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Monsignore Dr. Hans Hollerweger: Aufruf zu mehr Hilfe für Christen im Nahen Osten

Gründer der "Initiative Christlicher Orient" (ICO) feiert am 13.Februar seinen 80. Geburtstag und berichtet im "Kathpress"-Gespräch über aktuelle Lage der Christen im Nordirak und im Tur Abdin.

Linz, 10.02.2010 (KAP) Zur verstärkten Unterstützung der Christen im Nahen Osten hat der Obmann der "Initiative Christlicher Orient" (ICO), Prof. Hans Hollerweger, aufgerufen. Hollerweger feiert am 13.Februar seinen 80. Geburtstag. Seit mehr als 20 Jahren setzt er sich unermüdlich für die bedrängten Christen im Libanon, in Syrien, in der Südosttürkei, im Irak und im Heiligen Land ein. Es gelte, diese Menschen nicht im Stich zu lassen, ihnen zu helfen und Hoffnung zu schenken, so Hollerweger im Gespräch mit "Kathpress".

Die "Initiative Christlicher Orient" (ICO) wurde vor knapp 21 Jahren von Prof. Hollerweger gegründet und hat es sich zur Aufgabe gemacht, über die Christen im Nahen Osten zu informieren, sie finanziell zu unterstützen und Begegnungen zu ermöglichen. Einen Schwerpunkt setzt ICO im Nordirak, wo in der Diözese Zakho-Dohuk 16 christliche Flüchtlingsdörfer unterstützt werden - etwa durch den Ankauf von Schafen, die Ausstattung von Kindergärten oder die Instandsetzung von Wasserleitungen.

Vor Kurzem konnten in Kooperation mit den kirchlichen Hilfswerken "MIVA Austria" und "Kirche in Not" zwei gebrauchte Busse für zwei Dörfer angeschafft werden. Die Busse werden u.a. für den Transport von Schülern eingesetzt. Er würde sich noch viel mehr Hilfe von verschiedenen Institutionen und Organisationen wünschen, um verstärkt helfen zu können, so Hollerweger.

In den 1970er-Jahren wurden die Christen vom Regime Saddam Husseins aus ihrem Land im Nordirak vertrieben und mussten nach Bagdad oder in den Süden des Irak flüchten; seit 2003 sind viele vor dem islamistischen Terror aus den Städten in ihre ländlichen Ursprungsgebiete zurückgekehrt. Doch es fehle an Zukunftsperspektiven, so Hollerweger. Die kurdische  Regionalregierung könne kaum das Notwendigste zur wirtschaftlichen Entwicklung der Flüchtlingsdörfer beitragen. Zudem hätten viele Christen ihr Land, das ihnen vom Hussein-Regime weggenommen wurde, immer noch nicht zurückbekommen. Die kurdischen Behörden würden hier sehr zögerlich agieren. Vor allem viele junge irakische Christen würden deshalb das Land verlassen, bedauerte Hollerweger.

Bethlehem und Tur Abdin

Die bekannteste ICO-Aktion heißt "An jeden Christbaum ein Stern aus Bethlehem": In der Adventzeit werden an die 40.000 Olivenholzsterne in ganz Österreich verkauft. Der Verkauf sichert Arbeitsplätze in Bethlehem und der Erlös fließt ebenfalls wieder nach Bethlehem zurück. So unterstützt die ICO damit die örtliche Caritas oder finanziert Kindern den Schulbesuch.

Besonders setzt sich Hollerweger auch für die Christen im Tur Abdin in der Südosttürkei ein, die in den Auseinandersetzungen zwischen den kurdischen Kämpfern und dem türkischen Militär zerrieben zu werden drohten. Seit mehr als zwei Jahrzehnten leistet Hollerweger Hilfe zur Dorfentwicklung in diesem Gebiet. Ein Probleme für die Christen vor Ort sei vor allem die fehlende Rechtssicherheit in der Türkei, so Hollerweger im "Kathpress"-Gespräch.

Als Beispiel wies er auf das Kloster Mor Gabriel (auch: Mar Gabriel) hin, eines der ältesten christlichen Klöster überhaupt. Das etwa 25 Kilometer von Midyat entfernt liegende Kloster wurde im Jahr 397 begründet. In den letzten 25 Jahren wurde das Kloster vollständig renoviert und hat sich erneut als geistliches Zentrum der altsyrischen Christen etabliert.

Das Kloster sieht sich aber von verschiedenen Seiten mit Ansprüchen und Gerichtsverfahren konfrontiert. Außer den Finanz- und Forstbehörden erheben auch benachbarte Gemeinden Anspruch auf Grund und Boden, der Mor Gabriel gehört.

Sollte in der Türkei endlich Rechtssicherheit herrschen, würden wieder mehr Christen in ihre ursprüngliche Heimat im Tur Abdin zurückkehren, zeigte sich Hollerweger überzeugt. Bislang sei von Verbesserungen trotz Bemühungen der Türkei um einen EU-Beitritt aber noch nichts zu bemerken.

Seine vordringlichste Aufgabe sieht Hollerweger darin, die Menschen in Österreich über die Christen im Nahen Osten zu informieren und mehr Interesse zu wecken. Das bezwecke er vor allem mit der vier Mal jährlich erscheinenden Zeitschrift "Information Christlicher Orient", in der das vielfältige lebendige christliche Leben im Nahen Osten gezeigt werden soll.

Liturgiewissenschaftler und Musiker

Hans Hollerweger wurde 1930 in St. Georgen im Attergau geboren. Er studierte in Linz Theologie und wurde 1954 zum Priester geweiht. 1972 habilitierte er sich für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät der Universität Graz. Ab 1967 lehrte er als Dozent und ab 1971 als Professor Sakramententheologie und Liturgiewissenschaft an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Linz (nunmehr Katholisch-Theologische Hochschule Linz). Maßgeblich war er am Aufbau der Hochschulbibliothek beteiligt, deren Direktor er ebenfalls war. Außerdem unterrichtete er an der Religionspädagogischen Akademie der Diözese Linz. 1996 emeritierte Prof. Hollerweger.

Als Liturgiker hatte Hollerweger wesentlichen Anteil an der Erstellung der Richtlinien für die Begräbnisfeier in den deutschsprachigen Diözesen sowie am Benediktionale, dem Handbuch für Segensfeiern der Kirche.

Hollerweger ist seit langem auch musikalisch tätig: Er war und ist Chorleiter und gilt als Fachmann für byzantinische Liturgie. Aus Hollerwegers Beschäftigung mit dem Tur Adin entstand 1999 der Bildband "Lebendiges Kulturerbe Tur Abdin. Wo die Sprache Jesu gesprochen wird", der inzwischen eine Auflage von 12.500 Stück erreicht hat und als internationales Standardwerk gilt.

O-Töne von Prof. Hollerweger sind auf www.katholisch.at/o-toene  abrufbar.

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