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Unsere Pfarrkirche
Geschichtliche und künstlerische Entwicklung - Die Armenbibel von Wartberg ob der Aist zurück zur Pfarrgeschichte
Geschichtliche und künstlerische Entwicklung:
Die
Pfarrkirche
(Maria Himmelfahrt) ist ein nicht einheitlicher Bau von bemerkenswerter
Qualität. Der zweijochige
kreuzrippengewölbte Chor
mit 5/8-Schluß ist von bedeutender Höhenerstreckung mit lang
durchzogenen Diensten und lanzettförmigen schmalen Fenstern. An der südlichen Chorwand
befindet sich eine Sitznische mit zwei Kleeblattbogen, getragen
von einem Konsolstein in Büstenform, Anfang 14. Jahrhundert. Die Kapelle nördlich
vom Chor um 1370 mit Kreuzrippengewölbe, der Jochbogen von gleicher
Form wie in der Friedhofskapelle von St. Peter bei Freistadt und im südlichen
Seitenschiff der Pfarrkirche in Freistadt. Ehemalige Gruftkapelle hl.
Kreuz der Zwingenstein, Scherffenberg und Hoheneck auf Hagenberg. Gleichzeitig wohl der Turm
mit Keildach. Dieser steht im
Nordostjoch des bemerkenswerten Langhauses. Errichtet nach den Zerstörungen in den
Hussitenkriegen 1422 und böhmischen Grenzkriegen 1468. Dreischiffige,
vierjochige Halle, netzrippengewölbt mit Verwendung von gekrümmten
Rippenstücken (Weihe 1508).
Bemerkenswert ist die West-
und Nordempore, jene auf neun Stützen, siebenachsig und zweijochig
und in der Mitte zurückschwingend. Diese ragt frei aus der Nordwand
vor. Pfeiler der Empore zum Teil mit Kerbschnitten verziert, die Rippen
in der Mitte gespalten. Die Brüstungsfelder mit Blendmaßwerk besetzt;
die Leibungen, Rippenstege und Kragsteine in der Art der Holzbautechnik
geschmückt (vergleiche Kefermarkter Altar - Verkündigungsrelief, Schloß
Freistadt, Unterweißenbach, Rainbach usw.). Reiches, spätgotisches Westtor
mit vorgeblendetem Fischblasenmaßwerk im Bogenfeld, Spätgotische Maßwerkfenster.
Gleichzeitig das Sakramentshäuschen
im Chor mit bemerkenswertem Fuß und Relief Schweißtuch der hl.
Veronika. Gotische Steinkanzel.
Neugotische Einrichtung,
guter Hauptaltar. In der nördlichen Kapelle
Grabstein der Schießenberger mit Familienwappen. Über der Sakristeitür
Stein des Hans von Landau 1575 mit Auferstehungsrelief, weiters
Christina von Landau Ende 16. Jahrhundert, Georg Haim von Reichenstein
1583, Margarete Haim von Reichenstein 1602. Zwei Glocken von
1320 und Glocke von Hans Rohrer in Linz 1671, zum Teil mit Reliefs. Die „Armenbibel“ von Wartberg ob der Aist In den
Zwanziger-Jahren des
15. Jahrhunderts wurde die Pfarrkirche von Wartberg ob der Aist
von den Hussiten verwüstet, in den Sechziger-Jahren des gleichen
Jahrhunderts kam sie in den böhmischen Grenzkriegen nochmals Schaden.
Beim Wiederaufbau, der sich bis 1508 (Neukonsekration) hinzog, entstand
vermutlich an der Nordwand des Presbyteriums auch
ein Fresko: eine „Armenbibel“. Damals versuchte man, einfachen
Leuten, welche nicht lesen konnten, Glaubenswahrheiten mit Hilfe leicht
verständlicher Bilder klarzumachen. Vielleicht wurde dieses
Fresko in der Reformationszeit wieder übertüncht. Zwei Wartberger
Pfarrer waren damals protestantisch und damit gegen die
Heiligenverehrung. Vielleicht wurde das Fresko aber auch erst um 1721 überdeckt,
als Pfarrer Blasius Millechner die ganze Kirche ausweißen ließ. Im
Zuge einer Renovierung 1962/63 wurde das Fresko wieder freigelegt -
teilweise. Ansätze unter der ersten sichtbaren Bildreihe lassen
vermuten, dass noch weitere Darstellungen unter dem Verputz verborgen
sind. Da die Wartberger
„Armenbibel“ vom Kirchenschiff aus sehr schlecht sichtbar ist, fand
sie bis jetzt kaum Beachtung. So weit festgestellt werden konnte, wurde
sie noch niemals beschrieben; selbst das ausgezeichnete Buch „Das Mühlviertel“
von Benno Ulm weiß nichts davon. Das Fresko zeigt
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unregelmäßige Bildfelder, die durch breite rotbraune Striche
voneinander getrennt sind. (Die Striche wurden nach der Freilegung
nachgezogen.) Die Grenzen der Felder sind nicht streng eingehalten;
immer wieder greift ein Bild über in das Nachbarbild, wodurch die ganze
Darstellung an Dramatik gewinnt. Gekrönt werden die Bildfelder von
einem sechs- oder achteckigen Turm, der aus der obersten Reihe herauswächst.
Die Art der Darstellung erinnert an Meister der Spätgotik und der
Donauschule. Mit Hilfe eines
hochempfindlichen Films und eines 240-mm-Teleobjektivs gelang es, von
den bereits arg verblassten Bildern etwas mehr zu erkennen. Unterste Reihe: Feld 1 der
untersten
Reihe blieb unklar. Feld 2 zeigt Jesus und die
schlafenden Jünger auf dem Ölberg; 3: Judaskuss; 4: Jesus vor dem
Hohenpriester Kaiphas; 5:
Dornenkrönung in einer für die Wende des 15. zum 16. Jahrhundert
charakteristischen Art: zwei Schergen drücken mit gekreuzten Stöcken
die Dornenkrone nieder. 6: Geißelung (hier hat der
Künstler die biblische Reihenfolge: zuerst Geißelung, dann Dornenkrönung,
umgekehrt), 7: drei nicht
identifizierbare Gestalten. Zweite Reihe:
Feld 1: drei Heilige, ganz
links vielleicht der hl. Wolfgang, jedenfalls ein Bischof.
Feld 2: Kreuztragung";
vermutlich nach Mt 27,32 Simon von Kyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.
Der schräge Kreuzesbalken stößt weiter in Feld 3: Kreuzigung. Unter
dem Kreuz links Maria, in deren Brust ein Schwert steckt. Hier hat der Künstler
die Prophezeiung des alten Simeon (Dein Herz wird ein Schwert
durchbohren) bei Lk 2,35 hart realisiert. Rechts Johannes, an dem die überlange
rechte Hand auffällt. Der Gekreuzigte ist mit eigenartig verrenkten Händen
dargestellt (Geschichtlich belegbar ist, dass die von den Römern in Palästina
eingesetzten syrischen Legionäre sich einen rohen Spaß daraus machten,
Juden mit möglichst verrenkten Gliedern zu kreuzigen.) Aus Feld 3 ragt eine Leiter
in Feld 4 hinein: Kreuzabnahme und Beweinung Christi. Drei Gestalten
beugen sich über den Toten, während eine vierte (Magdalena?) den
herunterhängenden Arm Jesu umklammert. Feld 5: das Grab Christi; 6: das leere Grab oder die
Auferstehung; 7: (vermutlich) der
Auferstandene erscheint dem hl. Thomas. Dem Apostel Thomas wurde 1508 in
Wartberg ein Seitenaltar In Zusammenhang mit dem „Leib Christi"
geweiht. Oberste Reihe: Feld
1: Mann mit Fahne, vielleicht der hl. Leopold, dessen Verehrung für die
in Frage kommende Zeit in Wartberg bezeugt ist. 2:
Christophorus; 3:
Veronika mit dem Schweißtuch (Parallele auf dem zur gleichen Zeit
entstandenen Sakramentshäuschen an der Nordostecke des Presbyteriums). 4
und 6 haben rein architektonischen Charakter. Sie verbinden den Turm mit
der Bildreihe und umrahmen Bild 5, das größer ist als alle anderen und
wahrscheinlich eine Darstellung der Himmelfahrt Marias (Patrozinium vom
Wartberg) enthielt. Feld
7 zeigt eine nicht identifizierbare Heilige, Feld
8 wahrscheinlich zwei männliche Heilige und Feld
9 einen Bischof, an dessen Gewand noch blaue Farbspuren erkennbar sind. Für die nicht erkennbaren
Heiligen kommen am ehesten solche in Frage, die in der Chronik als
Altarpatrone genannt sind: Sebastian, Leopold, die Vierzehn Nothelfer
und Magdalena. Text
nach Hans-Erich Ruß
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