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Lebensbild
der Aloisia Aigner[1]
Anlass
zum Bau der Wallfahrtskapelle "Maria Lourdes" durch Dombaumeister
Schlager war die wunderbare Heilung der seit acht Jahren schwer kranken 36-jährigen
Stallbauerntochter Aloisia Aigner am 18. November 1900. Sie wurde als eheliche
Tochter des Franz Aigner und seiner Frau Barbara geboren. Als Köchin beim
Grafen Crenneville zu Gmunden hat sie sich durch eine starke Verkühlung 1892
Blutbrechen zugezogen, sodass sie trotz aller ärztlichen Bemühungen keine
Besserung erfuhr und ihren guten Platz verlassen musste. Zu Hause wohnte sie bei
ihren Eltern (welche damals schon im Ausgedinge waren) und ihrem Bruder Eduard. Ungefähr
zwei Jahre nach ihrer Erkrankung stellten sich heftige Krämpfe ein, woran sie
einige Male beinahe gestorben wäre. Bei der Armut der Eltern und
Aussichtslosigkeit ihrer Krankheit holte man keinen Arzt mehr und behalf sich
mit allerlei Hausmitteln. Oftmals konnte sie keine feste Nahrung zu sich nehmen
und ernährte sich von Milch. Sie wurde einige Male mit den Sterbesakramenten
versehen. Auf einmal fing sie wie durch eine merkwürdige Eingebung an, künstliche
Blumen zu machen und Lourdes-Grotten zu fertigen. Ihr Vater schenkte ihr einmal
eine kleine Statue unserer Lieben Frau von Lourdes, worüber sie sich außerordentliche
freute. Es kam dann neuerlich zu einer Verschlechterung ihrer Krankheit. Der
rechte Lungenflügel - von wo das Blut kam - war schwer angeschlagen und nach
und nach stellte sich auf der rechten Seite eine Lähmung ein. An der rechten Rückseite
standen ihr drei Rippen einen guten Zoll vor und an der Brustseite rechts hatte
sie eine Vertiefung. So vergingen die Jahre im Siechtum und die Krankheit hatte
schon fast keine Hoffnung auf Genesung. Man versuchte es auch mit der
Kneipp-Methode, aber es war alles umsonst. Am
15.1.1900 besuchten sie die Ärzte Dr. Spechtenhauser aus Schärding und Dr.
Eglseer aus Obernberg. Beide stellten nach einer Untersuchung fest, dass hier
ein dreifaches, unheilbares Leiden vorhanden wäre. Dann sagte sie, wenn sie
nach Lourdes reisen könnte, würde sie sicher wieder gesund werden. Der
damalige
Pfarrer von Kirchdorf, Michael Raaber, hat sich sogar angetragen die Reisekosten
zu übernehmen. Aber bei ihrem Gesundheitszustand konnte man sie nicht einmal
zur nächsten Bahnstation bringen. Dann
wurde auch ihre Mutter schwer krank, die dann am 15. November um Mitternacht
starb. An diesem Tag hatte Aloisia wieder sehr viel Blut erbrochen und dann fiel
sie in Ohnmacht und blieb drei Tage so liegen; man glaubte, sie werde auch
sterben. Auf einmal fing sie an mit einer fremden, glockenhellen Stimme zu
sprechen, als ob sie mit jemanden ein Zwiegespräch hätte. Sie streckte beide Hände
nach oben aus und rief aus: "Meine
lahmen Glieder sind geheilt durch die heiligen Herzen Jesu und Maria; ganz
genesen kann ich nicht, um Gott noch mehr zu dienen und zu verherrlichen." Als
man sie fragte, wer ihr das alles gesagt habe, zeigte sie mit dem ausgestreckten
rechten Arm und der Hand, welche zuvor noch gelähmt war, auf ein Bild der
Ehrenwache des heiligsten Herzens Jesu. Bald
darauf kam sie wieder zu sich, begehrte zu essen und ging im Zimmer auf und ab.
Dann verlangte sie nach dem Herrn Pfarrer. Und als er bald darauf kam, erzählte
sie, was sie geschaut hatte und was mit ihr geschehen war.[2]
Sie
glaubte und war fest überzeugt, sie sei mit der Bahn nach Lourdes gereist. Es
war ein großer Pilgerzug und viele Bekannte waren dabei. Ihr körperlicher
Schmerz war auf der Hinfahrt sehr groß und sie wünschte nur ganz schnell nach
Lourdes zu kommen. Dort angekommen trug man sie zu einem
"Wasserteich" (wie sie es nannte). Immer wieder kamen seltsame
Gestalten mit teuflischen Zügen auf sie zu und wollten sie wegdrängen. Da
erblickte sie in der Grotte die Liebe Frau im weißen Gewand, blauer Schleife
ohne Schleier, in wunderbarer Anmut und Lieblichkeit. Maria kommt auf sie zu,
nimmt sie bei beiden Händen und lässt sie langsam in das Wasser gleiten.
Dann wird sie wieder herausgehoben, wobei die Muttergottes sagte: "Spreche
mir die Worte nach: 'Meine lahmen Glieder sind geheilt durch die heiligen Herzen
Jesu und Maria; ganz genesen kann ich nicht, um Gott noch mehr zu dienen und zu
verherrlichen'". Sie fühlte sich danach gesund und geheilt. Sie sieht auch
eine lange Reihe von Körben mit Rosenkränzen gefüllt, welche die Gottesmutter
austeilt. Dann wird das Te Deum gesungen und alle gehen zur Bahn und treten die
Heimreise an. Das
alles erzählte sie Herrn Pfarrer Raaber, und als dieser einige Fragen stellt,
ist sie sehr erstaunt und wieso er das fragen könne, er wäre ja ohnehin dabei
gewesen und hätte alles gesehen und gehört. Herr
Pfarrer Raaber überzeugte sich auch von der Heilung: Die herausstehenden Rippen
waren verschwunden und sie konnte den rechten Arm wieder bewegen und musste
auch kein Blut mehr erbrechen. Auch den vollen Körper hatte sie wieder, obwohl
sie vorher sehr stark abgemagert war. Des weiteren konnte sie auch die Stationen
ihrer Reise nennen: Lourdes, Tarbes, Perrache, Toulouse, Sagens, Buchs, Genf, Zürich,
Bern, Feldkirch, Innsbruck und Rosenheim. Umso erstaunlicher war dies, da
Aloisia Aigner nie etwas über die Reisetour nach Lourdes gelesen und gehört
oder darüber mit jemand gesprochen hatte. Nach
dieser Erzählung wollte sie aufstehen und ihre Strümpfe anziehen, sie passten
ihr nicht mehr, sie waren zu klein. Auch Dr. Eglseer von Obernberg war gekommen
und hatte sie untersucht. Er musste die Heilung in Gegenwart vieler Personen
bestätigen. Diese
freudige Botschaft verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der ganzen Umgebung und
es kamen viele Leute, um sich von der Wahrheit zu überzeugen. Auf das hin nämlich
strömten die Gläubigen von weit und breit herbei, um unsere Liebe Frau von
Lourdes zu verehren, aber auch um die Geheilte zu sehen. Es
wird auch berichtet, dass anfangs des Jahrhunderts viele Wallfahrer in Kirchdorf
Hilfe erfleht haben. Viele sind gekommen, beladen mit Kummer, Sorgen und
Krankheit. Viele sind gesund geworden, das bezeugen Motivtafeln und Bilder, welche
aus Dankbarkeit gestiftet wurden sowie Krücken und Kreuze an der Außenmauer
der Lourdes-Kapelle. Schwer
Gehbehinderte haben hier ihre Krücken zurückgelassen, weil sie geheilt
heimkehren konnten. Als Beispiel für viele "Wunder und Heilungen" sei
hier ein Fall angeführt, der Eingang in die Literatur gefunden hat. Mag. Otto
Winkler berichtet in seiner Diplomarbeit: "Bischof Timotheos, Alois
Stumpfl" auf Seite 4: "Mit fünf Jahren war er (Loisl) fast erblindet.
Ein noch erhaltener Engel aus Porzellan trägt die Inschrift 'Andenken von
Kirchdorf 1905'. Es wird überliefert, dass Anna Stumpfl (die Mutter) mit Loisl
dorthin eine Wallfahrt machte und er wieder sehend geworden wäre." (Gespräch
mit Eleonore Dutz am 25.10.1976) Es
existieren handschriftliche Aufzeichnungen von diesem wunderbaren Geschehen und
Unterschriften von Leuten, welche damals in Kirchdorf gelebt haben, die
bezeugen, dass alles Wahrheit ist und keine Hysterie, wie dann auch zu behaupten
versucht wurde. Visionen,
welche Aloisia Aigner vorausgesagt hatte, trafen ein, etwa: -
1. Weltkrieg: Es komme eine ernste, bittere Zeit für die ganze Christenheit.
Dabei sprach sie auch von großen schwarzen Vögeln, welche von Westen kommen.
Damit meinte sie die Flugzeuge im 2. Weltkrieg. -
Auch Todesfälle hatte sie vorausgesagt: Sie sehe ein offenes, doppeltes Grab,
rechts vom Grab des Pfarrers Raaber - tatsächlich ist ein Ehepaar am selben Tag
gestorben. Aloisia
Aigner fristete ihr Leben von nun an mit Handarbeiten - vor allem mit
Anfertigung von Lourdesgrotten und Kunstblumen. Sie starb am 22. Februar 1918 an
Wassersucht mit 54 Jahren. Eine
Augenzeugin berichtet: Als sie starb war ihr Körper durch das Wasser
aufgedunsen. Auf dem Totenbette ist sie immer schmäler geworden, aber es gab
keine Wasserabsonderungen. Weiters
wurde berichtet, dass beim Begräbnis Gebäck ausgegeben wurde - trotz Hunderter
von Menschen bekamen alle etwas zu essen. Durch
die Krankheit des späteren Pfarrers Bachböck und den Kriegswirren ist die
ganze Sache etwas in Vergessenheit geraten. [1] Vergleiche dazu Manuskript von Frau M. Auer 1991, 1-3. [2] Der folgende Abschnitt bezieht sich im Wesentlichen auf eine Kurzfassung aus der Broschüre, die Kaufmann Reischauer 1901 herausgegeben hat und von Überlieferungen der Augenzeugen. |
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