|
|
Mehr als drei Viertel sehen Reformbedarf © Bezirksblätter |
Im Auftrag der Bezirksblätter ermittelte die Gesellschaft für Marketing und Kommunikation in Graz (GMK) in 366 Telefoninterviews mit zufällig ausgewählten österreichischen Pfarrern deren Sicht bezüglich eines Reformbedarfs in der römisch-katholischen Kirche. Schwerpunkt der Umfrage lag in Salzburg und Tirol, 20 der befragten Pfarrer waren aus Oberösterreich. Es gibt insgesamt 3050 Pfarren in Österreich. 78 Prozent sehen Reformbedarf Mehr als drei Viertel der befragten Pfarrer antworten auf die Frage „Wie groß ist der Reformbedarf in der römisch-katholischen Kirche Ihrer Meinung nach so insgesamt betrachtet?“ mit "sehr" oder "ziemlich". Der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng sagte dazu: "Die Kirche ist immer reformbedürftig, wobei diese Notwendigkeit der Erneuerung nicht selten bei einem selber anfängt.“ An erster Stelle sieht er die "Notwendigkeit einer gelebten, konsequenten Nachfolge Christi bei Priestern und Laien, Verheirateten und Unverheirateten, Männern und Frauen.“
"Mitsprache von Laien" und "Aufhebung des Zölibats" sind brennende Themen 79 Prozent der interviewten Pfarrer halten es für wichtig, dass die römisch-katholische Kirche ihre Position und Meinung zum Thema "Mitspracherecht von Laien" überdenkt. Sie halten es für wesentlich, Gläubige in Entscheidungsprozesse stärker einzubinden und ihnen mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten zu geben. Bei der sehr persönlichen Frage nach der eigenen Haltung gegenüber dem Zölibat traten 74 Prozent der Befragten dezidiert dafür ein, dass römisch-katholische Priester die Möglichkeit haben sollten zu heiraten.
Zahlen widersprechen Zulehner-Erhebung "Ernste Zweifel" an diesem Ergebnis meldete der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger, an. Bei der jüngsten Priesterumfrage des Wiener Pastoraltheologen Prof. Paul M. Zulehner haben sich nämlich 61 Prozent der Befragten grundsätzlich positiv zum Zölibat ausgesprochen.
Erzbischof Alois Kothgasser gab dazu zu bedenken, dass das Zölibat ein bewusster, freiwilliger Schritt ist. Grundsätzlich hält er Reformen für erstrebenswert, wenn sie sich auf das Wesentliche beziehen und nicht an der Oberfläche bleiben. "Nicht jede Erleichterung ist schon eine Reform." Es gelte klar zu unterscheiden, was nicht nur Trend der Zeit sei, sondern den Kern des Christseins – nämlich die intensive Gottesbeziehung und Bereitschaft zum Menschendienst – wirklich fördere. Klare Absage an Abtreibung Die Umfrage zeigt aber auch klare Grenzen in der Reformbereitschaft der Seelsorger auf. Zwei Drittel der österreichischen Prister sehen gar keinen oder kaum Bedarf, über die strikte Ablehnung der Kirche von Schwangerschaftsabbrüchen zu diskutieren. Scheuer: "Kirche ist kein Geschäft, Priester sind keine Verkäufer!" "Wesentlich in unserer technologisch, ökonomisch und auch ästhetisch orientierten Gesellschaft scheint es mir, Räume zu schaffen, in denen nichts erreicht werden muss. Personale und sakramentale Räume sind notwendig, die sich der Zweckrationalität, dem Leistungsdruck, der Bemächtigung, auch der Verdinglichung und Instrumentalisierung entziehen," betont der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer. Quelle: Bezirksblätter
2005-05-11 14:52:19
|