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Leben funktioniert nur in der Ganzheitlichkeit

Die Inderin Vandana Shiva ist Gast bei der Fachtagung Weltkirche (23.–24. Juli) im Stift Lambach

Nobelpreisträgerin Vandana Shiva. Foto: KIZ/Huber.
Nobelpreisträgerin Vandana Shiva. Foto: KIZ/Huber.

Vandana Shiva gilt nicht nur in ihrer Heimat Indien als Kämpferin gegen Gentechnik. Auch in Europa ist die Alternative Nobelpreisträgerin bekannt für ihren Einsatz, die biologische Artenvielfalt zu erhalten und Patente auf Leben und Saatgut zu verbieten. Derzeit ist Shiva in Österreich unterwegs.

„Im indischen Sanskrit lautet das Wort für Saat „Bija“. Das bedeutet übersetzt „die Quelle des Lebens“ – Leben, das aus sich heraus immer wieder von Neuem entsteht“, erzählt Vandana Shiva. Für die Inderin ist es selbstverständlich, Saatgut zu bewahren und dafür zu sorgen, Samen-Vielfalt zu erhalten. In der Agro-Gentechnik und deren Anwendung in der Landwirtschaft sieht Shiva eine große Gefahr für Mensch und Natur und sie warnt vor Patenten auf Samen, Pflanzen und Gene.

Abhängigkeit. Im Zentrum ihrer Kritik steht der US-Konzern Monsanto, der u. a. gentechnisch verändertes Saatgut erforscht, produziert und verkauft und der wegen der umstrittenen vertraglichen Bindung indischer Bauern an den Konzern negative Schlagzeilen machte. „Bei Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen geraten die Bauern in die Abhängigkeit der internationalen Konzerne. Denn deren Saatgut, das patentiert ist, kann nicht selbst nachgezogen, sondern muss jedes Jahr erneut teuer eingekauft werden“, erklärt die Umweltaktivistin. Daher häuften die Bauern hohe Schulden an. Vandana Shiva ist davon überzeugt, dass die Selbstmorde von 200.000 indischen Kleinbauern im vergangenen Jahrzehnt mit der gentechnisch veränderten BT-Baumwolle „Bollgard“ von Monsanto in Zusammenhang stehen. „Die Bauern haben keine andere Alternative, als diese teure Baumwolle zu verwenden und überschuldeten sich. Dazu kommt, dass BT-Pflanzen Hybridsorten sind, die Bewässerung brauchen. Zusätzlich schafft die Gentechnik-Pflanze neue Krankheiten und die Landwirte benötigen mehr Chemikalien“, sagt die Umweltaktivistin.

Widerstand leisten. Unermüdlich kämpft Vandana Shiva weiter gegen das Aufzwingen von Gentechnik in die Landwirtschaft. Und sie hat schon viel erreicht. Jüngst hatte sie das Vorgehen Monsantos vor dem UN-Menschenrechtsausschuss in Genf angeprangert. Daraufhin wurde dieses Vorgehen als Menschenrechtsverletzung eingestuft.

Ganzheitlichkeit. An die Erwartungen und Behauptungen, dass Agro-Gentechnik beispielsweise den weltweiten Hunger stoppen könne, glaubt Shiva nicht. Den Konzernen gehe es vielmehr darum, Macht und Kontrolle durch Patente zu erreichen. „Die Agro-Gentechnik ist ein Geschäft mit der Angst der Bauern, deren Existenz auf dem Spiel steht. Und sie zerstört die Natur und verringert die Lebensmittel-Vielfalt“, so Shiva. In den Labors der Genkonzerne werden einzelne Gene aus Lebewesen und Pflanzen in bestehende Ackerpflanzen transferiert, um Schädlingen entgegenzuwirken oder die Pflanzen Spritzmittel-resistent zu machen. Das könne auf Dauer nicht gutgehen, meint sie, denn „Leben funktioniert nur im Ganzen. Wenn ein Teil davon weggenommen wird, klappt das System Leben nicht mehr.“

Anbauverbot. In Österreich sieht die Situation derzeit so aus, dass gentechnisch veränderte Pflanzen nicht angebaut werden. Erst im März ist es zum dritten Mal gelungen, das österreichische Anbauverbot für Genmais aufrechtzuerhalten. Jährlich werden allerdings etwa 600.000 Tonnen Gentech-Soja als Futtermittel vor allem aus Südamerika importiert. Was tun, damit Gentechnik-Anbau in Österreich nicht Einzug hält? „Darüber sprechen, andere darüber informieren, unser eigenes Leben bewusster gestalten, indem wir gentechnikfreies Saatgut anbauen bzw. gentechnikfreie Produkte aus nachhaltig biologischer Landwirtschaft kaufen“, rät Vandana Shiva.


ZUR SACHE

Fachtagung Weltkirche

„Schöpfungsverantwortung in der Krise“ – so lautet das Thema einer hochkarätigen Fachtagung von 23. bis 24. Juli im oberösterreichischen Stift Lambach. Der Klimawandel ist zu einer deutlich spürbaren Realität geworden. Betroffen davon sind vor allem Menschen in Entwicklungsländern, die oft in gefährdeten Naturräumen leben. „Schöpfungsverantwortung ist gerade in und aufgrund der Klima- und Wirtschaftskrise gefordert, Antworten zu geben“, sagt Bischof Ludwig Schwarz, Vorsitzender der „Koordinierungsstelle der österreichischen Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission“ (KOO). Er fordert ein umweltverträgliches Wirtschaften und eine Änderung unseres Lebensstils. Wie das gelingen kann, dafür suchen namhafte Referentinnen und Referenten bei der Fachtagung Antworten zu geben. Geladen sind u. a. Vandana Shiva, indische Umweltaktivistin und Bürgerrechtlerin, und Bischof Luciano Capelli SDB von Gizi auf den Salomoneninseln.

Die Fachtagung Weltkirche wird von der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs und der Vereinigung der Frauenorden Österreichs in Zusammenarbeit mit der KOO, „Jugend Eine Welt“, den Steyler Missionaren und der MIVA ausgerichtet.

Infos zur Tagung finden Sie unter: www.fachtagung-weltkirche.at


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