Mit dem
Aschermittwoch endet der Fasching und beginnt die vorösterliche Bußzeit, auch Fastenzeit
genannt. Das Symbol der Asche steht für die Vergänglichkeit menschlichen
Daseins sowie für deren reinigende
Wirkung.
Der seit dem zehnten Jahrhundert
praktizierte Ritus, Asche auf den Kopf zu streuen, ist ein Zeichen der
Buße und der Reinigung.
Die Idee der Buße und der Umkehr stehen an diesem Tag besonders
im Vordergrund. Die 40-tägige Periode wird als Buß- und
Reinigungszeitraum, im Hinblick auf die kommende Auferstehung des Herrn, verstanden.
Fasten im religiösen Sinn ist freilich nicht eine besondere Diätform,
sondern freiwillige Nahrungsreduktion mit dem Ziel, sich aufs
Wesentliche im Leben konzentrieren zu können. Durch das Fasten sollen
Kräfte frei gesetzt werden, die im normalen Lauf des Alltags gebunden
sind. |
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Geschichtliches
Aufzeichnungen
zufolge soll es bereits im 2. Jahrhundert ein zweitägiges Trauerfasten
von damaligen Christen gegeben haben. Dieses Fasten wurde im 3.
Jahrhundert auf die Karwoche ausgedehnt und im 4. Jahrhundert auf die 40-tägige
Fastenzeit.
Als biblisches Vorbild gilt die vierzigtägige Gebets- und Fastenzeit, die
Jesus nach der Taufe im Jordan praktizierte.
Die Zahl 40 ist in der Bibel eine
Symbolzahl und bezeichnet eine Phase der Vorbereitung auf besondere
Ereignisse oder der Begegnung mit Gott: 40 Jahre wanderten die Israeliten
durch die Wüste, 40 Tage und Nächte regnete es während der Sintflut, 40
Tage und Nächte fastete Jesus in der Wüste.
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Ein anderes Element der
Fastenzeit war in den ersten Jahrhunderten die öffentliche Buße. Erst im
8. Jahrhundert wurde das öffentliche Bekenntnis der Sünden von der
privaten Beichte vor dem Priester abgelöst. Bei der öffentlichen Buße
bekannten Menschen, die schwere Vergehen begangen hatten (Mord,
Ehebruch,...), diese in der Fastenzeit vor dem Bischof. Danach wurden
diese Personen mit Asche bestreut, sie wurden aus der Glaubensgemeinschaft
kurzzeitig ausgeschlossen. Für diese Zeit mussten sie ein besonderes
Gewand anlegen und durften sich nicht waschen. Am Gründonnerstag wurden
sie wieder in die Gottesgemeinschaft aufgenommen und durften am
Gottesdienst teilnehmen. |
Die Fastenzeit
wird von vielen Menschen als Zeit der Besinnung und inneren Reinigung
benutzt. Fasten als Minimierung der Nahrungsmittel und der Verzicht auf
Genussmittel, aber auch Fasten in Form von Exerzitienseminaren oder
anderen meditativen Angeboten, sind heute bei vielen gefragt.
Als Vorbereitung auf das Osterfest ist es empfohlen, das Bußsakrament zu
empfangen, um auch seelisch gereinigt das Osterfest zu feiern.
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Biblische Gedanken zum Fasten
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Aus
dem Heiligen Evangelium nach Matthäus,
9,14-17
Die Frage nach dem Fasten
Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sagten:
Warum fasten deine Jünger nicht, während wir und die Pharisäer fasten?
Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange
der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen
der Bräutigam genommen sein; dann werden sie fasten. Niemand setzt ein
Stück neuen Stoff auf ein altes Kleid; denn der neue Stoff reißt doch
wieder ab, und es entsteht ein noch größerer Riss. Auch füllt man nicht
neuen Wein in alte Schläuche. Sonst reißen die Schläuche, der Wein läuft
aus, und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuen Wein füllt man in neue
Schläuche, dann bleibt beides erhalten.
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Warum fasten deine Jünger nicht?“ |
Mit der oben genannten Frage, so
erzählt der Evangelist Matthäus, sind die Jünger des Johannes an Jesus
herangetreten. Sie selbst nämlich und auch die Pharisäer halten sehr wohl
ein Fasten, mindestens an zwei Tagen in der Woche. Dabei geht es ihnen nicht
in erster Linie um das Sammeln von religiösen Verdiensten, sondern ihre
Absicht ist vielmehr, ihre religiöse Überzeugung ganz bewusst zu leben, um
damit Gott zu ehren. Bei den Jüngern des Johannes kommt natürlich noch das
Beispiel ihres Meisters hinzu; von ihm erzählt die Bibel, dass er ein sehr
asketisches Leben geführt, sich von ,,Heuschrecken und wildem Honig“ (Mt
3,4) ernährt hat und höchst anspruchslos bekleidet war (Mt 11,7-10).
Umso auffälliger ist es, dass von
Jesus offenbar keine Anstöße für eine derartige Praxis ausgehen. Ihm sagt
man vielmehr nach: ,,Mit Zöllnern und Sündern isst er.“ (Mt 9,11; Lk 15,2).
Was antwortet Jesus darauf? ,,Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern
die Kranken“ (Mt 9,12), und weiter: ,,Können die Hochzeitsgäste trauern,
solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ (Mt 9,15). Jesus sagt aber auch,
dass dieser Zustand nicht so bleibt, sondern dass vielmehr eine Zeit kommt,
da werden auch seine Jünger fasten, weil der ,,Bräutigam ihnen genommen ist“
(V. 16).
In dieser Bibelstelle sind (bereits)
zwei verschiedene Arten von Fasten belegt:
Fasten als Zuwendung zu Gott.
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Ein Fasten, das zum religiösen Leben
gehört und in der Regel deshalb geübt wird, damit man sich als Gläubige/r an
einem bestimmten Tag oder auch eine längere Zeit hindurch in besonderer
Weise Gott zuwendet und sich dabei auf den Sinn des Lebens besinnt. Die
selbst auferlegte Enthaltsamkeit soll die Hinwendung zu Gott ausdrücken
und fördern. Geschieht diese Übung in Gemeinschaft und zu festgesetzter
Zeit, so drückt sie zugleich die Einheit im religiösen Bekenntnis aus. Das
Ausmaß des Fastens ist in der Regel so gewählt, dass es möglichst viele
erfüllen können. Gerade die so genannten abrahamitischen Religionen
(Judentum, Christentum und Islam) haben eine große
Fastentradition. Weithin bekannt ist der Fastenmonat Ramadan der Muslime.
Zugleich gibt es in diesen Religionen auch Gruppen, welche für sich die
allgemeine Praxis noch verschärfen (im Evangelium sind es die
Johannesjünger und die Pharisäer) und bei einzelnen Gruppen ein Fasten
aus besonderem religiösem Eifer, der ganz unterschiedlich sein kann. Nur
die Mitglieder der Gruppe folgen dieser Praxis, die Allgemeinheit hat
eine andere (nicht so strenge) Regel, denn sie soll doch von möglichst
vielen eingehalten werden können. Diese Art des Fastens aus religiösen
Motiven wird deshalb geübt, damit sich die/der Gläubige grundsätzlich
auf Gott besinnt, ihr/se Leben bedenkt und die religiöse Zugehörigkeit
bekräftigt. |
Fasten im Trauerfall
Die zweite Art ist das Fasten bei
einem Trauerfall. Auch das ist eine weit verbreitete religiöse Haltung.
Anläßlich des Ablebens eines Angehörigen erinnern sich die Angehörigen
selbst an die Vergänglichkeit des Lebens und verzichten auf grundlegende
Lebensvollzüge. Dasselbe gilt auch bei nationalen Katastrophen: Die
Erinnerung an diese wird durch ein Fasten wach gehalten. Im Judentum sind
das z. B. die Erinnerung an die Zerstörung des Tempels oder an die
drohende Vernichtung, welche im Buch Ester beschrieben wird. Gerade die
Prophetenbücher des Alten Testamentes, welche nach der Zeit der
babylonischen Gefangenschaft entstanden sind, kennen eine Reihe solcher
Fasttage zur Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems. Doch es gibt auch eine
Verheißung Gottes, dass sich die „Trauertage einmal in frohe Festtage
verwandeln werden“ (vgl. Sach 8,18-1), wenn Israel wieder hergestellt wird.
Bittfasten
Dieses Fasten soll Gebete und Bitten
an Gott unterstützen, sei es zur Abwendung einer persönlichen oder auch
einer gemeinschaftlichen Notlage.
So fastet z. B. David, damit sein
Kind nicht sterbe (2 Sam 12,16), es fasten die Bewohner von Ninive, damit
Gottes Gericht nicht komme, wie der Prophet Jona verkündet hat (Jona 3,5)
und es fasten die Israeliten, die mit dem Priester Esra in die Heimat
zurückkehren wollen, damit die Reise gut verlaufe (Esra 8,21). Im Neuen
Testament sagt Jesus, dass eine gewisse Art von Dämonen nur durch Beten und
Fasten ausgetrieben werden kann (Mt 17,21).
Das Bittfasten kann sich häufig auf Vergebung von Schuld beziehen.
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In diesem Fall verwendet man auch den
Ausdruck: ,,die Seele beugen, ,,sich demütigen“. Insbesondere gilt das für
den großen Versöhnungstag, der für den 10. Tag des 7. Monats vorgeschrieben
ist und der als hoher Feiertag gilt (vgl. Lev 16,29; 23,26-32; Num 29,7-11).
Auch heute noch ist der Jom Kippur der strengste Fasttag der Juden. Um
Vergebung der Untreue des Volkes hat auch Mose den Herrn gebeten und dabei
40 Tage gefastet (vgl. Dtn 9,18). Jahwe aber erhörte sein Gebet, genauso wie
er später auch das Bußgebet des Daniel erhört, das dieser ,,unter Fasten in
Sack und Asche“ Gott darbringt.
Fasten als (Fest-)Vorbereitung
Das berühmteste Beispiel ist wohl
Jesus selbst, der unmittelbar vor seinem Auftreten 40 Tage fastend in der
Wüste verbringt (vgl. Mt 4). Auch dem Volk Israel ist Enthaltsamkeit geboten
in den Tagen vor der Offenbarung Gottes am Berg Sinai (Ex 19,15) und Mose
isst und trinkt nichts in der Zeit, da er von Gott die Worte des Bundes
empfängt (Ex 34,28). Ebenso verhält sich der Prophet Elija, als er zum
Gottesbcrg geht, um Gott gleichsam persönlich über die schlimmen Zustände im
Land zu informieren (1 Kön 19,8f). Auch im Neuen Testament wird erzählt,
dass die Vorsteher der Gemeinde fasten und beten, bevor sie Barnabas und
Saulus aussenden zur Mission (Apg 13,3).
Wie geht Fasten?
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Man enthält sich jeglicher Speise,
trinkt nicht und ist sexuell enthaltsam. Dieses Fasten ist nicht mit dem
unseren vergleichbar, denn ein gänzlicher Verzicht auf Speise und Trank und
sonstiger Genüsse ist im Christentum (anders als im Judentum und im Islam)
nicht die Regel. Die neue Fastenordnung der österreichischen Bischöfe,
welche im Geiste des Konzils 1967 herausgegeben wurde, sagt grundsätzlich:
,,Zur Erinnerung an Tod und Begräbnis des Herrn sind alle Katholiken
verpflichtet, am Freitag als Bußübung einen Verzicht auf sich zu nehmen. Die
Art des Verzichts kann jedoch selbst gewählt werden. Darüber hinaus ist die
Enthaltung von Fleischspeisen bei nur einmaliger Sättigung am Tag für den
Aschermittwoch und den Karfreitag geboten. |
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Eine solches Fasten ist nach
biblisch-jüdischer Verständnis nicht als Fasten im eigentlichen Sinn
verstehbar, denn die Enthaltung von bestimmten Speisen fällt im Judentum
unter die Bestimmungen der Speisegesetze. Diese regeln im einzelnen, was man
essen darf und was nicht (vgl. Lev 11 und Dtn 14), haben aber mit Fasten
nichts zu tun. Wer diesen Unterschied kennt, kann die biblischen Texte
besser verstehen. |
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Prof. Dr. Franz Hubmann
Kath. Theol. Universität Linz
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