Geb. 1685 (23.2) in Halle (Saale) als Sohn des Barbiers und Hofchirurgen, gst. 1759 (14.4) in London. Händels Lehrer ist Friedrich Wilhelm Zachow, der Organist der Marktkirche in Halle. Seine frühen musikalischen Eindrücke empfängt Händel in Halle (evangelische Kirchenmusik), in Leipzig (deutsche Opern, Telemann), in Weissenfels (deutsche Oper, J. Philipp Krieger) und Berlin (Hofkonzerte der Sophie Charlotte). Er beginnt als Jusstudent, ist je gleichzeitig Organist an der reformierten Schlosskirche in Halle und fällt als Komponist von Kirchenkantaten auf. 1703 geht er als Geiger an die Hamburger Oper, um bald als Cembalist, Kapellmeister und Komponist (vier deutschsprachige Opern, davon erhalten "Almira" 1705) hervorzutreten. 1706 reist er nach Italien: er hat entscheidende künstlerische Berührungen in Rom mit Arcangelo Corelli (Concerto grosso) und den Oratorien von Carissimi (er schreibt 1708 für Rom seine ersten beiden Oratorien), in Neapel mit Alessandro Scarlatti (neapolitanische Oper und Solokantaten), in Venedig mit der venezianischen Oper (Händel Oper "Agrippina" 1709 für Venedig), mit Agostino Steffani (Kammerduette) und mit Domenico Scarlatti (Cembalomusik). Von 1711-1716 ist Händel als Nachfolger seines älteren Freundes Steffani Hofkapellmeister in Hannover. Von hier aus reist er urlaubsweise nach England und schreibt 1711 mit "Rinaldo" seine erste Oper für England und 1713 das Utrechter Tedeum (Einfluss Purcells und der englischen Chormusik). 1714 wird der Kurfürst von Hannover als Georg I. König von England: Händel ist sein Hofkapellmeister, gleichzeitig aber Privatkapellmeister des Herzogs von Chandos in Cannons, für den er u. a. zwei Tedeums und zwolf Anthems komponiert. In königlichem Auftrag eröffnet Händel 1720 mit dem "Radamisto" seine erste Akademie (Royal Academy of Music) im Haymarket-Theater in London. Gegenströmungen von der Seite des englischen Hochadels, der Konkurrenzkampf mit Bononcini, die Schwierigkeiten mit eigenwilligen Gesangsgrössen führen 1728 zu seinem Bankrott, der durch den Erfolg der "Beggar's Opera" von Gay und Pepusch beschleunigt wird. Händel macht 1729 einen zweiten und 1734 einen dritten Versuch: sie enden 1737 mit seinem wirtschaftlichen und gesundheitlichen Ruin; nach einem Schlaganfall wird Händel in Aachen geheilt. Er wendet sich nach 1740 entscheidend dem Oratorium zu und schreibt jährlich fast regelmässig ein bis zwei Oratorien. 1751 erblindet er über der Arbeit an dem Oratorium "Jephta"; als englischer Staatsbürger ist Händel in der Westminster-Abtei beigesetzt. Händels Persönlichkeit vereinigt die eigene geniale Schaffenskraft mit der Aufgeschlossenheit für fremde künstlerische Eindrücke, die er in Deutschland, Italien und England aufnimmt, um sie mit seinem Wesen zu verschmelzen. Diese Kraft der Synthese erführt in den Oratorie, nach seinem fünfundfünfzigsten Lebensjahr die letzte unf geistliche Steigerung; sein Werk ist der grosse Höhepunkt und Abschluss der Ausdrucksmittel seines Zeitalters, des Spätbarock (wie für J. S. Bach).
|