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Abt von Kremsmünster: Sind volle Aufklärung schuldig

Stift sucht bei Aufklärung Koalitionen mit diözesanen und staatlichen Stellen. Abt Ambros Ebhart zu Missbrauchsvorwürfen: "Kann meine Hand nicht ins Feuer legen".

Um die aktuellen Missbrauchsvorwürfe gegen drei Patres des Stiftes Kremsmünster aufzuklären, sucht das Stift die enge Zusammenarbeit mit der Diözese Linz unmd staatlichen Stellen. "Eine vollständige Aufklärung der Vorwürfe sind wir den Mitbrüdern und der Öffentlichkeit schuldig", betonte Abt Ambros Ebhart bei einer Pressekonferenz im Stift am Donnerstag. Er sei in den letzten beiden Tagen von fünf Personen mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert worden und werde bei der Aufklärung mit staatlichen und diözesanen Stellen gleichermaßen zusammenarbeiten, so Abt Ambros. Man werde die diözesane Kommission gegen Missbrauch und Gewalt mit sämtlichen Vorwürfen befassen und deren Empfehlungen umsetzen.

"Ich bedaure es sehr, dass Menschen in unseren Einrichtungen solche Gewalterfahrungen machen mussten", so der Abt. Die Vorwürfe betreffen sowohl gewalttätige Übergriffe als auch sexuellen Missbrauch an ehemaligen Schülern des zum Stift gehörenden Internats. In der aktuellen Ausgabe der "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN) hatte ein ehemaliger Internats-Zögling zuvor bereits drei Patres des Stiftes beschuldigt, in den 1980er-Jahren Schüler geschlagen und sexuell missbraucht zu haben.

Wie Abt Ambros weiters betonte, wird sich die diözesane Kommission gegen Missbrauch und Gewalt mit den Vorwürfen befassen. Bis die Vorwürfe geklärt sind, seien die beschuldigten Mitbrüder - alle drei sind bereits über 75 Jahre alt - ihrer Ämter und Aufgaben enthoben worden. Ein Pater war bislang weiterhin in der geistlichen Begleitung von Schülern tätig, ein weiterer tat Dienst in einer Pfarre, der dritte Beschuldigte hatte klosterinterne Aufgaben inne.

Von links: Dr. Josef Gruber, Abt Mag. Ambros Ebhart, Mag.a Gabriele Eder-Cakl
Von links: Dr. Josef Gruber, Abt Mag. Ambros Ebhart, Mag.a Gabriele Eder-Cakl

Hauptbeschuldigter will kooperieren

Der Hauptbeschuldigte habe ihm gegenüber in einem persönlichen Gespräch die Vorwürfe zunächst als "Unsinn" und "ein Zusammenreimen nach 30 Jahren" abgetan, später dann jedoch sein Bedauern darüber eingeräumt, "dass meine Handlungen als Missbrauch erlebt wurden". Zugleich habe der Beschuldigte zugesagt, bei der Aufklärung mit der
diözesanen Kommission zusammenzuarbeiten. Auf die Nachfrage, ob die Beschuldigungen also zutreffend gewesen seien, sagte Abt Ambros: "Passiert ist es so, ja".

Weiters rief der Abt dazu auf, dass sich mögliche weitere Betroffene und Opfer an die diözesanen Ombudsleute wenden mögen, um so eine umfassende Aufklärung zu ermöglichen. Auch werde sich das Kloster in einem Schreiben an die Eltern der Schüler wenden, um über präventive Maßnahmen zu informieren und mögliche Anlaufstellen zu benennen.

Zuletzt warnte Abt Ambros vor "Pauschalverurteilungen". Diese würden der Wahrheitsfindung nicht dienlich sein - er könne freilich nicht garantieren, dass nicht noch weitere Fälle bekannt würden: "Meine Hand ins Feuer legen kann ich nicht."


Zweistufiges diözesanes Verfahren

Wie die Leiterin des Kommunikationsbüros der Diözese Linz, Gabriele Eder-Cakl, betonte, gibt es in der Diözese Linz ein bewährtes zweistufiges Verfahren, mit dem Missbrauchsvorwürfen begegnet wird. Zum einen gebe es drei unabhängige Ombudsleute, deren Aufgabe es ist, Kontakt mit den Opfern herzustellen und den Sachverhalt in erster Instanz zu klären.

In einem zweiten Schritt wird dann die seit 1996 bestehende diözesane Kommission gegen Missbrauch und Gewalt ausführlich von den Ombudsleuten informiert und der Fall an diese Instanz übertragen. In der Folge erarbeitet die Kommission nach Gesprächen mit Opfern und Tätern eine Handlungsempfehlung für den Bischof. Bei strafrechtlich relevanten Vorfällen werden laut Eder-Cakl "selbstverständlich auch entsprechende Schritte zur Verfolgung eingeleitet".

Der Kommission gehören Josef Gruber als Leiter an sowie der Pädagoge und Psychologe Hans Krottenthaler, die Ehe-, Familien- und Lebensberaterin Karin Remsing, der Sozialarbeiter und Psychotherapeut Heinz Häubl sowie Alois Hofmann, Pfarrer von Waldneukirchen.

Derzeit neun Fälle in Untersuchung

Wie Kommissionsleiter Gruber bei der Pressekonferenz mitteilte, gehe die Kommission derzeit neun Missbrauchsvorwürfen nach. Fünf Fälle davon betreffen das Stift Kremsmünster.

Die von der österreichischen Bischofskonferenz angekündigte bessere Vernetzung der diözesanen Ombudsstellen begrüßte Gruber ausdrücklich. Gerade bei diözesanübergreifenden Fällen kämen diözesane Stellen schnell an ihre Grenzen, daher sei eine umfassende Zusammenarbeit dringend geboten.

Kontaktdaten zu den diözesanen Ombudsleuten und zur Linzer "Diözesanen Kommission gegen Missbrauch und Gewalt" sind unter www.katholisch.at zu finden.

(kathpress / ej)

Diözesane Kommission gegen Missbrauch und Gewalt

Stift Kremsmünster

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