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Jägerstätter ein Befreiungstheologe: Klarer Verstand und mutiges Herz

Zu den ersten Gedenkfeierlichkeiten nach der Seligsprechung von Franz Jägerstätter hat die Pfarre St. Radegund am 9. August 2008 eingeladen. Zur Todesstunde um 16.00 Uhr und am Abend wurde ein Gottesdienst gefeiert. Kuno Füssel, Theologe und Mathematiker stellte beim Vortrag auf Einladung von Pax Christi Oberösterreich und München in Burghausen Franz Jägerstätter als klaren Denker und Befreiungstheologen vor. Etwa 60 Personen von Pax Christi und aus Italien sind von Burghausen nach St. Radegund gepilgert.

Prof. Kuno Füssel beim Vortrag in Burghausen
Prof. Kuno Füssel beim Vortrag in Burghausen

"Es ist bewundernswert, dass Franz Jägerstätter als einfacher Bauer aus seinem Glaubenswissen und Nachdenken diese Kraft zum Widerstand bis zum Tode hin geschöpft hat", so Kuno Füssel in seinem Vortrag über ’Jägerstätter als gelebtes Zeichen der Transzendenz’ vor den TeilnehmerInnen an den Jägerstätter-Gedenkfeiern aus Österreich, Deutschland und Italien am 9. August 2008 im Haus der Begegnung in Burghausen. Jägerstätters Denken war geprägt von einer "Wenn-dann"-Schlüssigkeit. Seine natürliche Denkkraft und sein fester Glaube haben ihm Einsichten eröffnet, die seinen Zeitgenossen zum Teil verborgen blieben. Er hat das damalige System genau durchschaut und er konnte genau erkennen, was gut und was falsch war. Füssel: "Jägerstätter hat das Euthanasieprogramm genau durchschaut und das war der endgültige Auslöser zum Widerstand. Für die politische Theologie und die Befreiungstheologie ist charakteristisch, dass eine Orthodoxie ohne die entsprechende Orthopraxie wirkungslos bleibt. Jägerstätter kann deshalb als politischer Befreiungstheologe gesehen werden. Für ihn war klar, dass die Praxis das Kriterium der Wahrheit darstellt. Der Weg der Praxis ist der Weg in der Nachfolge Jesu."

Jägerstätter hat sich in seinem Handeln immer an der Heiligen Schrift, dem Katechismus und dem Leben einzelner Heiliger orientiert. Füssel verwies darauf, dass für Jägerstätter gerade in den Zeiten der Isolation und der Bedrohung die Heilige Schrift zur zentralen Quelle wurde: "An Gottes Wort mag sich unsere Seele immer wieder aufrichten." Seine klare Sicht, dass jede Tat ihre sittliche Qualität in sich und als solche hat, führte zu seiner klaren Entscheidung und zum entsprechenden Handeln. Füssel: "Jägerstätter hatte eine große innere Freiheit in seinem Handeln, nicht orientiert an Erfolg oder Misserfolg. Er hat etwas getan in Gottes Namen und das genügt und gab dem Handeln seinen Wert. Die gute Tat in sich ist sinnvoll und wertvoll, ohne dass es nach heutigen kapitalistisch-gesellschaftlichen Kriterien ein Erfolg sein muss. So ist Jägerstätter heute ein gelebtes Zeichen für die Transzendenz."

Die Theologie Jägerstätters ist von den letzten Dingen, den "eschata" geprägt. Tod, Gericht, Hölle und Himmel sind die zentralen Themen. Füssel: "Die Gefährdung des letzten und ewigen Seelenheiles ist das zentrale Thema. Es geht ihm immer wieder um den Verlust des Seelenheiles. Für Jägerstätter war klar: Gott will, dass wir ewig mit ihm glücklich sein können."

Die Kirche von St. Radegund war für die Gedenkfeier wunderbar geschmückt
Die Kirche von St. Radegund war für die Gedenkfeier wunderbar geschmückt

Beim Abendgottesdienst hat Bischof Manfred Scheuer aus Innsbruck in seiner Predigt von der Nahrung für die Seele gesprochen: „Ein Geist, der keine Nahrung erhält, verkümmert und ein Geist, der einseitig ernährt wird, gebiert verzerrendes Denken und geht in die Irre.“ Jägerstätters Nahrung war Freiheit und ein starkes Innenleben. Die Bibel und das Gebet waren zentral für Jägerstätter. Scheuer: „So ist Gebet für Jägerstätter kein Alibi für die Tat und Entscheidung, seine Frömmigkeit ist Vorentwurf der Tat, Kraftquelle im Widerstand.“

Die Kirche von St. Radegund wurde von der Tochter Jägerstätters wunderbar geschmückt. Eine Rose zierte das Taufbecken, an dem er getauft wurde. Pfarrer Steinkellner las die Eintragung ins Taufbuch vor. Dort ist nicht nur die Verehelichung eingetragen, sondern jetzt auch die Seligsprechung. Nach der Eucharistiefeier wurden am Grab Jägerstätters in einer Lichterprozession Kerzen entzündet.

Am Grab wurden Lichter entzündet
Am Grab wurden Lichter entzündet
Pfarrer Steinkellner las die Taufbucheintragungen vor
Pfarrer Steinkellner las die Taufbucheintragungen vor

(fk)

Homepage Franz Jägerstätter

Kirche St. Radegund - Kirchenführer (PDF)

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