Führungswechsel beim Kath.Bildungswerk (KBW)

Interview des neuen KBW-Obmannes Gernot Hess mit dem scheidenden KBW-Obmann Sepp Bröderbauer

Sepp, zuerst einmal vielen Dank für die Gelegenheit, dass ich mit dir dieses Interview führen kann. Du bist jetzt über 17 Jahre Leiter des Kath. Bildungswerkes Altenfelden gewesen und hast dich nun entschlossen, die Verantwortung in jüngere Hände zu legen.

Was ist der Grund für diese Entscheidung ?
Der Hauptgrund für meine Entscheidung ist die Veränderung im Bereich Feuerwehr. Neben meiner Tätigkeit als Feuerwehrkommandant bin ich nun auch zum stellv. Abschnittskommandanten bestellt worden. D.h. für mich eine große Anzahl Termine und strukturelle Sitzungen, an welchen ich nun teilnehmen muss. Somit war für mich klar, dass ich in einem anderen Teilbereich Einschränkungen machen muss, und ich habe mich daher entschlossen, nach langen 17 Jahren KBW-Leitung, diesen Job zurückzulegen.

Nun, 17 Jahre ist wirklich eine lange Zeit. Wann hast du deinen ersten Kontakt zum KBW gehabt, wie bist du zum KBW gekommen ?
Der Kontakt zum KBW Altenfelden entstand 1989 aufgrund meiner Tätigkeit in der Medienstelle der Diözese Linz. Der damalige KBW Leiter Josef Meisinger hat mich angesprochen, einen Abend in Altenfelden zu veranstalten. Thema war damals „Faschismus + Holocoust – Zeitzeugen erzählen". Danach habe ich immer wieder Kinofilm-Abende in Altenfelden durchgeführt. 1992 wurde ich dann in den Pfarrgemeinderat gewählt und habe die Leitung des ildungsausschusses und somit auch die Leitung des KBWs Altenfelden übernommen. Das war mein aktiver Einstieg in die kirchliche Bildungsarbeit vor Ort.

Was hat dich bewogen, diesen Schritt zu machen ?
Die Motivation hatte ich damals auf zwei Ebenen. Wichtig war zum einen mein Zugang zu diesem Thema aufgrund meiner Tätigkeit in der Medienstelle der Diözese Linz. Auf der anderen Seite wollte ich die ehrenamtliche Tätigkeit im Bereich der Bildung, im speziellen der Bildung im Erwachsenenbereich vor Ort an der Pfarrbasis verstärken. 

Wie lange hast du geglaubt, wirst du dieses Amt machen ?
Nun, wir rechnen bei den Pfarrgemeinderäten ja immer in Perioden. Eine Periode dauert fünf Jahre. Ja, ich habe schon damit gerechnet, dass ich wohl zwei Perioden im Amt sein werde. Dass es nun nicht zehn, sondern 17 Jahre geworden sind, na ja, damit war eigentlich nicht zu rechnen.

Was waren die Beweggründe ?
Mein Ziel war es damals, den Bildungsausschuss des Pfarrgemeinderates zu einem KBW-Team vor Ort zu entwickeln. Dabei war mir die Veränderung in der Führungsstruktur sehr wichtig. Es war wohl auch das Zeichen der Zeit, einen Wechsel vom klassischen Führungsstil hin zu einer offenen Teamstruktur zu machen.
Diesen Weg bin ich damals in der Bildungsarbeit neu gegangen.

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Sepp Bröderbauer bei der Fest- ansprache anlässlich des 50- Jahr-Jubiläums des KBWs- Altenfelden am 11.Juni 2006

Wie siehst du die Entwicklung des KBW in den letzten Jahren ?
Die Bildungsarbeit im KBW hat sich über die Jahre verändert. Nehmen wir als Beispiel den Vortragsstil. Früher waren die Vortragsabende eher vom klassischen Stil geprägt. Das Thema wurde von einem Referenten als Referat präsentiert, danach bestand noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Heute erleben wir diese Abende anders. Im Vordergrund steht meist die Selbsterfahrung, die eigene Bewusstseinsbildung. Gruppendynamische Übungen und teilnehmerorientiertes Verhalten bilden den Rahmen für das Gelingen der Abende. Beste Beispiele hierfür waren z.B. der Ehevorbereitungskurs oder die Bibelausstellung.

An dieser Stelle komme ich nochmals auf den Führungsstil zurück. Die Teambildung stand im Vordergrund.

Im Rahmen der Teambildung wird mehr auf die Fähigkeiten und Talente der einzelnen Mitglieder Wert gelegt.

Die Arbeitsverteilung findet aufgrund einer gemeinsamen Beurteilung der Stärken und Schwächen der Mitglieder statt. Somit wird die Arbeit auf mehrere kompetente Hände verteilt und jedes Team-Mitglied hat sein selbständiges Arbeitsfeld. 

Ein weiterer Aspekt der letzten Jahre ist es leider, dass die kirchliche Bildungsarbeit nicht mehr die Massen anlockt. Dieser Trend ist nicht nur im kirchlichen Bereich, sondern auch im kulturellen Bereich erkennbar. Oft wurde ein tolles Thema angeboten, aber leider war die Teilnehmeranzahl sehr enttäuschend. Um diesem Trend entgegen zu wirken und trotz allem eine qualitativ hohe Bildungsarbeit anbieten zu können, wurden Netzwerke geschaffen. Bei uns vor Ort z.B. die Kooperation bzw. Zusammenarbeit mit dem Kulturausschuss der Gemeinde.

Was waren für dich die Highlights deiner Arbeit beim KBW ?
Ein wirklich persönliches Highlight für mich ist die Erkenntnis, dass wir in der Vergangenheit unseren Weg gegangen sind. Einen gemeinsamen, neuen Weg um entsprechende Projekt zu realisieren. Ein Beispiel hierfür ist die gemeinsame Bildungsarbeit mit dem Kulturausschuss beim Projekt „ Kultur + Natur im Kölparzerhof", Abende wie „ Tante Jolesch tanzt" mit „10 Saiten + 1 Bogen" oder der Chor „Die rauschenden Birken" . Tolle Aktionen waren auch die Podiumsdiskussionen „Leben und Wohnen in Altenfelden" oder „ Der Weg ins neue Jahrtausend". Nicht zu vergessen, der tolle Flamenco-Abend im Jahr 2005.

Neben diesen schönen Abenden, gab es aber noch 1998 unsere Entscheidung, dass wir uns für eine qualitative Bildungsarbeit in Form des oberösterreichischen Qualitätssiegels, verpflichten. Diese Entscheidung war mit Sicherheit eine Aufwertung unserer Arbeit. Das Qualitätssiegel umfasst diverse Kriterien, wie z.B. die Beurteilung von Veranstaltungen / Veranstaltungsorten, Jahresplanungen, Jahresthemen, bzw. die entsprechende Nachbearbeitung von Veranstaltungen (Dokumentation, Berichte etc.)

Das Arbeiten unter den Richtlinien der Qualität hat mit Sicherheit dazu beigetragen, dass wir die Qualität unserer Arbeit nochmals steigern konnten, bzw. wir uns für unsere gute Arbeit auch entsprechend positiv beurteilen lassen können.

Sepp, das war jetzt sehr ausführlich. Bitte beantworte die nächste Frage nur in einem Satz. Wo sieht du das Bildungswerk heute ?
Hier kann ich nur sagen : „ Wir sind alle verantwortlich, den Bildungsgarten zu hegen und zu pflegen, damit die Kirche nicht zu einem Museum verkommt !"

Nun, im letzten Jahr war es ein wenig ruhiger um das KBW in Altenfelden.

Was war der Grund dafür, wird das KBW in Altenfelden noch wahrgenommen ?
Nun, das sind zwei Fragen auf einmal. Vielleicht eine kurze Erklärung zur ersten Frage. Aufgrund des Pfarrheim-Umbaus haben wir uns entschlossen ein sogenanntes Sabbatical-Jahr einzulegen. Dies ist beim KBW möglich, d.h. man nimmt sich für seine Arbeit eine Auszeit. Wir haben gewusst, dass der Umbau all unsere Kräfte benötigen wird und daher kam es zu dieser Entscheidung. Das Sabbatical ist nun abgeschlossen und das Team wird jetzt unter der neuen Leitung wieder voll durchstarten.

Des Weiteren bin ich der Meinung, dass das KBW in Altenfelden sehr stark wahrgenommen wird. Zum einen durch die unterschiedlichen Bildungsfelder, wie z.B. das Bildungswerk oder die „ Spiegelgruppen", welche sich um die Belange der Kinder kümmern. Außerdem ist vielen Bürgern von Altenfelden das KBW aufgrund des Szenario-Theaterabos ein Begriff. Neben all diesen Feldern gibt es noch die Arbeit mit Senioren, das Projekt „Selba", Lebensqualität im Alter, welche tolle Angebote für die älteren Mitbürger anbietet. Das wären die Angebote vom KBW, aber natürlich wird das KBW in Altenfelden auch durch die entsprechenden Team-Mitglieder wahrgenommen.

„Gesichter" sprechen für die Arbeit, für das Team.

Was wünscht du dem KBW für die Zukunft, wo siehst du die Zukunft für das KBW ?
Nun, ich bin ja weiterhin noch Teammitglied, habe nun die verantwortliche Position in die Hände von Gernot Hess gelegt. D.h. ich kann und werde versuchen, das Jetzt und die Zukunft des KBW mitzugestalten.

Ein besonderer Wunsch von mir ist es allerdings, mit der kath. Bildungsarbeit, Menschen mit der Kirche in Verbindung zu bringen, welche zur Kirche keine Beziehung haben, oder gar nichts mit der Kirche zu tun haben wollen.

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Teamgeist und Kamerad- schaft ist ein Marken- zeichen von Sepp Bröderbauer

Ich denke, durch eine qualitativ hohe Bildungsarbeit besteht die Chance, solchen Menschen die Kirche und deren Anliegen wieder etwas näher bringen zu können.

Außerdem muss das KBW die Möglichkeiten nutzen, noch mehr in Bildungsnetzwerken zu arbeiten. Ob in der Gemeinde oder über die Pfarrgrenze hinaus, ist hierbei gleich. Dadurch wird Kirche lebendig vor Ort aber auch in der Region.

Zu guter Letzt wünsche ich natürlich auch meinem Nachfolger Gernot Hess alles Gute. Ich wünsche ihm und dem Team das gleiche Feuer und die Leidenschaft, welche bisher die Arbeit im KBW ausgezeichnet hat. Damit wir unserem Motto treu bleiben „ Wir sind alle verantwortlich, den Bildungsgarten zu hegen und zu pflegen, damit die Kirche nicht zu einem Museum verkommt !"

Sepp, vielen Dank für deine Ausführungen, ich freue mich schon auf die weitere Arbeit im KBW-Team mit dir, bzw. wünsche ich dir alles Gute für deine neuen Aufgaben im Bereich der Feuerwehr.

Gernot W. Hess

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