Zum 300.Todestag von Abraham a Sancta Clara

Vor 300 Jahren starb der Volksprediger Abraham a Sancta Clara

Abraham a Sancta Clara, der berühmteste Prediger des Barock, starb am 1. Dezember 1709 in Wien. In Pestzeiten und besonders im Türkenjahr 1683 hatte er der Wiener Bevölkerung durch seine volkstümlichen Predigten, aber auch durch caritativen Einsatz Mut gemacht.
Auch als Schriftsteller war er ungemein aktiv: Rund 600 verschiedene Schriftwerke sind noch heute von ihm bekannt.

Der spätere Augustinermönch Abraham a Sancta Clara wurde als Johann Ulrich Megerle am 2. Juli 1644 in Kreenheinstetten geboren, einem Dorf nahe Meßkirch im Landkreis Sigmaringen in Schwaben. "Nicht alles hat Stroh im Kopf, was unter einem Strohdach geboren ist." Abrahams Spruchweisheit traf auch auf ihn, das achte Kind des Traubenwirts zu, das durch ungewöhnliche Intelligenz auffiel.

Dem Sohn eines Leibeigenen gelang der soziale Aufstieg auf einem Bildungsweg, der mit der Lateinschule in Meßkirch begann und über das Jesuitenkolleg in Ingolstadt zu den Benediktinern in Salzburg führte. Es war ein mühevoller Weg, der letztendlich in der geistlichen Berufung mündete:
Nach dem frühen Tod des Vaters nahm sich Abraham Megerle, ein berühmter Kirchenkomponist, seines Neffen an.

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Ordenseintritt bei den Augustinern In Wien trat Johann Megerle dem Reformorden der Augustiner-Barfüßer bei. Aus Dankbarkeit gegenüber seinem geistlichen Onkel nannte er sich Abraham a Sancta Clara. Nach dem Noviziat legte er am 14.August 1663 die Gelübde ab und begann in der schwarzen Kutte der Augustiner das Studium der Theologie und Philosophie, das ihn wegen der Türkengefahr - Wien war nahezu Frontstadt - schließlich nach Prag und Ferrara führte. Eine erste Aufgabe des Jungpriesters war die eines Seelsorgers und Predigers in einer Wallfahrtskirche im Dachauer Land. Pater Abraham muss eine enorme Wirkung als Kanzelredner gehabt haben - das geistliche Drama und die Effekte theatralischer Mittel wie Gestik und Mimik hatte er schon als Gymnasiast gelernt: Sein Publikum konnte er zu Tränen rühren.

Ein feuriger und tiefsinniger Prediger.
Bayern blieb wie später Graz ein Intermezzo im Leben Abrahams, dessen Wirkkreis vor allem Wien wurde. Der feurige Prediger kam in die Kaiserstadt,
weil die Ordensoberen erkannt hatten, dass er "kein geschwätziger, sondern tiefsinniger beredsamer Schwab" sei.
Im Frühjahr 1672 wurde die Augustinerkirche im Herzen von Wien Abrahams Lehrkanzel Das war keine beliebige Pfarr- und Klosterkirche: Bis zum Ende der Monarchie 1918 diente das Gotteshaus der kaiserlichen Familie als Hofpfarrkirche.

Der Augustinerpater breitete vor Kaiser Leopold und seinem Hofstaat nicht nur seinen theologischen Wissensschatz aus, in dessen Mittelpunkt neben Auslegung der Heiligen Schrift besonders das vorbildhafte Leben der Heiligen stand. Auch staatstragende Gedanken konnten in die Predigt fließen, wenn Abraham "ein zierlichs Amt mit Pauken und Trompeten" hielt, wie es der repräsentationsfreudige Barock liebte.

Deutliche Standeskritik
In einer Michaelspredigt werden der Erzengel und die habsburgischen Erzherzöge verbunden, wenn der Pater den "himmlischen Erzherzog demütigst" ersucht, dass er "dem Österreichischen Erzherzog sieghaft beistehe".
Berühmt wurde die Festpredigt "Astriacus Austriacus" auf den "himmelreichischen Oesterreicher", den heiligen Markgrafen Leopold, die er in Klosterneuburg vor Kaiser Leopold 1. und dem versammeltem Hofstaat hielt.
1677 ernannte der Kaiser Abraham zum kaiserlichen Prediger.
Aber der Augustiner war deshalb kein Hofmann. Die feine Gesellschaft musste sich Standeskritik gefallen lassen:

"Wohlgeboren sein adelt nicht allein, auch ein Schaf ist wollgeboren." In seinem Werk "Judas der Ertz-Schelm" klagte Abraham an: "Viel gehen mit den Dienstboten um wie die Apotheker mit denen Blumen..., wann endlichen kein Saft und Kraftmehr darin, alsdann wirft mans zum Haus hinaus auf den Mist."

"Auff, auff, Ihr Christen!"
Zum tröstenden Seelsorger der ganzen Stadt und zum berühmten Autor wuchs der Schwabe durch die Pest- und Kriegsschriften "Mercks Wienn" (1680) und "Auff, auff, Ihr Christen!" (1683), als die Kaiserstadt nur drei Jahre nach einer verheerenden Seuche der Belagerung durch ein türkisches Heer trotzen musste.

Doch im Zentrum von Abrahams Schaffen hat nicht die politische Agitation gestanden, die Schiller zu seiner Kapuzinerpredigt in "Wallensteins Lager"
inspirierte. Er war Seelsorger und überraschte immer wieder mit einem von poetisch-zart bis deftig-derb variierten Memento mori: "Der Mensch ist eine Blum, die heut vorm Busen, morgen vorm Besen." 
                                                                                                                       
aus "Kirche bunt"
Verfasser: Verbeek/KNA

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Kurzbiografie von Abraham a Sancta Clara

Abraham a Sancta Clara: Wortgewaltiger Rebell

Seine Predigten waren kurzweilig, seine Worte oft derb: Abraham a Sancta Clara brachte im 17. Jahrhundert völlig neue Töne in die Kirche und begeisterte die Massen. Vor fast 300 Jahren, am 1. Dezember 1709, starb der Barockprediger in Wien. Er wird von vielen Experten als bedeutendster Theologe seiner Zeit gesehen.

Von diesem Donnerstag an treffen sich in seiner Geburtsstadt Leibertingen am Südrand der Schwäbischen Alb mehr als 100 Wissenschaftler aus aller Welt, um Abraham zu würdigen und dem Geheimnis des "Volkserziehers" auf den Grund zu gehen.

Der Prunk und die Pest
Er lebte in einer Zeit von Prunk und Pracht, Elend und Seuchen. Während die Bevölkerung von der Pest dahingerafft wurde, gestaltete die katholische Kirche ihre Gotteshäuser immer prächtiger aus. Die Messe wurde auf Latein gelesen, das Volk blieb zweitrangig. Da machten die kurzweiligen Erzählungen und Späße, die Abraham a Sancta Clara an seiner Wirkungsstätte in Wien von der Kanzel schickte, schnell die Runde. Zugleich war er ein engagierter Seelsorger.

"Als die Pest grassierte, hat er sich nicht zurückgezogen, sondern er hat den Menschen Mut zugesprochen", sagt Berta Rudolf, die ein Leibertingen ein kleines Abraham-Museum betreibt. "Er hat dem Volk aufs Maul geschaut." Und er habe den Mut gehabt, auch die Mächtigem im Land zu kritisieren. "Er hat die Fresserei und die Sauferei kritisiert, die Verschwendungssucht und den Neid. Und er war dabei sehr, sehr scharfzüngig", erzählt die Museumsleiterin.

Die Sache mit den Mistgabeln
Schriftlich überliefert ist zum Beispiel, was der Ordensmann von den tiefen Ausschnitten der Hofdamen hielt - nämlich nichts. "Die Frauen des Hofes sind es nicht wert, dass man sie mit einer Mistgabel anfasst", predigte er eines Sonntags.
Die Emotionen am Hof des Kaisers Leopold kochten hoch - und Abraham musste widerrufen. "Es tut mir leid, sie sind es doch wert", sagte er am Sonntag darauf auf seine ironisch-sarkastische Art. "Gerade deshalb haben ihn die einfachen Leute sehr ernst genommen", sagt Rudolf.

Naturtalent der Predigt
Auf die Welt kommt Abraham a Sancta Clara am 2. Juli 1644 als Johann Ulrich Megerle in Kreenheinstetten, einem heutigen Ortsteil von Leibertingen. Obwohl sein Vater ein Leibeigener ist, fällt die außerordentliche geistige Begabung des Buben auf. Er wechselt mit Zustimmung der fürstlichen Herrschaft zunächst in ein Jesuiten-Internat und tritt schließlich in Wien dem Augustiner-Orden bei.
Mit 22 Jahren empfängt er die Priesterweihe und nimmt den Ordensnamen Abraham a Sancta Clara an. Seine unterhaltsamen Predigten locken schnell Tausende Menschen an. In leicht verständlicher Sprache prangert er die Laster der Zeit an, spricht aber - was noch ungewöhnlicher ist - auch über Treue, Redlichkeit und Liebe.

Seine Ansprachen machen ihn derart populär, dass er zum Prediger am kaiserlichen Hof in Wien berufen wird. Als in der Stadt 1679 die Pest ausbricht, muntert Abraham a Sancta Clara die dezimierte Bevölkerung auf. Seine Kanzelreden werden sogar als Flugschriften verbreitet.
Als das osmanische Heer 1683 die Stadt Wien belagert, wird der Ordensmann durch seine Sprachgewalt ein wichtiges Propagandainstrument, um den Durchhaltewillen der Bevölkerung zu stärken.

Moderne Sprachkraft
Von ihrer Wirkung haben die Texte bis heute nichts verloren, sagen Experten. 600 Schriftwerke sind überliefert. "Abraham wirkt in seinen Texten auffallend heutig und modern", sagt Anton Philipp Knittel, der Organisator des Symposiums in Leibertingen. "Als Prediger war er ein Virtuose, der nicht abstrakt blieb." Dafür schätzen ihn viele Theologen noch heute. Einige Seelsorger haben seine Texte in ihrer Materialsammlung. In seinen schwäbischen Geburtsort ist Abraham a Sancta Clara nie zurückgekehrt. Und bis sein Bewunderer Martin Heidegger dort zu Abrahams 200. Todestag im Jahr 1909 ein Denkmal anregte, erinnerte sich kaum jemand an den berühmten Sohn der Gemeinde. In diesem Jahr, zu seinem 300. Todestag, ist das anders. Abraham a Sancta Clara ist zur Marke geworden. Neben zahlreichen Veranstaltungen gibt es Postkarten mit seinem Porträt, und eine örtliche Brauerei vermarktet ein Abraham-Bräu.

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