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Entstehung
und Entwicklung der Wallfahrt in Kirchdorf am Inn[1]
Schon
im 12. Jahrhundert (1170) deutet der Name auf ein vorhandenes Kirchlein. Die
jetzige Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, im gotischen Stil 1484-1489 erbaut,
jetzt mit barocker Ausstattung, ist eine alte Wallfahrtskirche. Von
einem blühenden religiösen Leben zeugt eine Rosenkranzbruderschaft aus dem
Jahr 1550 und ihr angeschlossen der Gebetsverein "Ewiges Urwerk selig zu sterben und ewig zu leben". Der
Churbairische Kalender berichtet 1755: "Allda
ruhet ein wundertätig Muttergottesbildnis, wohin die Leuth sonderliche Andacht
und Vertrauen tragen, auch vielfältig Hülff und Vorbitt bey Gott durch
augenscheinliche Miracul erfahren haben und noch heutigen Tags erlangen." Kirchdorf,
bis dahin Filiale von Obernberg, wurde 1758 auf Betreiben des Schlossherrn von
Katzenberg, Graf Quido von Taufkirchen, selbständige Seelsorgsstelle und 1782
(Josef II.) zur Pfarre erhoben. Kaiser Josef II.
verbot jedoch die Wallfahrt! Ein
neues Aufleben der Wallfahrt erfolgte jedoch in diesem Jahrhundert. Der Grund
hiefür: Am 18. November 1900 geschah hier ein Ereignis, das an ein Wunder
grenzt: die plötzliche Heilung der Stallbauertochter Aloisia
Aigner (geb. 1863). Von der Kirche wurde dies zwar nicht als übernatürliches
Wunder anerkannt, aber das gläubige Volk hat als Dank für dieses Ereignis ein
Jahr später die Lourdes-Kapelle erbaut. Aus Anlass dieser Heilung ist anfangs
dieses Jahrhunderts die Wallfahrt nach Kirchdorf sehr beziehungsweise wieder
belebt worden. Die
Rosenkranzbruderschaft ist zwar eingegangen, dafür wurde aber 1899 die
Herz-Jesu-Bruderschaft gegründet - in Kirchdorf "Herz-Jesu-Ehrenwache"
genannt, weil sich ihre Mitglieder verpflichten, täglich eine Stunde
geistliche Wache vor dem Herrn zu halten. Diese Vereinigung etablierte sich
somit zum Träger des religiösen Lebens, nachdem schon vorher die
Herz-Jesu-Verehrung hier eingeführt war, denn die Pfarre wurde bereits 1875
feierlich dem Göttlichen Herzen geweiht. Seit 1903 wird das Herz-Jesu-Fest hier
mit einer feierlichen Nachmittagsprozession begangen, bei der sich bis heute
noch bis zu 500 Gläubige beteiligen. Früher kamen schon am Vortag bzw.
Vormittag viele Wallfahrer hierher, denn Kirchdorf war der Sitz der
Erzbruderschaft vom Göttlichen Herzen Jesu, die z. B. im Jahre 1912 über 7000
Mitglieder zählte. Beachtenswert ist die Tatsache, dass diese Prozession seit
Menschengedenken kaum ausfallen musste - weder durch Krieg oder aus sonstigen Gründen,
wie Unwetter, Seuchen, Epidemien. Heute
bestehen noch jährlich die Dekanatsfrauenwallfahrt des Dekanates Altheim - an
einem in der zweiten Hälfte des Novembers gelegenen Sonntag - und am
Herz-Jesu-Fest, d. h. am darauffolgenden Sonntag, die große Wallfahrt des
Innviertels als Ausdruck der Herz-Jesu-Verehrung. Die geheilte Aloisia Aigner
war nämlich nicht nur eine Verehrerin der Mutter Gottes von Lourdes, sondern
auch eine große Herz-Jesu-Verehrerin. Aus ihrer Initiative heraus wurde hier
die Herz-Jesu-Bruderschaft (Herz-Jesu-Ehrenwache) gegründet und wurde die Feier
des Herz-Jesu-Festes so groß aufgezogen. Ab und zu kommen auch Wallfahrer per
Bus hierher, aber gewöhnlich auf der Rückfahrt von einer Wallfahrt. Auch der
in den letzten Jahren immer mehr aufkommende Radtourismus zieht viele Besucher
an. Damit scheint - wenn auch in aller Stille - dieses Kleinod des Innviertels
"Maria Lourdes in Kirchdorf am Inn" neuentdeckt zu werden. [1] Vergleiche dazu die Festschrift: "500 Jahre Kirche, 200 Jahre Pfarre - Festschrift Kirchdorf am Inn 1984", 35-36 sowie aus der Korrespondenz zwischen Dipl.Ing. Robert Fischer und Pfarrer Josef Werni vom 7.2.1977. |
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