Karl-Rammer 2: Weitere Projekte in Nicaragua
Bei der
Eröffnung des Karl-Rammer-Zentrums in Condega am 22. Juli 2004,
zeichnete sich schon ab, dass dieses erfolgreiche Infrastrukturprojekt
eine gute Grundlage für weitere Entwicklungsarbeit in der Partnerstadt
Condega darstellt.
Ganz im Sinne Padre Carlitos (Karl Rammers) wollen wir uns weiterhin
besonders den marginalisierten Schichten der Bevölkerung zuwenden: den
Straßenkindern; den vielen (lern-)hungrigen Schülern
aus armen Familien, die sich den Schulbesuch kaum leisten können;
initiativen und engagierten (aber oft arbeitslosen) Frauen und
Jugendlichen. Bei der Ansfeldner Condega-Konferenz am 16. Oktober 2004
mit Projektkoordinator Dr. Elmer Zelaya aus Nicaragua wurde die Planung
eines dementsprechenden Gesamtprojekts in Angriff genommen:
Karl-Rammer 2 - Promoción Humana. Hintergrundinformationen dazu
siehe weiter unten.
Besonders
viel Unterstützung erfuhr im Jahr 2004 das Projekt
Schulfrühstück für Straßenkinder in Nicaragua. 20 Schulen und
eine Reihe von Einzelpersonen konnten 11.085 Euro für dieses hilfreiche
Schulprojekt aufbringen, das in der Partnerstadt Condega ca. 800 Kindern
ein tägliches Schulfrühstück ermöglicht. Ein wertvoller Beitrag zur
Ernährungssicherheit und ein wichtiger Anreiz zum regelmäßigen
Schulbesuch. Danke allen UnterstützerInnen! Auch 2005 wird dieses
Schulprojekt fortgeführt. Bitte um weitere Unterstützung! Erlagschein
liegt bei.
Auch das kleine Altersheim in Waslala im Regenwald Nicaraguas
kann 2005 weiter unterstüzt werden (laufende Betreuungskosten,
Medikamente). Übrigens: Herzliche Grüße an alle von unserer "Außenstelle
in Zentralamerika", der Familie Günter und Orlinda Pilz. Zur Zeit –
Ferienzeit in Südamerika! - pflegen sie gerade in ihrer ersten bzw.
zweiten Heimat Waslala wertvolle Kontake und betreuen diverse Projekte
(Altersheim, Radio Waslala, Gedächtnispark Carlos Fonseca). Auch in
ihrem derzeitigen Stützpunkt, in Guatemala City, wo sie zur Zeit leben
und arbeiten, veranstalteten sie rund um den 19. Juli eine
Nicaragua-Woche - während unsere Ansfeldner Delegation bei der
‚richtigen’ 25.Jahres-Feier in Managua-City mit ca. 300.000 Menschen aus
Nicaragua und der ganzen Welt die sandinistische Revolution und ihre
durch internationalen Neoliberalismus und Liberalismus (PLC) in
Nicaragua bedrohten Errungenschaften, wie z. B. Alphabetisierung, Zugang
zu Schulen für alle, gesundes Trinkwasser, medizinische Basisversorgung,
mit gehöriger (Neo)aufbruchsstimmung feierte. Auf dem Rückweg von
Guatemala City nach Waslala konnte eine kleine Abordnung aus dem
Regenwaldstädtchen übrigens auch unser gerade in Condega feierndes und
arbeitendes Nicaraguakomitee treffen. Eine weitere Begegnung rund um das
eben eröffnete Karl-Rammer-Begegnungszentrum!
Karl Rammer 2: Promoción Humana de los sectores mas
desfavorecidos de Condega
Karl Rammer 2: Förderung einer menschenwürdigen Lebenswelt
für die am meisten benachteiligten Sektoren der Bevölkerung Condegas
(Kinder, Jugendliche, Frauen)
Projekthintergrund und Einbettung
Anlässlich der Eröffnungsfeier des Begegnungszentrums „Karl Rammer“
im Juli 2004 kam es zu intensiven persönlichen Kontakten zwischen
mehreren österreichischen Solidaritäts-gruppen, die die Kleinstadt
Condega im Norden Nicaraguas unterstützen (Nicaraguagruppe Aschach –
Condega, Nicaragua-BrigadistInnen Wien, Nicaraguakomitee Ansfelden). Wir
stellten fest, dass es die selben Ideen waren, die uns in der Arbeit
geleitet haben:
· Förderung besonders benachteiligter Gruppen wie Kinder, Frauen,
Bauern, Bäuerinnen,...
· Hilfe zur Selbsthilfe
Der Einsatz des oberösterreichischen Theologen und Priesters Karl
Rammer, der in den 80er Jahren in Condega Entwicklungsarbeit im
Wasserleitungsbau leistete, sodass er in der lokalen Bevölkerung als
Padre Carlito geschätzt wurde, galt immer den Ärmsten und am meisten
Benachteiligten. Wir entschlossen uns, in Fortführung der bewährten
Ansätze und in Erinnerung an Karl Rammer unsere Kräfte und Ideen in
einem Projekt mit dem Schwerpunkt Kinder, Jugend, Erwachsenen-Bildung
und Frauenförderung zu bündeln, um dadurch die möglichen Synergien zu
nutzen und damit die Breiten- und Tiefenwirkung der Entwicklungsarbeit
in Condega zu verbessern (gemeinsame Koordinierungsstelle und –tätigkeit,
Vernetzung und Querverbindung der einzelnen Projekte, mittelfristige
Planung über mehrere Jahre ...).
Zentrum und Ausgangspunkt des Gesamtprojekts ist das
Begegnungszentrum „Karl Rammer“. Die Infrastruktur diese Zentrums ist
bereits voll gegeben (Karl Rammer 1: Infrastruktur). Die kollektive
Erinnerung an Karl Rammer im Bewusstsein vieler Nicaragua-AktivistInnen
in Oberösterreich sowie in Condega, die Teilhabe an seiner Vision von
einer gerechteren Welt und der gemeinsame Einsatz für die
Marginalisierten und Schwächsten der Gesellschaft sind quasi der
(gemeinsame) Geist des Kofinanzierungsprojekts. Deshalb auch der Titel
‚Karl Rammer 2: parte humana’.
Durch das Kofinanzierungsprojekt wird die soziale Begegnungs- und
Entwicklungsfunktion des Zentrums konkretisiert. Das „Karl Rammer
Zentrum“ ist das Kommunikationszentrum für die Entwicklungsprojekte, die
den benachteiligten Bevölkerungsgruppen zugute kommen: Straßenkinder,
Schulkinder aus ärmeren Familien, arbeitslose Jugendliche, Frauen,
Campesinas/os. Zusätzlich werden im „Karl Rammer Zentrum“ eine
Funkanlage (zur Verbindung mit den abgelegenen Teilen Condegas in
Notfällen) und ein Computerraum zur Informatikausbildung für Jugendliche
und Frauen eingerichtet.
Das Gesamtprojekt fördert und verbessert die Menschenrechtssituation und
die Möglichkeiten eines menschenwürdigen Lebens in der Partnerstadt,
wobei auch die Aspekte Gender (Frauenförderung) und Umwelt (Ecofogones,
Solarenergie) besonders berücksichtigt werden.
Zielgruppe und Projektpartner
Projektpartner: Stadtgemeinde Condega
Zielgruppe: die am meisten benachteiligten Sektoren der
Bevölkerung Condegas: Straßenkinder, Schulkinder aus ärmeren Familien,
arbeitslose Jugendliche, Frauen, (Klein-)Bauern und Bäuerinnen
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Alles
hat eigentlich am 1sten Dezember letzten Jahres angefangen, als ich
ungewöhnlicherweise für einen Sonntag früh aufgestanden bin….. Im
Gymnasium, wo ich als Französischassistentin arbeitete, wurden nämlich
an diesem Tag eine Hausmesse und verschiedene Aktivitäten organisiert,
um Geld für Nicaragua zu sammeln. Bei dieser Gelegenheit hat Elmer
Zelaya, Projektkoordinator in Nicaragua, die Schule besucht, und ich
habe ihn kennen gelernt. Im Lauf des Jahres ist der Gedanke an eine
Reise nach Nicaragua immer präsenter in meinem Denken geworden. Ich habe
mich aber spät entschieden, und endlich im April bei Elmer Zelaya
angemeldet. Der hat aber meinen Aufenthalt sehr schnell und gut
organisiert, und es ist auch noch genug Zeit geblieben, um
Spanischunterricht zu nehmen und mich rechtzeitig impfen zu lassen…
Ich bin also am 10ten Juli nach Managua geflogen. Ich habe die erste und
die zweite Woche mit zwei verschiedenen österreichischen Delegationen
verbracht, mit der von Salzburg und von Ansfelden, die sich zufällig und
glücklicherweise zu dieser Zeit auch in Nicaragua befunden haben. Mit
diesen Gruppen habe ich im Land viele Projekte besucht und Tourismus
gemacht, so viel hätte ich allein nicht organisieren können. Die 5
anderen Wochen bin ich in Condega (Kleinstadt im Norden Nicaraguas)
geblieben. Dort habe ich bei einer wunderbaren Frau gewohnt, die sich
gefreut hat, mich zu Hause zu haben. Sie hat sich um mich wie eine
Großmutter gekümmert, und war immer gut gelaunt.

Am Tag habe ich meistens meine Zeit im Sozialzentrum INPRHU (INstituto
de PRomoción HUmana) verbracht. Dort kann jedes Kind der Stadt die ganze
Zeit an Aktivitäten teilnehmen, so wie Zeichnen, Musik spielen,
Handarbeit machen, Nachhilfe bekommen, tanzen, oder einfach diskutieren.
Ich habe am Anfang ein bisschen Angst gehabt, dass ich keine Hilfe
bringen könnten, weil ich mich gar nicht für meine Rolle vorbereitet
hatte, und besonders weil ich nicht viel Vertrauen in mein Spanisch
hatte. Alles war aber eigentlich ganz natürlich: die Kinder sind so
neugierig und lachen einfach über irgendwas, meine Anwesenheit und meine
geringen Spanischkenntnisse sind genug gewesen, damit wir zusammen Spaß
haben. Ich habe den Kindern nur gelernt, wie man Freundschaftsbänder
macht und ihnen mit Englischunterricht geholfen, und so konnte ich mich
in die Gruppe integrieren.
Außer den Leuten, die dort als Angestellten sind (ungefähr 12
Personen: LehrerInnen, Sekretäre, Putzfrau…), zählt die Mannschaft vom
INPRHU auch einige freiwillige Mitarbeiter. Das Ziel besteht darin, dass
die Kinder eine sinnvolle Beschäftigung finden, anstatt in der Strasse
herumzubummeln, wo sie sich verschiedenen Gefahren aussetzen. Am
Wochenende wurden auch zum Beispiel sportliche Wettkämpfe organisiert.
Das INPRHU empfängt auch Frauen, mit Näh- und Kochunterricht. Die
Aktivitäten des INPRHU betreffen nicht nur die Kinder und Frauen der
Stadt, sondern auch die, die in der Umgebung wohnen: viele Bauerndörfer
hängen von der Gemeinde Condega ab, und die verschiedenen Lehrer des
Sozialzentrums begeben sich regelmäßig in diese Gemeinschaften, wo sie
jede Woche von vielen Kindern ungeduldig erwartet werden. Da kein
besonderes Lokal in diesen kleinen Dörfern existiert, um die Aktivitäten
zu beherbergen, versammeln sich die Leuten manchmal in einer Schule,
aber meistens einfach bei einer Familie. Das INPRHU organisiert auch
Diskussions- und Informationstreffen für Kinder, Frauen oder Eltern, wo
Themen besprochen werden, zum Beispiel über Sexualität, Verhütung,
Kinder- oder Frauenrechte, Kindererziehung usw… Sie verfügen auch über
Schulmaterial, das sie den Familien verteilen, die es brauchen.
Ein INPRHU findet man in mehreren Städten Nicaraguas, und diese
Zentren bekommen Geld von der Regierung, aber die wichtigste
Unterstützung kommt aus internationaler Hilfe. Im INPRHU von Condega
befindet sich auch das Büro der Angestellten, die für ein von der EU
finanziertes Ökologieprojekt arbeiten: Wiederaufforstung, Förderung der
Diversifizierung der Kulturen, unverzinsliche Darlehen für die Bauern.
Landwirtschaftingenieure informieren und beraten die Campesinos.
Ich war überrascht davon, wie viele Projekte in Nicaragua
stattfinden, aber auch davon, wie abhängig das Land leider von der
internationalen Unterstützung ist. Solche Leute, die ich im INPRHU zum
Beispiel kennen gelernt habe, haben viele Ideen, und verbringen dafür
viel Zeit, um ihre Arbeit bestens zu machen: den Ehrgeiz der Kinder zu
beeinflussen, und so vielleicht ihre Zukunft zu verbessern. Leider
wirken die Motivation und die Energie weniger ohne Geld.
Diese Erfahrung ist wunderbar gewesen, und die gute Laune und die
Herzlichkeit der NicaraguanerInnen haben mich motiviert, ihnen auch noch
einige Zeit hier in Österreich zu widmen.
Lilas Gallimard
Studentin, Französischassistentin in Linz |