Kirche unterwegs

Erfrischend und offen erschien uns dieser Artikel von Abt Mag. Christian Haidinger der in der Ordenszeitschrift "miteinander" des Canisiuswerkes kürzlich erschien. Wir haben uns daher erlaubt, diesen Beitrag ungekürzt weiterzugeben.


Was ist los mit unserer Kirche ?

Wohin steuert sie? Diese Fragen habe ich mir in den ersten Wochen des Februar in großer Sorge um meine Kirche öfter gestellt. Zuerst war es die (unverständliche) Aufhebung der Exkommunikation für vier (vom schismatischen Bischof Lefebvre geweihte) Bischöfe der Pius-Bruderschaft (einer von ihnen ist ein erklärter Holocaust-Leugner), dann in unmittelbarer zeitlicher Nähe die Bestellung eines Weihbischofs für die Diözese Linz, der vom ersten Bekanntwerden an in einer breiten kirchlichen Öffentlichkeit keine Akzeptanz fand. Österreichs Katholiken gerieten in Aufruhr, Widerstand regte und formierte sich, Zorn gegenüber unserer Kirchenleitung machte sich Luft. "Hat unsere Kirche aus früheren Thrbulenzen noch immer nichts dazugelernt?", fragten sich viele. Zahlreiche Reaktionen der letzten Wochen waren verständlich, manche überzogen und auch verletzend.
Dennoch:ZurTagesordnungkonnte und durfte man nicht übergehen. Und im Stillen war ich froh, in diesen turbulenten Zeiten nicht mehr direkt in meiner Heimatdiözese, in der ich über Jahrzehnte mit Freude und Engagement wirken durfte, an diesen Turbulenzen ausgesetzt zu sein.

Gangbare Wege
Schon seit Anfang der 1990er-Jahre wurde in der Diözese Linz unter Bischof Maximilian Aichern nach gangbaren Wegen in eine gute Zukunft gesucht. "Pfarren sollen leben" war eine Prämisse in an den notwendigen Veränderungen, die sich angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen und des immer stärker spürbaren Priestermangels geradezu aufdrängten. Stets mit Blick auf die kirchlichen (kirchenrechtlichen) Vorgaben, wurde auch engagierten Laien in verschiedenen Bereichen der Pfarre und kategorialenSeelsorge größere Verantwortung, auch in Leitungsaufgaben, übertragen. Pastoral- und Pfarrassistenten/-innen wurden gemeinsam mit einem Pfarrmoderator (Priester) mit der Leitung einer Pfarre betraut. Und aus eigener Erfahrung weiß ich: Das alles funktioniert (meist) reibungslos und wird von der Pfarrgemeinschaft dankbar angenommen. Und ich bin mir sicher, dass auch in den anderen Diözesen in großer Verantwortung von und mit den jeweiligen Diözesanbischöfen nach möglichen Wegen in eine gute Zukunft der katholischen Kirche in Österreich gesucht wird, auch wenn die Ansätze und Überlegungen verschieden sind. In all diesen Bemühungen drückt sich die Sorge des Volkes Gottes aus, dass Kirche vor Ort lebendig erfahren werden kann, dass das sakramentale Leben nicht in pastoralen Großräumen untergeht.

Es geht um das Konzil
Und immer wieder geht es um das Zweite Vatikanische Konzil. Christen und Christinnen erwarten und unsere Bischöfe fordern es ein, dass alle Reformen und notwendigen Veränderungen den Beschlüssen des Zweiten Vatikanums entsprechen müssen! Woran spießt es sich dann: an divergierender Auslegung, oder sind es nur verschiedene Sprechweisen?
Nur zwei wichtige Themen dieser Kirchenversammlung seien hier in Erinnerung gerufen: "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi" (Kirchein der Welt von heute, 1).Versuchen wir doch, dies den Menschen von heute in unserer Kirche erfahrbar zu machen!
Dazu kommt das doch sehr neue Kirchenbild dieses Konzils: Die Kirche ist das pilgernde Gottesvolk, ist das VolkGottes auf dem Weg!
Wer auf dem Weg ist, hat das Ziel noch nicht erreicht, da lauert auch noch die Gefahr von Irrwegen und Umwegen; auch Ungenügen und Fehler haben noch Platz. Es ist so wohltuend, wie unsere Bischöfe im Hirtenbrief im Anschluss an die jüngsten Turbulenzen auch von Fehlern sprechen, auch in der Kirchenleitung bis hin nach Rom! Ein großes Danke unseren Bischöfen.
Diese Klarstellungen und ihr mutiges Auftreten lassen gewiss wieder das Vertrauen in die Leitung unserer Kirche wachsen und wecken neue Hoffnung, dass die Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht gelähmt und nicht tot ist, sondern uns als pilgerndes Gottesvolk in eine gute Zukunft führt.

Apropos Konzil: Dankbar erinnere ich mich an ein Gebet, das uns der unvergessene Papst Johannes XXIII. mit auf den Weg gegeben hat zur Vorbereitung und Begleitung dieser Kirchenversamm1ung. Darin bewegt mich besonders die Bitte: "Erneuere, Heiliger Geist, in Deiner Kirche die Wunder wie in einem neuen Pfingsten!"

An dieses neue Pfingsten glaube ich, darauf hoffe ich!

Abt Christian Haidinger OSB
Mag. Christian Haidinger ist seit 2005
Abt des Stiftes Altenburg/NÖ. Als Benediktiner
des Stiftes Kremsmüuster war er von 1995 bis 2005 Pfarrer von Buchkirchen
bei Wels und von 2004 bis 2005 Generaldechant der Diözese Linz.

OSB: Ordo Sancti Benedicti
(Benediktiner) .

Nach oben