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Die Botschaft der neuen Domfenster

Die modernen Fenster des Kapellenkranzes sind ab 1993 entstanden, der Künstler Karl-Martin Hartmann aus Wiesbaden hat sie entworfen, die Firma Derix in Taunusstein bei Wiesbaden hergestellt.

Modernes Fenster in der Kapelle - Königin der Propheten - K.-M. Hartmann, 1993
Modernes Fenster in der Kapelle - Königin der Propheten - K.-M. Hartmann, 1993

Im Spätherbst 1994 wurden sie eingebaut. Ein Bombentreffer des zweiten Weltkrieges hatte die originalen Fenster zerstört, durch den bewussten Einsatz von moderner Kunst sollte ein Denkmal des Dankes für 50 Friedensjahre gesetzt werden. Es wurden hier keine figurativen Szenen geschaffen, da durch die eingesetzte intensive Farb- und Formenwirkung zu kontemplativem Gebet, sinnlicher und kreativer Betrachtung geladen werden soll, Fragen und Widerspruch werden aufgeworfen.

„Hier ist gut sein“, war das Motto des Künstlers bei der Konzeption der Fenster. Eine Beschreibung der Schöpfung mit Hinweisen auf moderne Entdeckungen und Beobachtungen aus dem Universum, dies vor allem in den unteren Bereichen der Fenster, soll vollzogen werden. Es ist ein Versuch, die Frage nach Leben und Tod, Vergänglichkeit und Grenzen der Menschen und nach Gott selbst mittels farbigem und intensivem Licht darzustellen. So steht Rot für Tod und Vergänglichkeit der Menschen, aber auch als Farbe der Liebe und damit dafür, dass Christus aus Liebe zu den Menschen den Tod auf sich genommen hat, dass seine Liebe uns begleitet, aber auch in den größten kosmischen Entfernungen zu uns findet.

Goldtöne stehen für das Symbol des Göttlichen, göttliches Licht umfängt uns, bis wir durch die Schöpfung hindurch zum ewigen Licht gelangen. Durch verschiedene Formen – Kreise, Quadrate, farblose Flächen – wird die unendliche Vollkommenheit symbolisiert, kleinteilige Rasterflächen sind streng in Felder und Tafeln gegliedert.

Auch die Fenster über den Eingängen des Querhauses wurden von diesem Künstler gestaltet. Hier wurde bei einem auch das Kreuz und der Judenstern als Gestaltungselement verwendet, dazwischen gibt es einen unregelmäßigen Riss als Zeichen für die getrennten Wege, die vielleicht doch einmal zu vereinen sind.

Diese Fenster „sind großartige Zeugnisse zeitgenössischer Glaskunst von internationalem Rang und eines geglückten Versuchs, im historischen Kontext umsichtig und doch eigenständig in einen Dialog zu treten. Es ist ein Dialog in der Sprache der Qualität“ (Conrad Lienhardt).

Im Kapellenkranz ist auch die so genannte „Wurmstraßenmadonna“, eine nahezu lebensgroße, thronende spätgotische Muttergottesstatue mit Jesuskind, aufgestellt. Sie war bis zum Beginn des 19. Jh.s in der Kapelle des Löfflerhofes bei Linz gestanden und wurde später in das Haus Wurmstraße 20 in Linz verbracht. Am 7. Dezember 2001 kam die Madonna in den Linzer Dom, nachdem sie zu gleichen Teilen von der Stadt Linz und dem Land Oberösterreich aus Privatbesitz erworben worden war. Diese Plastik ist das älteste Ausstattungsstück des Domes. Sie blickt auf den Betrachter, ist also vom Typus her ein Gnadenbild. Die Figur gehört zu der Gruppe der Madonnen des „Weichen Stils“, bereits im Übergang zum „Knitterstil“, und stellt somit ein bedeutsames Übergangswerk der Zeit um 1440 wohl aus dem passauerisch-oberösterreichischen Gebiet in der Nachfolge des Meisters der Seeoner Madonna dar (Herfried Thaler). Der Meister dieser Figur wurde nach jüngsten Forschungen als Hans Sweiker von Ulm identifiziert. Sie kann als ein Hauptwerk der alpenländisch-gotischen Plastik der Stilstufe um 1440 bezeichnet werden.