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Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz. Foto: KIZ/MF. |
Bischof Ludwig Schwarz: Der Priester ist kein Einzelkämpfer, sondern tut seinen Dienst mit anderen.
Mit den Priestern ist die ganze Kirche eingeladen, sich der Gabe und Bedeutung des Priestertums wieder mehr bewusst zu werden. Bischof Dr. Ludwig Schwarz wendet sich mit diesem Anliegen an die Gläubigen der Diözese Linz.
Liebe Mitbrüder!
Liebe Gläubige! Papst Benedikt XVI. hat am 19. Juni, dem Hochfest des heiligsten Herzens Jesu, in der Peterskirche zu Rom das „Jahr des Priesters“ eröffnet. Er hat dieses Jahr unter den Leitgedanken der Treue gestellt: „Treue zu Christus, Treue des Priesters“. Anlass für diese Initiative ist die 150. Wiederkehr des Todestages des hl. Pfarrers von Ars.
Der Hl. Vater hofft, dass dieses Jahr dazu beitragen möge, eine innere Erneuerung der Priester herbeizuführen und ein noch wirksameres Zeugnis für das Evangelium in der Welt von heute zu fördern (Schreiben des Papstes). Es soll ein Jahr des intensiven Schauens auf den Herrn werden, dem wir für das Gnadengeschenk der priesterlichen Berufung danken wollen.
Mit den Priestern ist die ganze Kirche eingeladen, sich der Gabe und Bedeutung des Priestertums wieder mehr bewusst zu werden. Der hl. Pfarrer von Ars beschreibt diese Gabe mit ganz einfachen Worten: „Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu.“ Im Grunde geht es bei der Vertiefung unserer Berufung ganz einfach um ein Wachsen in der Liebe. Wir werden immer besser die Erhabenheit unserer Erwählung verstehen, je bereitwilliger wir diese Liebe annehmen, in der uns Gott alles schenken will.
Ich möchte mit diesem Schreiben meine tiefe Verbundenheit mit Euch, liebe Mitbrüder, und meine große Wertschätzung für Euren treuen, oft unscheinbaren und verborgenen Dienst zum Ausdruck bringen. Dadurch wird auch das „vinculum communionis“ (= Band der Gemeinschaft) gefestigt, wofür ich Euch sehr dankbar bin.
Nun möchte ich zwei Punkte anschneiden, die Papst Benedikt XVI. in seinem Schreiben zum Beginn des Priesterjahres hervorhebt. (Vgl. Bischof Felix Genn, Münster, in seinem Brief an die Priester des Bistums.)
Der Priester ist in die Gemeinschaft der Kirche gerufen. Priester sein muss heute mehr denn je bedeuten: Leben in Gemeinschaft – freilich nicht in einer Nivellierung der eigenen Sendung und des eigenen Auftrags. Sie besteht vielmehr im Austausch des Glaubens, in der Mitteilung der Gaben und der gegenseitigen Hilfe und Stärkung, diesen Glauben zu einem lebendigen Zeugnis für alle werden zu lassen.
Ja, gerade angesichts der Seelsorgeräume und der Übernahme einer zweiten und dritten Pfarre durch einzelne Priester möchte ich sagen: Die pastorale Herausforderung der Zukunft wird eben dieses existenzielle Leben der Gemeinschaft in der Kirche sein. Das gilt vor allem im Hinblick auf die Zusammenarbeit unter denen, die als Priester, Ständige Diakone und hauptberuflich tätige Laien ihre je eigene Sendung im Dienst am Volke Gottes wahrnehmen. Dazu kommen noch viele Ehrenamtliche. Hier zeigt sich, dass der Priester kein Einzelkämpfer sein kann, sondern seinen Dienst in Zusammenarbeit mit vielen anderen tun muss. Der Priester ist für die Herde Christi verantwortlich. Sie ist aber weder seine Herde noch seine Gemeinde, sondern die Herde Jesu Christi und die Kirche Gottes.
Der Priester ist auch nicht allein verantwortlich. Jeder Einzelne muss Rechenschaft ablegen darüber, wie er sein Christsein gelebt und damit auch für den Priester Zeugnis gegeben hat.
Deshalb ist es für den Priester auch wichtig, wenn er sich getragen weiß von den Gläubigen, denen es ebenso um das Zeugnis des Glaubens und den Weg der Heiligkeit wie ihm selber geht. Eine gegenseitige Bestärkung ist immer wichtig. 2. Als Priester sind wir Menschen des Gebets. Ja, der Priester ist ein Betender und daher auch in besonderer Weise vom Geheimnis geprägt. Damit möchte ich den Blick vor allem auf die sakramentale Dimension unseres priesterlichen Dienstes lenken. Hier geht es nicht um ein oberflächliches Kultpriestertum, sondern darum, das Geschenk des Glaubens in der Feier der Sakramente zu vermitteln. Deshalb haben die Verkündigung des Wortes Gottes wie auch der Hirtendienst ihren Höhepunkt in der Feier der Eucharistie, die die Kirche nicht nur sammelt, sondern auch zusätzlich eint. Der Papst bringt es auf die kurze Formel: Priester sein heißt Eucharistie feiern. Wir versehen also nicht Funktionen, wir sind keine Funktionäre, sondern wir feiern das Geheimnis, wir feiern jene Wirklichkeit, die uns selbst sakramental von innen her prägt und unser ganzes Sein durchdringt. Auf diesem Weg gelangen wir zu jener Mitte, auf die alles hinzielt und aus der alles entspringt, und das ist der Herr selbst, Jesus Christus. Ihn zu erkennen, Ihn immer mehr zu lieben, um Ihm immer mehr dienen zu können, darauf hin lebt die Kirche.
Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienstamt! Die Menschen aus dieser Mitte zu begleiten und zu nähren und sie gleichzeitig als Brüder und Schwestern zu empfangen, das ist unsere Sendung seit der Weihe, aber auch unsere tiefste Freude. Darin darf sich unser priesterliches Leben erschöpfen und erfüllen.
Ich empfehle Euch dem Schutz der Gottesmutter Maria, die wir im Monat Oktober als Rosenkranzkönigin besonders verehren.
Mit Segenswünschen
Dr. Ludwig Schwarz, Bischof von Linz
Predigten und Stellungnahmen von Bischof Dr. Ludwig Schwarz finden Sie ab sofort auch auf der neuen Homepage
http://www.bischof-ludwig-schwarz.at/ oder http://www.dioezese-linz.at/bischof
Das Jahr des Priesters auf katholisch.at
KIZ Ausgabe 2009/41
2009-10-07 13:28:55
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