zu. Er absolvierte den dreijährigen Wehrdienst und wurde vom Kibbuz 1960 an die Hebräische Universität in Jerusalem geschickt, wo er Literatur und Philosophie studierte.
Oz ist der international bekannteste und politisch engagierteste Schriftsteller Israels und wird zu den großen Friedensvisionären seines Landes gezählt. Er schrieb über 15 Romane und Erzählungen und wurde in 30 Sprachen übersetzt. In zahlreichen Aufsätzen sprach sich Oz, der während des Sechstagekrieges 1967 auf dem Sinai und während des Jom-Kippur-Krieges 1973 auf den Golan-Höhen kämpfte, früh für einen Kompromiss zwischen Israelis und Palästinensern aus.
In Israel selbst löste Oz’ Werk wegen seiner verhüllten und unverhüllten zeitkritischen Bezüge stets heftige Kontroversen aus. In Deutschland wurde er 1992 für seinen Einsatz in der Friedensbewegung „Peace now“ und für seinen Kampf gegen Fanatismus, Gewalt und Gleichgültigkeit mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.
In der Oö. Landesbibliothek fi nden Sie u. a. folgenden Titel:
Oz, Amos: Verse auf Leben und Tod: Roman/Aus dem Hebr. von
Mirjam Pressler – 1. Aufl . – Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008.
– 120 S.
Erich Hackl
55. Geburtstag
Erich Hackl wurde am 26. Mai 1954 in Steyr geboren.
Er besuchte das Gymnasium in Steyr und studierte Germanistik und Hispanistik in Salzburg, Salamanca und Málaga. Seit 1976 publiziert er regelmäßig in der Zeitschrift „Wiener Tagebuch“. Das politisch engagierte Werk des Schriftstellers Hackl umfasst vor allem Erzählungen und Hörspiele. Von der literarischen Erkundung lokalen Geschichtsterrains ausgehend führt er in ihnen den Leser über die Grenzen Österreichs hinweg, bevorzugt in jene Länder Lateinamerikas, in denen die Menschen unter den Repressionen totalitärer Systeme litten. Bekannt gemacht haben Hackl seine aus Sanftheit und Wut gefügten Erzählungen über die Ohnmacht des Einzelnen angesichts politischer Macht. „Den Gedemütigten und den eigensinnigen Rebellen gegen Diktatur und Faschismus verleiht Hackl die Stimme seiner didaktischen Literatur“, schrieb die Neue Zürcher Zeitung (8.9.1999). „Auroras Anlass“ heißt Hackls 1987 erschienener Debütband, in dem er den Mord der spanischen Feministin und Sozialutopistin Aurora Rodríguez (1890-1955) an ihrer achtzehnjährigen Tochter Hildegart, die eigene Wege zu gehen beabsichtigte, verarbeitete.
Seine zweite Erzählung, „Abschied von Sidonie“ (1989) spielt in seiner Geburtsstadt Steyr und schildert die Tragödie eines Zigeunermädchens, das als Säugling ausgesetzt wurde, aber 1933 liebevolle Pflegeeltern fand, welche die „kleine Schwarze“ gegen alle Angriffe verteidigten. Dennoch wurde Sidonie ihnen 1943 fortgenommen und nach Auschwitz in den Tod geschickt. „Abschied von Sidonie“ das mittlerweile zur Schullektüre zählt, wurde 1990 von Karin Brandauer für das Fernsehen verfilmt.
Die Welt schrieb, Hackls Kunst liege darin, „Jenen die zu Objekten degradiert wurden, das Recht auf unverwechselbare Individualität zurückzugeben“ (12. 6. 2004). Dies gelingt ihm vor allem dadurch, indem er jedem Porträt einen eigenen sprachlichen, kompositorischen Rhythmus verleiht.
CHRISTIAN ENICHLMAYR