Pfarre Wartberg ob der Aist

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  Besuche seit 6.6.2005

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Unsere Pfarrkirche

    

 

 

 Geschichtliche und künstlerische Entwicklung - Die Armenbibel von Wartberg ob der Aist


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Geschichtliche und künstlerische Entwicklung:

 

Die Pfarrkirche (Maria Himmelfahrt) ist ein nicht einheitlicher Bau von bemerkenswerter Qualität.

Der zweijochige kreuzrippengewölbte Chor mit 5/8-Schluß ist von bedeutender Höhenerstreckung mit lang durchzogenen Diensten und lanzettförmigen schmalen Fenstern.

An der südlichen Chorwand befindet sich eine Sitznische mit zwei Kleeblattbogen, getragen von einem Konsolstein in Büstenform, Anfang 14. Jahrhundert.

Die Kapelle nördlich vom Chor um 1370 mit Kreuzrippengewölbe, der Jochbogen von gleicher Form wie in der Friedhofskapelle von St. Peter bei Freistadt und im südlichen Seitenschiff der Pfarrkirche in Freistadt. Ehemalige Gruftkapelle hl. Kreuz der Zwingenstein, Scherffenberg und Hoheneck auf Hagenberg.

Gleichzeitig wohl der Turm mit Keildach.

Dieser steht im Nordostjoch des bemerkenswerten Langhauses. Errichtet nach den Zerstörungen in den Hussitenkriegen 1422 und böhmischen Grenzkriegen 1468. Dreischiffige, vierjochige Halle, netzrippengewölbt mit Verwendung von gekrümmten Rippenstücken (Weihe 1508).

Bemerkenswert ist die West- und Nordempore, jene auf neun Stützen, siebenachsig und zweijochig und in der Mitte zurückschwingend. Diese ragt frei aus der Nordwand vor. Pfeiler der Empore zum Teil mit Kerbschnitten verziert, die Rippen in der Mitte gespalten. Die Brüstungsfelder mit Blendmaßwerk besetzt; die Leibungen, Rippenstege und Kragsteine in der Art der Holzbautechnik geschmückt (vergleiche Kefermarkter Altar - Verkündigungsrelief, Schloß Freistadt, Unterweißenbach, Rainbach usw.).

Reiches, spätgotisches Westtor mit vorgeblendetem Fischblasenmaßwerk im Bogenfeld, das verstäbte Südtor mit Kragsturz.

Spätgotische Maßwerkfenster.

Gleichzeitig das Sakramentshäuschen im Chor mit bemerkenswertem Fuß und Relief Schweißtuch der hl. Veronika.

Gotische Steinkanzel.

Neugotische Einrichtung, guter Hauptaltar.

In der nördlichen Kapelle Grabstein der Schießenberger mit Familienwappen.

Über der Sakristeitür Stein des Hans von Landau 1575 mit Auferstehungsrelief, weiters Christina von Landau Ende 16. Jahrhundert, Georg Haim von Reichenstein 1583, Margarete Haim von Reichenstein 1602.

Zwei Glocken von 1320 und Glocke von Hans Rohrer in Linz 1671, zum Teil mit Reliefs.

  Text nach Benno Ulm aus dem Buch: Das Mühlviertel

 



Die „Armenbibel“ von Wartberg ob der Aist

 

In den Zwanziger-Jahren des 15. Jahrhunderts wurde die Pfarrkirche von Wartberg ob der Aist von den Hussiten verwüstet, in den Sechziger-Jahren  des gleichen Jahrhunderts kam sie in den böhmischen Grenzkriegen nochmals Schaden. Beim Wiederaufbau, der sich bis 1508 (Neukonsekration) hinzog, entstand vermutlich an der Nordwand des Presbyteriums auch ein Fresko: eine „Armenbibel“. Damals versuchte man, einfachen Leuten, welche nicht lesen konnten, Glaubenswahrheiten mit Hilfe leicht verständlicher Bilder klarzumachen.

Vielleicht wurde dieses Fresko in der Reformationszeit wieder übertüncht. Zwei Wartberger Pfarrer waren damals protestantisch und damit gegen die Heiligenverehrung. Vielleicht wurde das Fresko aber auch erst um 1721 überdeckt, als Pfarrer Blasius Millechner die ganze Kirche ausweißen ließ. Im Zuge einer Renovierung 1962/63 wurde das Fresko wieder freigelegt - teilweise. Ansätze unter der ersten sichtbaren Bildreihe lassen vermuten, dass noch weitere Darstellungen unter dem Verputz verborgen sind.

Da die Wartberger „Armenbibel“ vom Kirchenschiff aus sehr schlecht sichtbar ist, fand sie bis jetzt kaum Beachtung. So weit festgestellt werden konnte, wurde sie noch niemals beschrieben; selbst das ausgezeichnete Buch „Das Mühlviertel“ von Benno Ulm weiß nichts davon.

Das Fresko zeigt 23 unregelmäßige Bildfelder, die durch breite rotbraune Striche voneinander getrennt sind. (Die Striche wurden nach der Freilegung nachgezogen.) Die Grenzen der Felder sind nicht streng eingehalten; immer wieder greift ein Bild über in das Nachbarbild, wodurch die ganze Darstellung an Dramatik gewinnt. Gekrönt werden die Bildfelder von einem sechs- oder achteckigen Turm, der aus der obersten Reihe herauswächst. Die Art der Darstellung erinnert an Meister der Spätgotik und der Donauschule.

Mit Hilfe eines hochempfindlichen Films und eines 240-mm-Teleobjektivs gelang es, von den bereits arg verblassten Bildern etwas mehr zu erkennen.

Unterste Reihe: 

Feld 1 der untersten Reihe blieb unklar.

Feld 2 zeigt Jesus und die schlafenden Jünger auf dem Ölberg;

3: Judaskuss;

4: Jesus vor dem Hohenpriester Kaiphas;

5: Dornenkrönung in einer für die Wende des 15. zum 16. Jahrhundert charakteristischen Art: zwei Schergen drücken mit gekreuzten Stöcken die Dornenkrone nieder.

6: Geißelung (hier hat der Künstler die biblische Reihenfolge: zuerst Geißelung, dann Dornenkrönung, umgekehrt),

7: drei nicht identifizierbare Gestalten.

   

Zweite Reihe:

Feld 1: drei Heilige, ganz links vielleicht der hl. Wolfgang, jedenfalls ein Bischof. 

Feld 2: Kreuztragung"; vermutlich nach Mt 27,32 Simon von Kyrene hilft Jesus das Kreuz tragen. Der schräge Kreuzesbalken stößt weiter in Feld 3: Kreuzigung. Unter dem Kreuz links Maria, in deren Brust ein Schwert steckt. Hier hat der Künstler die Prophezeiung des alten Simeon (Dein Herz wird ein Schwert durchbohren) bei Lk 2,35 hart realisiert. Rechts Johannes, an dem die überlange rechte Hand auffällt. Der Gekreuzigte ist mit eigenartig verrenkten Händen dargestellt (Geschichtlich belegbar ist, dass die von den Römern in Palästina eingesetzten syrischen Legionäre sich einen rohen Spaß daraus machten, Juden mit möglichst verrenkten Gliedern zu kreuzigen.)

Aus Feld 3 ragt eine Leiter in Feld 4 hinein: Kreuzabnahme und Beweinung Christi. Drei Gestalten beugen sich über den Toten, während eine vierte (Magdalena?) den herunterhängenden Arm Jesu umklammert.

Feld 5: das Grab Christi;

6: das leere Grab oder die Auferstehung;

7: (vermutlich) der Auferstandene erscheint dem hl. Thomas. Dem Apostel Thomas wurde 1508 in Wartberg ein Seitenaltar In Zusammenhang mit dem „Leib Christi" geweiht.

 

Oberste Reihe

Feld 1: Mann mit Fahne, vielleicht der hl. Leopold, dessen Verehrung für die in Frage kommende Zeit in Wartberg bezeugt ist.

2: Christophorus;

3: Veronika mit dem Schweißtuch (Parallele auf dem zur gleichen Zeit entstandenen Sakramentshäuschen an der Nordostecke des Presbyteriums).

4 und 6 haben rein architektonischen Charakter. Sie verbinden den Turm mit der Bildreihe und umrahmen Bild 5, das größer ist als alle anderen und wahrscheinlich eine Darstellung der Himmelfahrt Marias (Patrozinium vom Wartberg) enthielt.

Feld 7 zeigt eine nicht identifizierbare Heilige,

Feld 8 wahrscheinlich zwei männliche Heilige und

Feld 9 einen Bischof, an dessen Gewand noch blaue Farbspuren erkennbar sind.

Für die nicht erkennbaren Heiligen kommen am ehesten solche in Frage, die in der Chronik als Altarpatrone genannt sind: Sebastian, Leopold, die Vierzehn Nothelfer und Magdalena.

Text nach Hans-Erich Ruß

 

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