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Informationen, Anregungen und Fragen zum
Umgang mit einer offenen Situation
ZUSAMMENSTELLUNG: Arbeitskreis "Liturgische Kleidung"
im Auftrag der diözesanen Liturgiekommission; Kontaktstelle:
Pastoralamt, Liturgiereferat; Diözese Linz, Kapuzinerstraße
84, 4021 Linz; Tel. 0732/7610-3121 - 1996
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| Vorbemerkungen - Informationen: |
a) Geschichtlicher Rückblick
Im frühen Christentum gab es noch keine liturgische Kleidung.
Als das Christentum Reichsreligion wurde und die Kleriker den Rang
von Staatsbeamten bekamen, erhielten sie das Recht, Amtsinsignien
und höheren Ständen vorbehaltene Kleidungsstücke
zu tragen. Liturgische Kleider waren zunächst kaum von Profangewändern
zu unterscheiden.
Durch die Völkerwanderung änderte sich die Kleidung (Hose,
Leibrock), der Klerus blieb im Alltag und in der Liturgie bei der
alten römischen Kleidung: langes Untergewand (Tunika) und Übergewand
(Toga, Dalmatik), woraus sich Albe und Messgewand entwickeln. Durch
den zunehmenden Repräsentationscharakter des Gottesdienstes
(seit Konstantin), durch die Trennung von Klerus und Laien und mit
Hilfe alttestamentlicher Beschreibung priesterlicher Gewänder
werden liturgische Kleider zunehmend kostbarer (Ornat) und als eigene
Gewänder über die Alltagskleidung angelegt. Manche Kleidungsstücke
verlieren ihren Kleidungscharakter, werden zu Schmuckstücken,
zu Auszeichnungen des inzwischen hieratisierten Amtsträgers.
Die Kasel als Obergewand wird seit dem 12. Jhdt. zum "Bildträger".
Sie verweist mit den Symbolen und auch mit dem in dieser Zeit aufkommenden
Farbkanon auf das Geschehen am Altar. Dies hatte zur Folge, dass
sich ihr Gewandcharakter seit dem 14. Jhdt. immer mehr reduzierte.
b) Neutestamentliche Gewandsymbolik
Einerseits werden alttestamentliche Kultkategorien mit ihrer Symbolik
generell abgelehnt, andererseits gibt es eine reiche neutestamentliche
Gewandsymbolik (z. B. Gleichnisrede vom hochzeitlichen Gewand -
Mt 22; Berühren des Gewandes Jesu - Lk 5; Das weiße Gewand
Jesu bei der Verklärung - Mk 9 und bei der Himmelfahrt; das
Bild des Paulus: Anziehen Christi - Gal 3, Röm 13, Eph 4; Tragen
des weißen Gewandes - an vielen Stellen der Offenbarung: Das
weiße Gewand ist hier das Einheitsgewand der himmlischen Liturgie.
Alle tragen es, die vor dem himmlischen Thron erscheinen dürfen
- 22,14; das Waschen des Gewandes und die weiße Farbe sind
Anspielungen auf die christliche Taufliturgie (siehe Taufkleid!).
c) Bedeutung der Kleidung in der heutigen
Gesellschaft und für die einzelne Person
Der Mensch will in seiner Einmaligkeit und Freiheit ernst genommen
werden und dies auch durch die Kleidung ausdrücken. Dadurch
wird es zunehmend schwierig, zwischen Alltags- und Festtagskleidung
zu unterscheiden. Kleiderordnungen werden nicht mehr allgemein angenommen.
Dies bedeutet für die Liturgie, dass der Graben zwischen dem
Kleidungsverhalten der Leute und einer festgelegten liturgischen
Kleidung größer geworden ist.
Die Kleidung hilft der Person sich auszudrücken und sie selbst
zu sein. Das Gewand ist eine Membran zwischen innen und außen
und beeinflusst daher die Mitteilungen, die Signale ... der Person.
Die Ausrichtung der Kleidung auf die Einzelperson führt dazu,
dass das Gewand vor allem bequem und zweckmäßig sein
soll.
d) Konziliares Gottesdienstverständnis
Die ganze liturgische Versammlung trägt den Gottesdienst.
Alle Mitfeiernden sind kraft der Taufe verantwortlich für die
Glaubensfeier und üben in ihr einen wirklich liturgischen Dienst
aus. Sie haben verschiedene Aufgaben und nehmen in unterschiedlicher
Weise an der Feier teil. Daher spricht man auch von einer gegliederten
Feiergemeinschaft.
Dieses Gottesdienstverständnis hängt aufs Engste zusammen
mit dem Kirchenbild des wandernden Gottesvolkes (mit der Betonung
der allen Getauften eigenen und gleichen Würde) und dem Bild
vom Leib Christi (mit dem Akzent auf den unterschiedlichen Aufgaben
innerhalb der Kirche). Im Gottesdienst wird sichtbar, wie eine Gemeinde
sich als Kirche versteht: ob die unterschiedlichen Ämter und
Dienste das Gemeinsame und das Gegenüber in gesunder Spannung
zueinander halten, oder ob die unterschiedlichen Aufgaben mehr das
Trennende bekräftigen und verfestigen.
Die liturgische Kleidung kann die verschiedenen Aufgaben verdeutlichen
und mithelfen, in das Geheimnis der Feier vorzudringen, kann aber
auch traditionsbedingte Gräben zwischen Gemeinde und Dienstträger
bestätigen.
Verwendete Literatur:
- Albert Gerhards, Geschichte-Gegenwart-Perspektiven, in: Casula,
Ausstellungskatalog, Köln 1992, S. 86ff.
- Werner Hahne, Kleidung im Gottesdienst, in: Gottesdienst 27(1993)145-147.156f.172f.180f.
(vgl. S.155: Auf 2 Min.)
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| Anregungen und Fragen zum Umgang mit
einer offenen Situation: |
I Grundlegende Orientierung
- Die Diskussion um die liturgische Kleidung hat vor allem zwei
Ursachen:
- die für die Entfaltung der liturgischen Dienste verantwortliche
konziliare Liturgiereform;
- die sich verändernde pastorale Situation, die dazu
führt, dass Laien vermehrt liturgische Leitungsaufgaben
übernehmen (z. B. die Begräbnisleitung, die Leitung
von sonntäglichen Wort-Gottes-Feiern).
Weil das konziliare Kirchen- und Liturgieverständnis besondere
liturgische Dienste für Laien ermöglichte, ergibt sich
von hierher ein Orientierungsrahmen für das Gespräch
über die liturgische Kleidung.
Die Taufe schließt alle Christen zusammen zum Volk Gottes,
das die Sendung Jesu Christi durch die Geschichte entfaltet. Vor
aller Ausfaltung einzelner Dienste steht die fundamentale Zusammengehörigkeit
aller, die gemeinsame Würde, die ihren Wurzelgrund im Anteil
aller Getauften am Heilswerk Christi hat. In den Feiern des Glaubens
wird diese innere Verfasstheit des Gottesvolkes sichtbar. Wie
sich die Kirche versteht, so feiert sie auch Liturgie.
- Bei der Suche nach Möglichkeiten für eine gute Weiterentwicklung
ist der biblische Befund zu beachten: "Denn ihr alle, die
ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt"
(Gal 3,27). Ausgangspunkt für jede Gestaltung gottesdienstlicher
Kleidung ist demnach die allen gemeinsame Christusförmigkeit.
- Die liturgische Kleidung ist ein Moment in der vielfältigen
Zeichenhandlung Gottesdienst, das hilft, das Tun der Versammelten
zu deuten. Änderungen im Selbstverständnis derer, die
miteinander Gottesdienst feiern, berühren auch das vertraute
Zeichen "liturgische Kleidung".
II. Anthropologische, psychologische und
gesellschaftliche Aspekte
- Die Kleidung beeinflusst das persönliche Befinden, sie
unterstützt bzw. behindert unsere Kommunikation. Das gilt
auch für die liturgische Kleidung. Sie hat demnach Einfluss
darauf, ob der (die) Träger/-in seine (ihre) Rolle angemessen
wahrnehmen kann.
- Die Gottesdienstteilnehmer/-innen kennen liturgische Gewänder
in der Regel nur bei Priestern, Diakonen und Ministrant/-inn/-en.
Sie verbinden damit häufig - bewusst oder unbewusst - ein
vorkonziliares Liturgieverständnis: die eigentlich Liturgie-Feiernden
sind die Träger liturgischer Kleidung, nicht aber die ganze
versammelte Gemeinde.
Auch Priester und Diakone hat die selbstverständliche Verwendung
der liturgischen Gewänder geprägt.
III. Anregungen zur Verwendung
- Es ist sinnvoll, durch entsprechend bewußte Verwendung
der liturgischen Kleidung das Verbindende zu betonen,
z. B:
- Das liturgische Kleid soll nach Möglichkeit nicht nur
vom Gottesdienstleiter (von der Gottesdienstleiterin) allein
getragen werden. Die besonderen Dienstträger können
ebenfalls liturgische Kleidung verwenden, vor allem wenn sie
während des gesamten Gottesdienstes im Altarraum sind.
- Es wird ermutigt, einfache liturgische Kleidung zu entwickeln
und in entsprechender Stückzahl für die Pfarre zu
besorgen. So können die besonderen Dienstträger,
oder bei gottesdienstlichen Feiern im kleinen Rahmen (z. B.
Taufe eines Schulkindes), alle Mitfeiernden, ein solches Kleid
tragen.
- Die Größe und die Art der Gottesdienstgemeinde sowie
der Feierraum sind bedeutsame Kriterien für das Anlegen liturgischer
Kleidung:
- Je festlicher der Anlass und je größer die Feiergemeinde
desto eher ist liturgische Kleidung angebracht.
- Je mehr sich die Mitfeiernden menschlich wie geistlich verbunden
fühlen, desto mehr kann das Zeichen der Kleidung zurücktreten.
- Bei sehr geringer inneren Verbundenheit der Gemeinde ist es
wichtig, dass erkennbar wird, wer den Gottesdienst leitet.
- Je ungeklärter die Raumsituation ist ( z. B. weil keine
liturgischen Orte festgelegt sind; vgl. Friedhof), desto notwendiger
sind andere Orientierungshilfen, wie etwa die Kleidung.
- Man beachte auch den Raumcharakter: Nicht für jeden Raum
eignet sich dieselbe Kleidung.
- Bei der Begräbnisleitung soll ein liturgisches Kleid getragen
werden. In seiner Form soll es nicht zu unterschiedlich sein.
Es ist Rücksicht zu nehmen
- auf eine klare Unterscheidung zur Gewandung von Begräbnisrednern,
- auf die Erwartungen der Leute.
IV. Anregungen zur Gestaltung
- Die Kleidung soll schön und schlicht sein: "Schönheit
und Würde der liturgischen Kleidung sollen nicht durch eine
Anhäufung von Schmuck und Verzierung erreicht werden, sondern
durch die Auswahl des Stoffes und seine Form." (Allgemeine
Einführung in das Messbuch 306)
- Es ist sinnvoll und empfehlenswert, die liturgischen Farben
zu berücksichtigen. Allenfalls verwendete Symbolik soll einfach
sein, das liturgische Geschehen verdeutlichen und vor allem an
der Vorderseite der Kleidung angebracht werden.
- Die Kleidung soll sich abheben von Kleidern und Amtszeichen,
die den geweihten Amtsträgern vorbehalten sind (Stola, Kasel,
Pluviale, Dalmatik).
- Es ist zu überlegen, wieweit die zivile Kleidung von der
liturgischen Kleidung bedeckt werden soll (von der völligen
Überkleidung bis zur nur teilweisen Kenntlichmachung).
- Um in der Suche nach angemessener liturgischer Kleidung voranzukommen,
sind verantwortbare Experimente nötig.
So z. B.
- in Richtung stark zurückgenommener Kleidung (wie etwa
Schals, Tücher) bzw./und in Richtung Umhang,
- für unterschiedliches Gewand für Frauen und Männer,
- wie die liturgischen Farben angemessen berücksichtigt
werden können.
V. Abschließende Hinweise
Die hier angeführten Kriterien wollen bei der Entscheidung
behilflich sein und bei Verwendung liturgischer Kleider Orientierung
bieten.
Ob liturgische Kleidung getragen werden soll, möge in der Pfarrgemeinde
(z.B. im Fachausschuss für Liturgie, im PGR) besprochen werden.
Diese Diskussion kann auch beitragen, den Gottesdienst der Kirche
besser zu verstehen.
Es wird gebeten, Meinungen zu dieser Orientierungshilfe und praktische
Erfahrungen (aus Gesprächen mit der Gemeinde; aus der Verwendung
liturgischer Kleidung; Fotos) dem Liturgiereferat im Pastoralamt
mitzuteilen.
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