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Kirchen in Österreich präsentieren Fragenkatalog zur Nationalratswahl

Ein "Instrument zur Meinungsbildung für mündige Christen" soll der neu aufgelegte Fragenkatalog des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) sein, der am Mittwochabend in Wien präsentiert wurde. Die Vorstellung fand im Rahmen des Jour fixe" des "Verbands katholischer Publizisten Österreichs" statt, bei dem das Verhältnis von Kirche und Politik im Mittelpunkt stand.

Fragen zur politischen Verantwortung (Neuauflage, September 2006) zum Download (PDF)
Fragen zur politischen Verantwortung (Neuauflage, September 2006) zum Download (PDF)

Die Fragen sollen "eine Orientierungshilfe darstellen, das Gewissen zu schärfen, die eigene Meinung verantwortungsbewusst zu prüfen und zu begründen und darüber freimütig mit Anderen ins Gespräch zu kommen."

"Instrument zur Meinungsbildung für mündige Christen"
Das Dokument ist in verschiedene Themenbereiche eingeteilt. Unter anderem kommen Fragen zur sozialen Situation, zur Gleichberechtigung oder zur Integration vor.

So wird in dem ÖRKÖ-Dokument u.a. wörtlich gefragt: "Welche Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut in Österreich werden vorgesehen?" oder "Gibt es Aussagen über Österreichs Beitrag zur Entwicklungshilfe?". Weiters etwa auch: "Welche Vorschläge werden gemacht, um Beruf, Kinder und Familie gut zu vereinbaren?" oder "Welche Vorschläge für eine integrative Politik werden gemacht?" Auch der Stellenwert, den der Schutz des Lebens oder die Sonntagsruhe haben, wird thematisiert.

"Fragen zur politischen Verantwortung" (Neuauflage, September 2006) zum Download (PDF):
http://www.oekumene.at/OeRKOe_Folder_Fragen_zur_pol_Ver_HP.pdf

Notwendigkeit, dass Kirchen in gesellschaftspolitischen Fragen gemeinsam agieren
Der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura betonte die Notwendigkeit, dass sich die Kirchen gemeinsam in gesellschaftspolitischen Fragen engagieren. Dabei sprach er sich aber dafür aus, dass die Kirchen zu allen Parteien von sich aus die gleiche Distanz halten sollten. Es gelte vielmehr, sich konkret für die Menschen einzusetzen, Wachsamkeit gegenüber gesellschaftlichen Fehlentwicklungen zu üben und christliche Werte zu fördern.

Zentrale christliche Grundwerte hochhalten
Der Bischofsvikar der Militärdiözese, Msgr. Werner Freistetter, betonte, dass es die "politische" Aufgabe der Kirchen sei, zentrale christliche Grundwerte hochzuhalten. Hier habe man Kompetenz. Die konkrete Anwendung gehöre hingegen sicher nicht zum Kerngeschäft der Kirche. Spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei klar, dass man von einer "Klerikalisierung" der Politik Abstand nehmen müsse. Für die politische Praxis brauche es Fachleute und das sei auch Aufgabenfeld mündiger und verantwortungsbewusster Christen. Der Bischofsvikar hob lobend hervor, "dass in den Kirchen das Bewusstsein gewachsen ist, dass es ohne den mündigen Christen in der Politik nicht geht".  

Schweigen der Kirchen zu gesellschaftspolitischen Fragen ist nicht möglich
Oberkirchenrat Bünker wies auf jüngste kritische Aussagen der evangelischen Kirche und von KardinalSchönborn zum Wahlkampf hin. Das Schweigen der Kirchen zu gesellschaftspolitischen Fragen sei oft schon allein deshalb nicht möglich, weil aktuelle gesellschaftspolitische Fragen oft auch zentrale kirchliche Themen berühren. Bünker nannte in diesem Zusammenhang etwa die Bereiche Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.

"Glaube reinigt die Vernunft"
Zur Frage, wie das Verhältnis zwischen Glaube und politischer Vernunft bestimmt werden könne, verwies der evangelische Oberkirchenrat auf Papst Benedikt XVI. und dessen Enzyklika "Deus caritas est". Der Papst spreche davon, dass der Glaube die Vernunft reinigt. Ähnlich habe dies auch Martin Luther formuliert. Bünker: "Glaube, der die Vernunft reinigt und das Gewissen schärft. Das ist ein Weg, auf dem Christen ihre politische Vernunft wahrnehmen können".

Spannung zwischen Wertekompetenz und Kritik gegenüber kirchlichen Institutionen
Bünker verwies darauf, dass "die Möglichkeiten, wie Kirchen politisch Stellung nehmen können", vielfältig seien. Die "Mündigkeit von Christen ist in politischen Auseinandersetzungen vorauszusetzen", erklärte der Oberkirchenrat. Allerdings würden die Kirchen auch in dem Spannungsverhältnis zwischen Erwartungen in ihre Wertekompetenz und "dem Misstrauen bzw. der Kritik gegenüber kirchlichen Institutionen" stehen.

"Das Evangelium beauftragt uns, kritische Anfragen zu stellen."
Dass sich die Kirchen zu Wort melden dürfen, ist für den evangelischen Bischof Herwig Sturm "ein Signal, dass wir in einer Gesellschaft leben dürfen, in der das Wort sehr frei ist". Wenn in einer Gesellschaft "die Schwächsten immer zu Prügelknaben gemacht werden", erheben die Kirchen "zu Recht ihr Wort". In "einer Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen und rascher Entwicklungen in Österreich, in Europa und in der Welt" erkläre der Katalog "Fragen zur politischen Verantwortung" des ÖRKÖ: "Das Evangelium, das wir als Christinnen und Christen gemeinsam bezeugen, beauftragt uns, auch kritische Anfragen an Politik und Gesellschaft zu richten. Auf diese Weise kommen die christlichen Kirchen ihrer prophetischen Aufgabe in der Welt nach".

Ökumenischer Rat der Kirchen in Österreich
http://www.oekumene.at

(Quelle: Kathpress | http://www.kathpress.at)

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