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Generalvikar Lederhilger: Naturkatastrophen sind nicht Strafe Gottes, aber Anlass zum Nachdenken über das ökologische und soziale Verhalten des Menschen

Naturkatastrophen sind nicht nur schreckliche Ursachen für Unglück und Leid, sondern lösen bei vielen Menschen auch die Frage aus, was der Grund für solche Ereignisse ist.

 In der Vergangenheit, als man die naturgesetzlichen Ursachen für viele solcher Katastrophen noch nicht kannte, war es üblich, solche Ereignisse mit dem zornigen Handeln von Göttern, oder mit einem Strafhandeln des Schöpfergottes in Verbindung zu bringen. Die heutige katholische Theologie hält es für völlig unangebracht und für unverantwortlich, einen solchen Zusammenhang ausdrücklich herzustellen. Naturereignisse und die Moralität des Menschen sind zwei verschiedene, voneinander zu unterscheidende Ebenen.

Für diese Sicht der Theologie sind folgende Gründe maßgebend: Der christliche Gottesglaube, der in der Botschaft und im Leben Jesu Christi gründet, ist ein Glaube, der Gott als unbedingt gute und menschenfreundliche Macht (1 Tit 3,4) versteht. Alles, was geschieht, sollen wir im Licht des Heilswillens Gottes deuten. Der Apostel Paulus lehrt, dass das Heil in Jesus Christus nicht doppeldeutig ist, sondern dass in ihm das Ja Gottes, sein Heilswille zu allen Menschen verbürgt ist (siehe 2 Kor 1,19f). Es ist deshalb Ausdruck einer geradezu zynischen, fundamentalistischen Bibelinterpretation zwischen der Sündhaftigkeit der Menschen und von vermeintlich von Gott geschickten Naturkatastrophen einen unmittelbaren Zusammenhang herzustellen, um die Überlebenden zu mahnen durch den Tod und das Leid anderer Menschen. Das katholische Lehramt hat in seinen Verlautbarungen der jüngsten Zeit nie einen solch unmittelbaren Zusammenhang hergestellt.

Selbstverständlich ist es legitim und nützlich, die Frage zu stellen, ob Menschen selbst durch ihr Verhalten und Handeln Mitverursacher solcher Katastrophen sind. Wenn die Natur in ihrer Gesetzmäßigkeit nicht entsprechend respektiert wird, kann das negative Folgen für Menschen haben. Beispiele dafür gibt es letzter Zeit leider auch bei uns genügend, etwa bei Hochwasserkatastrophen, Erdrutschen, Lawinenabgängen. Will ich also einen Fingerzeig in diesen Ereignissen sehen, dann einen Fingerzeig der Natur in Hinblick auf das ökologische Verhalten des Menschen.

Daher ist es gut, wenn sich Menschen angesichts von Katastrophen auch Gedanken über den Sinn des Lebens, die Vergänglichkeit und die Möglichkeit eines plötzlichen Endes des Lebens machen und sich fragen, ob ihr Leben tatsächlich den moralischen Ansprüchen und sozialen Maßstäben gerecht wird. Erst recht sollen aber solche Ereignisse die Haltung des Mitleidens und der Solidarität mit den Betroffenen auslösen, damit jene Menschen, deren Leben schwer beschädigt worden ist, den Glauben an die Humanität und die Güte Gottes nicht verlieren.

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