Dorfentwicklungsprojekt Condega – positive Zwischenbilanz 2007
  
Mit dem folgenden Überblick möchten wir uns bei der Stadtgemeinde Ansfelden sowie bei unseren zahlreichen UnterstützerInnen für ihre Beiträge zu  vielen sinnvollen und gut funktionierenden Entwicklungsprojekten in unserer Partnerstadt Condega herzlich bedanken. Durch diese treue Unterstützung ist es einem so kleinen Komitee wie dem unsrigen möglich, eine ganze Reihe hilfreicher Projekte durchzuführen, die in Nicaragua unzähligen Menschen und besonders Kindern ein besseres oder doch zumindest ein einigermaßen menschenwürdiges Leben  ermöglichen.
 
Das Dorfentwicklungsprojekt Condega ist ein Großprojekt, das von 2005 bis 2008 läuft. Es wird aus staatlichen EZA-Geldern mitfinanziert und vom Wiener Brigadeverein, der Nicaraguagruppe Aschach und dem Ansfeldner Nicaraguakomitee getragen. Dieses „Gesamtkunstwerk“ gilt vor allem der Entwicklung der sozialen Randgruppen in Condega und Umgebung (Straßenkinder, arbeitslose Jugendliche, Landbevölkerung, Frauenförderung).
Erfreulich ist, dass viele von den Projektzielen schon verwirklicht werden konnten, obwohl das Gesamtprojekt noch ein gutes Jahr lang weiterläuft.
 
Die Detailinformationen von den einzelnen Teilprojekten lassen im Folgenden die Vielfalt der geförderten Bereiche sichtbar werden:
 
Karl-Rammer-Begegnungszentrum in Condega
Die Funkzentrale wurde fertiggestellt und verbindet das Zentrum von Condega nun mit 12 Außenstellen in den abgelegenen Dörfern der Umgebung, was besonders in Notfällen sehr nützlich ist.
Das Telecenter, ein Computerraum mit Internetzugang und Möglichkeit für internationale Telefonate, funktioniert ebenfalls seit Sommer 2006.
Ansonsten wird das Zentrum seiner Intention und der Erinnerung an Karl Rammer gemäß für die verschie-densten Zwecke der Gemeinschafts- und Solidaritäts-bildung genutzt: von der Lagerung der Nahrungsmittel für das Schulfrühstück bis zur feierlichen Begräbnisfeier der kürzlich in Nicaragua verstorbenen Wiener Nicaragua-aktivistin Leopoldine Hainz und natürlich für diverse Gemeindeversammlungen, kirchliche Zusammenkünfte, Fortbildungs-veranstaltungen und Treffen von NGOs.
 

Das Schulfrühstück für Straßenkinder erhalten jetzt schon 1200 Kinder in mehreren Schulen Condegas und seiner Umgebung. Neu ist der Versuch mit industriellen Saftpressen (großen Dampfentsaftern) die Früchte, die im Gebiet von Condega reichlich wachsen, zu Fruchtsäften für das Schulfrühstück und andere Zwecke zu verarbeiten. Um diese sinnvolle Neuentwicklung kümmert sich vor allem die engagierte Frauengruppe Sol Naciente aus Condega, die sich besonders der Verbreitung der Idee, des Baus und des Betriebs von Solarkochern verschrieben haben, eine Initiative, die wir auch unterstützen. 
 
 
Ein weiteres Ökologieprojekt hat auch schon gute Fortschritte gemacht: 20 von den 40 projektierten Ecofogones (ökologische Kochstellen) wurden im Dorf San Jeronimo schon fertiggestellt. Durch diese Feuerstellen mit Rauchabzug und verbesserter Verbrennung des Holzes kann zugleich Brennholz gespart und das Problem der Rauchentwicklung in den Hütten gelöst werden, das vor allem für die Kleinkinder ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko darstellte. Das neue Modell der ökologischen Kochstellen stößt auf soviel Interesse bei der ländlichen Bevölkerung, dass sich zusätzlich zu den 40 durch das Projekt finanzierten Ecofogones zahlreiche weitere Familien für den Bau ihres eigenen Ecofogons entschieden haben.

 
 
In der Frauentischlerei Maria Talavera der Baufrauen Condegas  finden plangemäß alle Kurse für Mädchen in untypischen Frauenberufen statt (Tischlerei, Elektrobau, Schweißerei, Grundlagen des Bauwesens). Ein Problem ist weiterhin der für junge Frauen besonders angespannte Arbeitsmarkt. Etwas Abhilfe können die Gemeinde Condega durch die Vergabe öffentlicher Aufträge an die zukünftigen Baufrauen schaffen und auch im Bau des Projekts La Fraternidad bekamen die Kursteilnehmerinnen schon einen Auftrag.
 
 
Der erste Teil des neuen Integrationszentrums für Straßenkinder La Fraternidad, ein Großprojekt des Wiener Brigadistenvereins, das auch vom Nicaraguakomitee Ansfelden unterstützt wird, konnte Anfang August 2006 feierlich eröffnet werden. Mehrere Gruppenräume (Aulas) und ein geräumiger Gang sind schon fertiggestellt und wurden von den Kindern und ihren BetreuerInnen mit viel Freude und vor allem spielerisch „in Besitz genommen“. Diese Räumlichkeiten dienen aber auch für Nachhilfekurse und verschiedene Workshops (Tanz, Zeichnen, Schreiben, Basteln, Bau von Pinatas usw.). In der Presse und auch im nicaraguanischen Fernsehen wurde aus diesem Anlass die österreichische Solidaritätsbewegung mit viel Lob und Dank bedacht, besonders auch für das Projekt Schulfrühstück für Straßenkinder.
 
 
Im Kulturzentrum Casa de cultura, das übrigens auch ein Museum zur Urgeschichte der Töpferstadt Condega mit einer Ausstellung von antiken Töpfereikunstwerken beherbergt, fanden  diverse gut besuchte Kurse in Musik, Tanz und Malerei statt. Außerdem wurde ein modernes Theaterstück zum Thema Wasser erarbeitet (zu den Themen Ökologie des Wassers, sinnvoller und sparsamer Umgang mit diesem kostbaren Gut), das vor einem interessierten Publikum aufgeführt wurde.
 
Im INPRHU (Integrationszentrum für Menschenrechte und Menschenwürde) fanden mehrere Kurse zum  Thema Gewalt in der Familie und sexueller Missbrauch statt. Das INPRHU bietet auch Fortbildungskurse für die Bevölkerung in den umliegenden Dörfern an und hat vier Fußballteams aus gefährdeten arbeitslosen Jugendlichen gebildet, die sportliche Aktivitäten mit Ausflügen und dem Erwerb von Faktenwissen über Condega und seine Geschichte und Geographie verbinden.
 
Für das Labor in der Sekundarschule Instituto Julio Cesar Castillo Ubau wurden ein Ganzkörperskelett, ein Kopfskelett, vier Wandtafeln für Biologie und  Laborgeräte für physikalische und chemische Experimente angeschafft. Für Kinder aus armen Familien finanzieren wir außerdem das nötige Schulmaterial (Hefte, Bleistifte usw.).
 
Altenheim Casa de Solidaridad in Waslala
Im Jahr 2006 konnte der Neubau des Altenheimes abgeschlossen werden. Die neuen Einrichtungen werden bereits seit Juni 2006 genutzt und von den alten Menschen sehr positiv angenommen. Ab dem 2. Halbjahr 2006 konnte das Personal aufgestockt werden. Für 2007 sind die Anstellung einer permanenten Krankenschwester sowie die Ausweitung des Gemüseanbaus und der Kleintierhaltung geplant. Das Projekt Casa de Solidaridad in Waslala, das wir schon mehrmals unterstützt haben (Beitrag zu Neubau, Unterstützung für die laufenden Kosten) wird von Nicaraguanet.org betrieben und vom früheren Entwicklungshelfer Günter Pilz und seiner Frau Orlinda Gonzales koordiniert (www.nicaraguanet.org).
 
Die meisten dieser Projekte stimmen mit den Milleniumszielen der internationalen Entwicklungspolitik überein (z. B. Armutsbekämpfung und Förderung von Kindern,
Ökologie und Umweltschutz, Frauenförderung). Eine hohe Übereinstimmung besteht auch mit den nicaraguanischen Entwicklungszielen, wo nach der Wiedererlangung der politischen Macht durch die sandinistische FSLN im November 2006 Armutsbekämpfung und besonders Ernährungssicherheit zu vorrangigen Zielen erklärt wurden.
 
Diese Entwicklungen lassen hoffen, dass sich in den nächsten Jahren nicht nur die Situation in unserer Partnerstadt Condega sondern die soziale Lage  im gesamten Gebiet Nicaraguas - nach Jahren der Verarmung weiter Bevölkerungskreise unter der neoliberalen Privatisierungspolitik - wieder verbessern wird.
  

Nicaraguakomitee Ansfelden


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