Horizont 3000: Im Norden wohnt das Geld, im Süden wohnen die Menschen. Das ist kein Horrorszenario sondern eine Überschrift aus einer Broschüre der größten österreichischen Entwicklungshilfeorganisation. Dieser Satz bringt die aktuelle Globalisierungsdebatte auf den Punkt. Die Frage stellt sich, wie wir die zwei Teile wieder zusammenbringen.
Oder Karin Küblböck, Vorsitzende der globalisierungskritischen Organisation ATTAC: Unsere Gesellschaft ist grundsätzlich noch nie so reich, der Reichtum aber noch nie so schlecht verteilt gewesen wie jetzt.
Noch schärfer wird das Auseinanderdriften unserer Welt(en) von Intellektuellen der 'Dritten Welt' analysiert. Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff: Jüngere Untersuchungen belegen, dass die heute weltweit aufeinander eingespielte Akkumulation alle zwei Tage dieselbe Zahl an Menschenopfern fordert wie Hiroshima und Nagasaki zusammen. Der Fortschritt ist immens, aber zutiefst unmenschlich. Im Mittelpunkt stehen weder die Menschen noch die Völker mit ihren Bedürfnissen und Wünschen, sondern Ware und Markt, denen sich alles unterzuordnen hat.
Die Geschöpfe, die in diesem Zusammenhang am meisten bedroht sind, sind nicht die Wale, sondern die Armen, die zum vorzeitigen Tod verdammt sind. Statistiken der UNO weisen aus, dass in der Welt fünfzehn Millionen Kinder an Hunger und Hungerkrankheiten sterben, ehe sie fünf Tage alt werden; 150 Millionen sind unterernährt, und 800 Millionen Menschen hungern ständig. (L. Boff: Unser Haus, die Erde)
Aktuelle Beispiele einer negativen Globalisierung aus Nicaragua sind z. B. die rasante Zerstörung des Regenwalds (seit 1950 wurden 65% zerstört!) oder die sozial schwer verträgliche Erhöhung der Wasserpreise in der Folge neoliberaler Privatisierungen. Ähnliches kann uns bald auch in Europa ins Haus stehen: die zur Zeit laufenden GATS-Verhandlungen zielen auf die Privatisierung - und damit verbunden oft eine Verschlechterung - sozialer/staatlicher Dienstleistungen ab. (Nähere Informationen: zu den Themen Globalisierung und Nicaragua)
Als positiver Effekt der Globalisierung ist die dringend notwendige Auseinandersetzung mit diesem Thema, bei dem es um die Zukunft unserer gesamten Welt geht, von Porto Alegre jetzt auch bis nach Ansfelden und Umgebung vorgedrungen. Seit Februar dieses Jahres findet im Betriebsseelsorgezentrum Nettingsdorf ein interessanter Diskussions- prozess statt, an dem ca. 20 Personen aus verschiedenen Bereichen und Gruppierungen (z. B. Nicaraguakomitee) teilnehmen. Endpunkt dieses spannenden Prozesses und zugleich Startschuss für weitere gemeinsame Aktivitäten könnte die Gründung eines Global-Sozialforums Ansfelden (und Umgebung) sein. Alle Interessierten, besonders aus den EZA-Gruppen in den Pfarren und Gemeinden, sind zur Teilnahme herzlich eingeladen. (Informationen und Kontakt: nicagruppe.ansf@mail.petrinum.ac.at ).
Die Veranstaltungen im Juni (siehe Termine) stehen auch im Zusammenhang des Globalisierungsthemas. Besonders einladen möchten wir alle Musik- und Lateinamerikafans zum Konzert am 27. Juni im ABC Ansfelden mit Jorge Villalón aus Chile/Kolumbien: Zärtlich dreht sich die Erde, Compañera!
Der Titel dieses Konzerts stammt von einem Buch des Nicaraguaners Omar Cabezas, das unser Freund und Gründer des Nicaraguakomitees während seines Aufenthalts damals in Nicaragua gelesen hat. Seiner gedenken wir besonders am 30. Juni in der Pfarre Ansfelden. Wobei wir uns die Frage stellen, ob Karl nicht der erste Globalisierungskritiker (bzw. positiver formuliert: Solidaritätsfreund) in unserer Gegend war, lange bevor diese Begriffe geprägt wurden und in Umlauf kamen.
Auch zur Mithilfe bei den konkreten Solidaritätsprojekten möchten wir wieder alle Interessierte einladen: Schulmaterialsammlung für die Kinder in Condega (wie jedes Jahr), neue Projektideen aus Waslala (Regenwaldgebiet im Osten Nicaraguas) von Günter und Orlinda Pilz.
Angesichts der fortschreitenden Globalisierung gilt ganz besonders: Solidarität
ist die Zärtlichkeit der Völker (Ernesto Cardenal).
|
zurück zum Seitenanfang zurück zur Nicaragua-Startseite zurück |
zurück zum Seitenanfang zurück zur Nicaragua-Startseite zurück