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In Mexiko liege die Macht bei den Drogenbossen des organisierten Verbrechens. Die Militarisierung im Land nehme zu, die Gewaltakte steigen, Menschenrechte werden verletzt. Bischof Raúl Vera López von Saltillo ist besorgt über die Lage in seiner Heimat.
Im Kampf gegen den Drogenhandel habe der mexikanische Staat versagt, klagt Bischof Raúl Vera López an. Zwar gehe die Armee gegen die bewaffneten Kräfte des Drogenhandels und des organisierten Verbrechens vor; doch jene, die hinter diesen kriminellen Vergehen stecken,, etwa hochrangige Politiker und Funktionäre, werden nicht belangt und gehen straffrei aus.
Kein Schutz. Mexiko sei ein gescheiterter Staat, in dem die Regierung nichts mehr zu sagen habe. „Die tatsächliche Macht ist auf das organisierte Verbrechen übergegangen, das den Handel kontrolliert und Unternehmer
erpresst. Der Staat ist nicht mehr in der Lage, die Menschenrechte zu sichern. Die Zivilbevölkerung ist Gewaltakten schutzlos ausgeliefert. Morde, Entführungen, Vergewaltigungen nehmen zu“, so der mexikanische Bischof. Schuld daran habe auch der Oberste Gerichtshof Mexikos, der zwar Menschenrechtsverletzungen feststellte, aber trotzdem nichts gegen die Verantwortlichen unternommen habe, kritisiert López. Als Beispiel führte er den Fall des Massakers von Acetal im Bundesstaat Chiapas im Jahr 1997 an, wo 49 Indios durch Paramilitärs getötet wurden. „Der Oberste Gerichtshof ist den Hintergründen des Massakers nicht nachgegangen. So sind im August 14 Täter freigelassen worden; 34 weitere Freilassungen der ,Paramilitärs’ stehen bevor.“
Bildungspolitik. Große Defizite gebe es auch auf Ebene der mexikanischen Bildungspolitik. Laut Bischof López gehen viele Kinder nicht mehr zur Schule, weil sie ihren Eltern helfen müssen, für den Lebensunterhalt zu sorgen. „Für einen Großteil der Jugend Mexikos gibt es wegen der fehlenden Zukunftsperspektiven im Land oft nur zwei Möglichkeiten: entweder den Einstieg als Drogenhändler oder Kidnapper in eine der Banden des organisierten Verbrechens oder die Migration in die USA.“
Mexiko und die Migration
Der Dominikaner Raúl Vera López ist seit 1999 Bischof von Saltillo, der Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Coahuila im Norden des Landes. Hier, nahe der Grenze zur USA, ist das Problem der Migration besonders deutlich spürbar. Die über 3000 Kilometer lange Grenzmauer zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten wird stark bewacht. Trotzdem – jährlich versuchen bis zu 500.000 Menschen auf illegalem Weg in die USA zu gelangen; etwa 500 kommen dabei ums Leben. „Viele Migranten/innen sterben, weil sie beim Überqueren des Grenzflusses Rio Bravo ertrinken oder beim Durchqueren der Sonora-Wüste verdursten. Es gibt auch Farmer, die Jagd auf illegale Einwanderer machen. In den Migrationshäusern der Diözese Saltillo kümmern wir uns u. a. darum, jene, die aus den USA ausgewiesen wurden, wieder in ihre Heimatdörfer zurückzubringen, dokumentieren Menschenrechtsverletzungen, sorgen dafür, dass Familien, die getrennt wurden, wieder zusammenkommen, setzen uns gemeinsam mit der katholischen Kirche in den USA dafür ein, die Ursachen der Migrationssituation zu bekämpfen“, so Bischof López.
Im Blick
Welle der Gewalt
Der mexikanische Bischof Raúl Vera López spricht nach dem jüngsten gewaltsamen Tod eines Gastarbeiters aus Honduras in Mexiko auch von einer Welle der Gewalt gegen mittelamerikanische Migranten. Der Bischof macht eine immer mehr um sich greifende diskriminierende und rassistische Stimmung im Land für die Gewalttat verantwortlich. Im Hinblick darauf bat er den mexikanischen Staatspräsidenten Felipe Calderon um Hilfe. In einem Brief an Calderon forderte López ein staatliches Eingreifen gegen das herrschende Klima, das Migranten/innen zunehmend kriminalisiere. Einwanderer seien in Mexiko bereits in der Vergangenheit immer wieder Opfer von Menschenrechtsverletzungen und kriminellen Machenschaften geworden, die ungestraft blieben.
Susanne Huber
KIZ Ausgabe 2009/45
2009-11-04 13:36:52
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