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Das Wort zum 22. Sonntag im Jahreskreis

Die kritischen Worte über das Verhalten von Gästen und Gastgebern, die wir heute im Evangelium hören, spricht Jesus ausgerechnet in einer Situation, in der er selbst zu Gast ist. Bei einem Festmahl, zu dem man eingeladen ist, die anderen Gäste und sogar den Gastgeber öffentlich zu kritisieren, ist schon gewöhnungsbedürftig. Jesus macht es zwar nicht auf direkte Weise, sondern durch Gleichnisse, aber es wird trotzdem klar, dass er die Verhaltensweisen bei jenem Mahl durchwegs kritisch sieht.

Worum geht es ihm? Nun, meist ist es in unserer Welt ja so, dass die beklatscht und beachtet werden, die sich in den Vordergrund drängen. Wer sich bescheiden im Hintergrund hält, wird meistens übersehen. Nur in sehr krassen Fällen ist es anders: Wenn sich jemand übertrieben in den Vordergrund drängt, wird es so peinlich, dass man ihn zu missachten beginnt. Und wenn jemand große Selbstlosigkeit lebt, wie etwa Mutter Theresa, wird ihm gerade deshalb große Beachtung geschenkt. Aber normalerweise ist es wie gesagt eher umgekehrt.

Oft aber ist es so, dass gerade das, was auf den ersten Blick paradox wirkt, eine tiefe Wahrheit in sich birgt: Die Beachtung, die jemandem geschenkt wird, sagt oft nichts aus über den Wert dessen, was jemand tut. Diejenigen, die sich in den Vordergrund drängen, die sich groß machen und einflussreiche Freunde um sich zu scharen versuchen, haben nur sich selbst im Blick. Sie tragen nichts zum Wohlergehen anderer bei – abgesehen vielleicht von einem kurzen, oberflächlichen Unterhaltungswert.

Die Zusage Jesu, dass einmal alles vergolten wird, ist immer wieder missbraucht worden. Menschen wurden mit diesen Worten auf den Himmel vertröstet und davon abgehalten, sich gegen Unrecht aufzulehnen. Aber dafür waren die Worte Jesu bestimmt nicht gemeint. Denn wer von dieser Gerechtigkeit spricht, wird bei sich selbst anfangen müssen. Viele Menschen rufen heute nach Gerechtigkeit, und sie meinen damit, dass andere ihr Handeln ändern müssen. Man kann aber nicht Gerechtigkeit verlangen und selbst ungerecht handeln. Darum ist der Glaube daran, dass jeder sich einmal vor Gott verantworten wird müssen, nicht nur eine Hoffnung für später, sondern eine verändernde Kraft, die schon in unsere Welt etwas von der kommenden Gerechtigkeit bringt. Jene, die diese Hoffnung missbrauchen, werden dafür auch einmal Rechenschaft ablegen müssen.

Franz Zeiger, Pfarrer

 

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Bildnachweis: Grafikwerkstatt Hand & Maus – Diana Kohne

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