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In Ungewissheit warten

„Asyl“ – dieses Wort hört der Wachposten im Erstaufnahmezentrum West in Thalham, St. Georgen im Attergau, oft. Im Schnitt kommen täglich sieben Asylwerber hier an. Ihre nächste Station ist dann die Polizei-Inspektion, gleich neben dem Wachhäuschen.

Kontrollinspektor Josef Achleitner hat seit 2004 seinen Dienstort in der Polizei-Inspektion Thalham. Er vermittelt nicht abweisende Strenge, sondern freundliche Korrektheit. „So wie wir die Menschen behandeln, so reagieren sie auch“, weiß Achleitner. Er schöpft aus einem reichen Erfahrungsfundus – immerhin kommen nach Thalham jährlich weit über 2000 Asylwerber. Sie sind im Schnitt zwei bis drei Wochen in Thalham, wo sie in Ungewissheit warten, wie es weitergeht. – Werden sie in ein Quartier überstellt? Wird Schubhaft über sie verhängt ...?

Polizei-Inspektion. Den insgesamt 23 Polizistinnen und Polizisten kommt nicht nur die Erstaufnahme zu. Sie sind zum Beispiel auch für Schubhaftnahmen zuständig, monatlich durchschnittlich 70. Auch Spezialisten für Dokumentenprüfungen leisten hier ihre Arbeit. Beim Rundgang durch Thalham am Mittwoch, 24. Februar, weist ein Experte auf ein Papier hin, auf dem eine für den Durchschnittsösterreicher unbekannte Schrift und ein Stempel zu sehen sind. Dessen Inhaber hat behauptet, es beweise, dass er politisch verfolgt im Gefängnis war. Doch das Papier ist gefälscht, hat die akribische Untersuchung erbracht. Der Inhaber wird einen Erklärungsbedarf haben.

Betreuung ist wichtig. Nach der Information und Datenerfassung durch die Polizei kommen Asylwerber/innen ins Quartier. Sie erhalten Wäsche, Kleidung, ein Hygienepaket und gegebenenfalls ein Extrapaket für die Kleinkinder. Im Hauptgebäude sind viele Dienste untergebracht. Täglich ordiniert eine Ärztin oder ein Arzt aus der Umgebung. Die Ankommenden werden rasch medizinisch untersucht, dazu gehört auch ein Lungenröntgen. Eine Psychologin macht Dienst. Von 14 bis 22 Uhr kümmert sich eine Sozialarbeiterin um Freizeitangebote.

Gute Atmosphäre. Menschen, die um Asyl ansuchen, haben oft Schlimmes hinter sich und sind weiter in Sorge: Was kommt auf mich zu? Werde ich bleiben können? Wie wird die Polizei agieren? Bei so viel Belastung und den Unterschieden der derzeit aus 14 Nationen kommenden Menschen, ist es eine sehr positive Nachricht: Die Polizei musste vergangenes Jahr nur etwa 20 Mal bei Vorfällen im Lager einschreiten. Das kommt nicht von ungefähr: Um menschliche Behandlung bemühen sich Polizei, die dort wirkenden Organisationen wie European Homecare (organisatorische Betreuung), Verein Menschenrechte (Rückkehrberatung), Verein Menschenleben (psychologische Betreuung), die Ärzte, die Mitarbeiterinnen der Küche und das Leitungsteam um Amtsdirektor Georg Pöllmann, der der Betreuungsstelle West des Innenministeriums in Thalham vorsteht. Auch die Caritas-Streetworkerinnen, die vor allem mit den Menschen in St. Georgen im Gespräch sind, tragen zum menschlichen Klima bei. – Das ist ganz anders als das Thema „Asyl“ sonst in Österreich oft behandelt wird: abweisend, ausgrenzend, inhuman, mit Versuchen, schlechte Stimmung zu machen.

Erstaufnahme in Thalham

Im Erstaufnahmezentrum Thalham, St. Georgen im Attergau, sind aktuell etwa 110 Asylwerber/innen untergebracht. Die beiden größten Gruppen sind Afghanen und Tschetschenen mit jeweils ca. 30 Personen. Familien und Alleinstehende sind zahlenmäßig etwa gleich groß. Die Kinder gehen nur in Ausnahmefällen zur Schule, sie sind ja kaum länger als zwei, drei Wochen im Zentrum. Eine der Aufgaben der Caritas-Streetworkerinnen ist, Brücken zu den Schulen im Ort zu bauen. Sieben Ärztinnen bzw. Ärzte machen abwechselnd Dienst. Die Bewohner/innen sind ab dem ersten Tag kranken- und unfallversichert. Frau Danter sorgt als Ordinationshilfe für die gut funktionierende Organisation der ärztlichen Untersuchungen. Infoblätter in 22 Sprachen sind eine wichtige Orientierungshilfe. Bei der Polizei liegen Infoblätter in mehr als 45 Sprachen auf. Dadurch und dank Dolmetscher-Diensten, auch aus den Reihen von Mitbewohner/innen, sind die Asylwerber/innen über ihre Rechte und Pflichten entsprechend informiert.

Einmal im Monat erhalten die Asylwerberinnen 40 Euro Taschengeld.

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