Aus der LKZ v. 25. 4. 2012: Geburtstagsfest des Mariendoms
Am 1. Mai 1862 – vor 150 Jahren – wurde der Grundstein für den Mariendom gelegt. Bischof Franz Joseph Rudigier wollte mit dem Dom der noch jungen Diözese Linz eine Mitte geben. Der Dom stellt eine in Stein gemauerte Interpretation des Dogmas der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria dar, das 1854 verkündet worden war. Am Sonntag, 29. April 2012 feiert die Diözese Linz das Jubiläum der Grundsteinlegung. Bei dem von Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz geleiteten Festgottesdienst singt der Domchor die von Anton Bruckner anlässlich der Einweihung der Votivkapelle komponierte e-Moll-Messe.
So., 29. April, 10 Uhr, Festgottesdienst. Anschließend Frühschoppen und ab 13 Uhr Angebote mit vielen Begegnungsmöglichkeiten und interessanten Einblicken in die bewegte Geschichte des Dombaus.
2. Lesung: 1 Joh 3,1-2
1 Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat:
Wir heißen Kinder Gottes,
und wir sind es.
Die Welt erkennt uns nicht,
weil sie ihn nicht erkannt hat.
Liebe Schwestern und Brüder,
jetzt sind wir Kinder Gottes.
Aber was wir sein werden,
ist noch nicht offenbar geworden.
Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden,
wenn er offenbar wird.
Dann werden wir ihn sehen, wie er ist.
Während es im Johannesevangelium um die Abgrenzung der jungen Christengemeinde vom Judentum geht, sind die Johannesbriefe geprägt von der Auseinandersetzung mit inneren Gegnern, mit Häretikern aus den eigenen Reihen. Der von einem anonymen Verfasser geschriebene erste Johannesbrief will den Gläubigen eine Diskussionshilfe an die Hand geben, wie sie mit den von der Gnosis beeinflussten Irrlehrern umgehen sollen. Das, was die bedrängte Gemeinde den Gegnern entgegen halten kann, ist die Rückbesinnung auf das eigene Fundament und die Vergewisserung, wirklich als „Kinder Gottes” zu leben.
Fundament für die Christen ist nicht eigene Leistung, sondern die Liebe Gottes, die uns vom Vater geschenkt ist. Kinder Gottes heißen und sein umfasst das Geschenk der Liebe des Vaters und die Antwort darauf durch das Einhalten der Gebote. Das bringt dann eine Abgrenzung zur „Welt” mit sich, die Gott nicht erkennt/erkennen will. Was die Gläubigen gegenwärtig sind, ist noch nicht das Letzte. Erst in der Zukunft wird die Nähe zu Gott ganz offenbar werden. Es geht hier um Ähnlichkeit Gott gegenüber, nicht um Vollkommenheit, wie es die Gnostiker beanspruchten. Christen strecken sich hoffend nach dem aus, was Gott für sie bereithält am Ende der Tage. Ihre Aufgabe bis dahin ist es, durch Taten der Liebe Gottes Liebe zu erwidern.
Angesichts einer verwirrenden Vielfalt religiöser Meinungen täte es auch heutigen Gemeinden gut, sich auf das Fundament des Glaubens zu besinnen und sich zu fragen, ob sie in ihrem Handeln noch als in der Nachfolge Christi stehend erkennbar sind. Von dort aus bestimmen sich Offenheit oder Geschlossenheit gegenüber Andersdenkenden.
(Maria Andrea Stratmann, Gottes Volk 4/2006, 77)