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Auf den Straßen der Welt verbirgt sich Gott

Unter diesem Motto steht das heurige Fastenseminar des Dekanates Wels Stadt, das am Montag begonnen hat. In fünf Abenden geht Msgr. Johann Bachmair dieser Aussage von Madeleine Delbrêl auf den Grund.
Am Beginn des ersten Abends gedachte Bachmair mit den zahlreichen Besuchern im Gebet den vielen Opfern und Verzweifelten der Katastrophe in Japan.

Msgr. Johann Bachmair beim Vortrag in der Stadtpfarre Wels (Foto: Hasibeder)

Fastenzeit leben
Vier wichtige Punkte betonte Bachmair im Zusammenhang mit der Fastenzeit: 1. Lass in dieser Zeit Gott zu Wort kommen. 2. Nimm dein Leben ernst: es ist Gottes Anlegestelle bei dir. 3. Nimm dir Zeit zum Beten: es erhöht deine Aufmerksamkeit für Gottes Dasein. 4. Vertraue darauf, dass Gott in deinem Leben wirksam ist.
Gut wäre es, so Bachmair, diese Karte zu Hause sichtbar auf zu stellen, um sich stets daran zu erinnern. „Nehmen sie sich wirklich Zeit zum Beten und sie werden sehen, es gibt so etwas wie eine Zeitvermehrung. Diese Zeit wird ihnen nicht fehlen, es ist eher ein Zeitgewinn“, ist Bachmair überzeugt.

Gott liebt diese Welt
Das Thema des ersten Vortrags lautete: „Gott liebt diese Welt“
„Gott sagt zur Schöpfung: es ist gut. Sei in dieser Woche besonders aufmerksam auf Gottes verborgene Sprache. Mache dir einen Tages- und Wochenplan, wann du dir Zeit zum Beten nimmst. Die Stille ist keine verlorene, sondern eine kostbare Zeit“, regte Bachmair an. Das Gebet sei vor allem eine Rede Gottes mit uns und nicht umgekehrt.

Delbrêl, die Atheistin und Mystikerin
Madeleine Delbrêl, die französische Mystikerin in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, habe ihn in der vergangenen Zeit stark beeindruckt, erklärte Bachmair. Sie sei völlig unreligiös aufgewachsen und war Atheistin. „Gott ist tot, es lebe der Tod“, so eines ihrer Lebensmottos in ihrer Jugendzeit.
„Sie feierte Verlobung, doch nach einiger Zeit trennte sich ihr Freund von ihr und wurde Dominikanermönch und später Arbeiterpriester. Delbrêl stürzte in eine große Krise, begann nach dem Sinn ihres Lebens zu suchen und fand Gott. Sie war bereit, sich auf Gott einzulassen – so wurde sie im Laufe der Zeit eine bedeutende Mystikerin, die mit beiden Beinen im Leben stand. Sie wurde von Gott getrieben, begann als Sozialarbeiterin in einer kommunistischen Stadt zu arbeiten und hatte gute Kontakte zu den Arbeiterpriestern. Die Fabriken waren ihre Welt für die Verkündigung und ihren Einsatz für ein menschenwürdiges Leben. Sie war mit vielen Kommunisten verbunden und befreundet, die von Gott wenig hielten“, so Bachmair.

Gott im Alltag erfahren
Daraus könnten wir lernen, dass wir Gott in unserem Alltag erfahren würden und dass er ununterbrochen am Werk sei, auch dort, wo die Welt gottlos scheine, so Bachmair.
„Delbrêl begegnete Gott in den Menschen, die gläubig waren genauso, wie in denen, die Gott ablehnten und verspotteten. Genauso ist Gott für sie in der Politik zu finden, im Guten wie im Bösen. Sie war auch überzeugt, dass Gott an der Welt mitleidet. Das Schicksal der Menschen ist auch Gottes Schicksal, war sie überzeugt. So kann man auch aus dieser Sicht sagen, Gott leidet auch jetzt in Japan mit. Denn Gott ist auch der Ohnmächtige, nicht nur der Allmächtige. Das fällt uns schwer zu glauben, aber Gott liebt diese Welt, wie sie ist, nicht wie sie sein sollte. Im Schöpfungsbericht heißt es: es ist gut. Gott stellt keine Bedingungen für seine Liebe zu uns. Auch wir sollen daher positiv von der Welt denken, denn Gott lässt die Sonne scheinen über Gute und Böse“, erklärte Bachmair.

Die Welt als Lebensraum für alle
Unser Auftrag sei es, die Welt zu einem Ort zu machen, der für alle Menschen ein guter Lebensraum sei, so Bachmair
„Delbrêl spricht von der Welt als ein Musikstück, ein Gemälde, eine Skulptur Gottes, sie beschreibt damit Gott als einen Künstler, der die Welt gestaltet. Und er trauert, leidet und hungert aber auch mit den Menschen – er ist Vater und Mutter der Menschen, so auch jetzt in Japan. Denn in Jesus Christus hat sich Gott untrennbar mit der Welt verbunden und ist so mitten in unserem Leben“, ist Bachmair überzeugt.


Die weiteren Termine und Themen jeweils im Pfarrzentrum der Stadtpfarre Wels:

Montag, 21.März 2011, um 19.3o Uhr:
Wer betet, gräbt in die Tiefe

Montag, 28.März 2011, um 19.3o Uhr:
Wer den Nächsten liebt, liebt Gott.

Montag, 4.April 2011, um 19.3o Uhr:
Gott redet heute mit mir

Montag, 11.April 2011, um 19.3o Uhr:
Wer glaubt, lebt anders

 

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