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Faschingsansprache
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Bei den Gottesdiensten am Faschingsonntag wurde von Frau Ulrike Helm ein heiterer Rückblick auf unser Pfarrleben in Reimform vorgetragen. |
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FASCHINGSANSPRACHE 2008 Ich bin kein Dichter, das ist klar, doch das, was ich sage, ist alles wahr. Es ist nicht immer alles heiter, doch ich werde auch nicht gscheiter. Außerdem, ich muss mich richten nach den komischen Geschichten, die in der Pfarre so passieren, und den Faden dabei nicht verlieren. Damit grüß ich euch, ihr lieben Leute, und gute Unterhaltung heute. In unsrer Ebelsberger Pfarre ist viel geschehn die letzten Jahre. Der Pfarrer Bell musst ziehn von dannen, so manche Tränlein um ihn rannen, der neue Hirt von Pichling kam, auch da warn ihm die Leute gram. Ein neuer Pfarrer hier und dort zog manche Menschen leider fort. Der Kirche bald die Menschen fehlen, an vier Händen kann man zählen die Gläubigen in frühen Messen, haben die Leute Gott vergessen? Die Jugend ist nicht interessiert für das, was in der Pfarr passiert, sie wandeln nur auf ihren Wegen, und wer braucht da schon Gottes Segen? Wenn ich am Sonntag geh zur Kirchen, muss ich jedes Mal befürchten, dass wieder Plätze bleiben leer. Freut die Leut ´s Beten gar nicht mehr? Was ist schuld am Schwund der Frommen, wollen sie gar nicht wieder kommen? Ist ´s die Unpersönlichkeit, die prägt das Leben in unserer Zeit? 1 Das Grüßen ist schon unmodern, uncool – so sagt man heute gern. Auch damit könnte man gut werben, zumindest kann man nichts verderben. Wir lernten früher noch das Grüßen, was heut bei Kindern wir vermissen. Eine Nachbarin, die klärte mich auf, ihr kleines Mädchen pfeift darauf, es sei ja schließlich noch ein Kind, und frei erzogen wie Kinder sind, dürfe man sie zu nichts zwingen. Wie soll ihnen als Großer dann was gelingen? Was ist im letzten Jahr geschehn? Man muss nichts sagen, man kann ´s sehn! Der Pfarrsaal und die anderen Räume, und auch ein Baum – nicht viele Bäume sind weg und schon erwachsen Mauern. ´s wird sicher nicht mehr lange dauern, bis wieder Platz für manches Fest, wenn man uns nur feiern lässt. Bevor das Abreißen begann, fing alles mit dem Räumen an: In grauer Vorzeit, vor knapp 50 Jahren, die Leute nicht die Schlaueren waren. Sie bauten einen großen Saal und hatten keine andere Wahl, als die Bühne hochzuheben. Bald gab es da ein Innenleben. Ob Dekorationen und Kulissen, ob kirchliche Schätze, man konnt ´s nicht wissen, was dort unten war verborgen. Es machte sich auch niemand Sorgen, wo manche Gegenstände waren, die verschwunden in den Jahren. Da gab es alte Jungscharbänke, und schon zu Staub gewordene Schränke, 2 denen der Holzwurm zugesetzt hatte, es gab nicht ´mal mehr ´ne ganze Platte. Kriegsrelikte, Wimpel, Fahnen, und manche Dinge, die da mahnen, zu wahren und ehren alles Alte, auch im Gesicht die erste Falte! Vor Jahren das Regenwasser lief In den Kellerraum mit dem Archiv. Ob Bücher, Noten, Akten, Schriften man musste alles dann entgiften. Die Feuchtigkeit erzeugte Schimmel, die Blicke hoben sich gen Himmel, die Sauerei war riesengroß, doch fleißig legte man gleich los und brachte die kostbaren Papiere, damit man nicht allzu viel verliere, in einen trockenen Raum nach oben, da muss man Herta Hahn sehr loben. Regale waren bald gefüllt, die Arbeitswut war bald gestillt und Ordnung wieder hergestellt, und Ruhe herrscht in der Pfarrhofwelt. Ich nahm mich damals der Noten an, weil ich das am besten kann, und trocken legte ich sie gleich in einem anderen Bereich. Doch gar zu schnell verging die Zeit, man war zum Abriss bald bereit, den Akten die Noten machten Platz, die Arbeit war nicht für die Katz, zwölf Schachteln mit Noten im Stift jetzt sind, geordnet in Mappen, dass man alls find´t. Und auch in die Akten kehrt Ruhe ein, so schön kann pfarrliche Ordnung sein. Vor vielen Jahren schenkte man, dass man darauf auch spielen kann, 3 einen wertvollen alten Flügel der Pfarr. Ich sag euch Leute, es ist wahr, 115 Jahre alt ist das Instrument, der Fachmann den Markennamen nennt. Ein Bösendorfer Flügel aus Wien, ein polnischer Fachmann bracht´ ´s wieder hin, er putzte, belegte und stimmt´ das Juwel und steckte hinein seine ganze Seel. Wir waren noch beim Archivieren, da begannen die Männer zu demolieren den Pfarrsaalboden, Decke und Fenster, ich sah und dachte, ich seh Gespenster. Auf der halb entfernten Bühne stand das schwere Klavier beinahe am Rand ohne Schutz vor Staub und Dreck, ich bekam einen furchtbaren Schreck. Doch endlich fand man ein Quartier für dieses wertvolle Klavier. Und dann ging es erst richtig los, die Lärmbelästigung war groß, auch wackelte so manche Wand, dem Zahnarzt fiel fast aus der Hand der Bohrer, und der Marterstuhl der schwankte, da blieb niemand cool. Die Patienten und der Dokter, die nahmen ´s – Gott sei Dank – recht locker. Mit dem Helm, dem gelben stand der Pfarrer des öftern am Straßenrand. Er beobachtete genau den Abriss von dem alten Bau. Und als man endlich dann auch werkte, es auch der Nikolaus bemerkte, auf die Baustelle kam der heilige Mann, und bracht, was ein Maurer brauchen kann. Natürlich Bier! Das kann man sich denken, was könnte man da anderes schenken. 4 Der Derflinger Willi, der teilte sich ein, wenn der Bau beginnt, Rentner zu sein. Leben ohne Arbeit hat keinen Sinn, und was täte die Pfarre jetzt ohne ihn? Wahrscheinlich ist ihm immer fad, wenn er keine Beschäftigung hat. In jedem Ausschuss ist er drin, es zieht ihn immer zur Pfarre hin. Was ich jetzt gesagt, war überzogen, und ein klein wenig auch gelogen. Loben muss ich auch Herta Hahn, denn was diese Frau alles kann, ist unbezahlbar und grandios, sie hat wirklich sehr viel los, wenn mehr Leut so mitarbeiten, kann Kritzinger d´ Pfarr lange leiten. Ja, unser Pfarrer ist sehr interessiert an Geschichte und was früher passiert, er liest und hört gern von alter Zeit, alte Dinge und Fotos machen ihm Freud, doch auch ein neuer fescher Hut gefällt ihm, und er steht ihm gut. Wenn er gut drauf ist, pfeift er durchs Haus und vertreibt damit manch freche Maus. Eine nette Geschichte hab ich gelesen, sie ist sicher nicht wahr gewesen, doch passt sie auch ganz gut da her, denn unsere Kirch ist nicht immer leer. Wenn die Türen gehn zu, die Lichter aus, bleibt manchmal ein Gast im Kirchenhaus. Ihr werdet ´s nicht fassen, es ist kurios, was auf der Empore des Nachts ist los. Die Nachbarn haben eine Katz, die ist ein neugieriger Fratz und schleicht sich durch die Gitterstäbe hinauf, als ob sich’s dort gut lebe. 5 Das Frauchen sucht, sie schreit und klagt, was nützt das alles, sie ist verzagt. Wenn morgens die Kirch wird aufgemacht, das Kätzlein flieht, der Mesner lacht, das Tier läuft dorthin wo ´s zu Haus, denn in der Kirch gibt’s nicht mal ´ne Maus. Jetzt kommt die nette kleine Geschicht´, in der euch folgendes wird bericht´t: von einer Tierfreundin verfasst und gut hierher sie heute passt: Der Pfarrer hielt die schönste Predigt, und trotzdem schliefen manche ein! Da kam auf einmal in die Kirche des Pfarrers Katze auch herein. Sie ging ganz leise durch die Reihen und vorne setzte sie sich hin und schaut hinauf zu ihrem Pfarrer und hörte aufmerksam auf ihn. Da blickten alle auf die Katze! Die Letzten weckte man noch auf, damit sie sehen, wie die Katze zu ihrem Pfarrer schaut hinauf. „Ihr wundert euch", sagt nun der Pfarrer, „dass meine Katze kommt hierher, und dass sie aufmerkt auf die Predigt, da wundert ihr euch noch viel mehr! Sie kam herein. Ich will ´s euch sagen, und suchte sich hier einen Platz, weil sie gehört hat, dass ihr Pfarrer die Predigt hält – nur für die Katz!" Und eine lustige Geschicht ich euch jetzt noch schnell bericht. Zwei Knaben, beide jung an Jahren, doch ganz gescheite Burschen waren, überlegten, wo sie hergekommen, 6 sie hätten Manches schon vernommen. Der Martin sagt, die Mutter lehrte, dass Adam und Eva sich vermehrte, das war das erste Menschenpaar, von Gott erschaffen, das ist klar. Der Maxl ganz laut widersprach: Der Vater sagt, so ist die Sach: Der erste Mensch vom Affen stammt. Nun ist die Debatte gleich entflammt. Martin denkt nach und sagt dann froh: Der eine so, der andre so! Jetzt wünsch ich noch lustige Faschingstage, und legt meine Worte nicht auf die Waage!
Ulrike Helm Fasching 2008 |